DSW und TUM: DAX-Vorstände sahnen ab mit 24 Prozent Einkommensplus

 Düsseldorf (28.9.22) – Die Vorstandsmitglieder der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen haben 2021 im Schnitt 24 Prozent mehr verdient als noch im Jahr zuvor. Dies ist das Ergebnis der jährlichen Vergleichsstudie der Technischen Universität München (TUM) und der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz).

Demnach erhielten die Vorstandsmitglieder durchschnittlich 3,9 Millionen Euro. Das ist das 53-fache des Durchschnittsverdienstes ihrer Mitarbeitenden. In den Vorjahren waren die Einkommen der Vorstandsmitglieder dreimal in Folge gesunken.

Im Ranking der Spitzenvergütungen liegt Linde auf Platz 1 mit einer durchschnittlichen Vergütung von 8,8 Mio. Euro. Auf Platz 2 folgt Qiagen und auf Platz 3 die Deutsche Bank. Die drei Unternehmen mit dem stärksten Anstieg bei der Vergütung waren Adidas, Covestro und MTU, bei denen die Vergütung im Jahresvergleich um bis zu 191 Prozent zulegte. Die negativste Entwicklung verzeichneten die Vorstandsmitglieder von Puma mit minus 29,7 Prozent.

Weniger Transparenz

 

Interessant sind laut Studienleiter Prof. Gunther Friedl vom Lehrstuhl für Controlling der TUM die Gehaltsunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Vorstandsmitgliedern: „Es zeigt sich, dass männliche Vorstände – Vorstandsvorsitzende nicht eingerechnet – mit durchschnittlich 3,5 Millionen Euro weniger als ihre weiblichen Kolleginnen verdienen, die auf 3,6 Millionen Euro kommen. Trotzdem ist der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder mit circa 20 Prozent immer noch deutlich ausbaufähig.“

 

„Die Vergütungsberichte der Unternehmen sind unter den neuen Regeln deutlich intransparenter und weniger vergleichbar geworden. Dass die Investoren dies wahrlich nicht positiv stimmt, zeigt sich auch an den geringen Zustimmungsquoten zu den Vergütungsberichten: Im DAX haben diese eine durchschnittliche Zustimmung von rund 84 Prozent erhalten, im MDAX nur 82 Prozent, bei acht DAX-Unternehmen lag die Quote sogar – teilweise deutlich – unterhalb der 80-Prozent-Marke. Wenn die Industrie nicht dringend nachbessert, ist eine deutliche Verschlechterung der Abstimmungsergebnisse und damit mehr Druck von der Investorenseite zu erwarten“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW.

 

ESG kommt langsam, aber…

 

Innerhalb der Bemessungsgrundlagen zur Vorstandsvergütung wird Rolle nicht-finanzieller ESG-Kriterien wichtiger. Immerhin verwenden 90 Prozent der DAX-Unternehmen mindestens eines der drei ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance) und auch im MDAX sind es zumindest 72 Prozent. Im DAX finden sich somit lediglich vier Unternehmen, die in 2021 keine ESG-Kriterien in der Vergütung ihrer Vorstände berücksichtigten. Dies waren Delivery Hero, Porsche Automobil Holding, Sartorius und Zalando.