Ernst & Young EY: EU-Neuwagenmarkt bleibt trotz

Erholung weiter deutlich unter Vorkrisenniveau

Frankfurt/Main (18.10.22) – Die Lage auf dem europäischen Neuwagenmarkt hat sich im September entspannt: Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat EU-weit um knapp 10 Prozent. Im August hatte das Plus noch bei vier Prozent gelegen. Auch die Lücke zum Vorkrisenniveau wird kleiner: Nachdem der Rückstand gegenüber dem Vor-Pandemieniveau im August noch bei 31 Prozent gelegen hatte, wurde im September nur noch ein Rückgang gegenüber dem Vergleichsmonat im Jahr 2019 von 13 Prozent registriert.

Peter Fuß, Partner bei EY, sieht eine – zumindest vorübergehende – europaweite Erholung auf dem Neuwagenmarkt: „Der Chipmangel lässt nach, die Liefersituation verbessert sich, die Produktion nimmt langsam wieder Fahrt auf. Das dürfte nicht zuletzt an der sinkenden Nachfrage in anderen Branchen liegen, die stark von der Konjunkturschwäche betroffen sind. Angesichts des komfortablen Polsters an Bestellungen dürfte die Zahl der Neuzulassungen in den kommenden Monaten weiter steigen. Zumindest bis Jahresende werden wir positive Wachstumszahlen sehen, auch wenn das Vorkrisenniveau nicht erreicht werden dürfte.“

Für das kommende Jahr hätten sich die Aussichten zuletzt aber stark eingetrübt, ergänzt Fuß: „Konjunktureinbruch, Energiekrise, Inflation: Die Rahmenbedingungen sind denkbar schlecht. Die Nachfrage nach Neuwagen wird darunter massiv leiden. Da hilft es wenig, wenn sich die Verfügbarkeit von Neuwagen verbessert. Zumindest für die erste Hälfte des kommenden Jahres bleiben die Aussichten daher düster.“

Absatz von Elektroautos gewinnt an Fahrt

Im September legten die Neuzulassungen reiner Elektroautos in den größten fünf Märkten Westeuropas[1] stärker zu als im Vormonat. Um 20 Prozent kletterten die Neuzulassungen von E-Autos, nachdem das Plus im August bei 14 Prozent gelegen hatte. Allerdings verzeichnete Italien ein starkes Minus von 40 Prozent. Der Marktanteil reiner Elektroautos in den Top-5-Märkten stieg im Vorjahresvergleich von 13,3 auf 14,7 Prozent.

„Das Interesse an lieferbaren Elektroautos dürfte zumindest in Deutschland zum Jahresende hin nochmal steigen“, sagt Fuß. „Die ab dem kommenden Jahr reduzierte Förderung wird voraussichtlich zu einem besonders starken vierten Quartal im Elektrosegment führen.“

Weniger dynamisch entwickelte sich im September der Absatz von Plug-in-Hybriden. Deren Neuzulassungen stiegen in den Top-5-Märkten im September um fünf Prozent, der Marktanteil sank im Vergleich zum Vorjahresmonat von 8,1 auf 7,9 Prozent. „Plug-in-Hybride haben es auf dem Markt immer schwerer“, sagt Fuß. „In Deutschland wird die Ende des Jahres auslaufende Förderung zwar zu einem Jahresendspurt bei den Neuzulassungen führen – ab dem kommenden Jahr dürfte der Absatz von Plug-in-Hybriden aber nochmal kräftig unter Druck geraten.“