Roland Berger: Bauindustrie in DACH unter Druck – Die Branche könnte 2023 um fast 5 Prozent schrumpfen

Hamburg (20.10.22) – Die Bauwirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz steht vor einem grundlegenden Wandel: Versorgungsengpässe bei Gas, steigende Energiepreise, Inflation und Zinsen bremsen die Nachfrage aus. Die Experten von Roland Berger untersuchen in ihrem aktuellen „Construction Radar“ die relevanten Störfaktoren und simulieren anhand von drei Szenarien die Auswirkungen auf die Branche im Falle stabiler, reduzierter und ausbleibender Gaslieferungen. Zudem wird aufgezeigt, welche Maßnahmen Bauunternehmen bereits heute umsetzen sollten, um erfolgreich durch die Krise zu kommen bzw. für eine Markterholung gewappnet zu sein.

„Energieengpässe und -preissteigerungen, die bereits im Zuge der

Pandemie stark gestiegenen Materialkosten, Inflation und höhere

Zinsen treffen die Bauwirtschaft gerade zur gleichen Zeit“, sagt

Kai-Stefan Schober, Partner bei Roland Berger. „Die weitere

Branchenentwicklung ist in starkem Maße abhängig von der Lösung der

Energiekrise und kann somit entweder zu einer langen Durststrecke

oder zu einer schnellen Erholung führen.“

 

Erste Anzeichen einer Verlangsamung

 

Seit 2005 kannte die deutsche Bauwirtschaft nur eine Richtung:

Wachstum. Selbst die Pandemie und die Finanzkrise 2008/2009 haben die

Branche nur kurzzeitig negativ beeinflusst. Dies könnte sich nun

ändern. Auch wenn der aktuelle Auftragsbestand noch für fast zwei

Jahre ausreicht, gibt es über Auftragsverschiebungen oder

Stornierungen hinaus auch Anzeichen einer Verlangsamung bei

Baugenehmigungen. „In der ersten Jahreshälfte 2022 gingen die

Baugenehmigungen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr

um 10,1 Prozent zurück. Das ist ein enormer Rückgang und ein klares

Zeichen, dass der Markt stark beeinflusst wird“, erklärt Schober.

 

Realer Umsatz- oder Absatzrückgang von fast 5 Prozent im Jahr 2023

möglich

 

Um den Einfluss von Gasengpässen, Inflation und Zinsen auf die

DACH-Bauindustrie zu bewerten, haben die Roland Berger-Experten drei

Szenarien (keine, moderate und starke Energieengpässe) entwickelt und

deren Auswirkungen modelliert. Demnach wird die Bauindustrie in allen

Szenarien aufgrund der Energiepreise und möglichen

Versorgungsengpässen im kommenden Jahr weiter unter Druck bleiben. Da

die Branche bereits eine Verteuerung der Energiepreise um 60 Prozent

verkraften musste, rechnen die

Studienautoren für 2023 mit einem realen Umsatz- oder Absatzrückgang

von bis zu -4,8 Prozent. Auch auf der Kostenseite sind weitere

überproportionale Steigerungen von 15 bis 25 Prozent möglich, was zu

Gewinneinbußen von bis zu zehn Prozentpunkten führen könnte.

 

Wohnungs- und Neubausegment besonders stark betroffen –

Normalisierung frühestens 2025

 

Besonders kritisch wird es im nächsten Jahr in der DACH-Region für

Neubauten und den privaten Wohnungsbau. Im Worst-Case-Szenario könnte

der Auftragseingang in diesen Segmenten 2023 im Vergleich zum Vorjahr

real um über sechs Prozentpunkte schrumpfen. Eine Erholung tritt in

den Bereichen in diesem Szenario wohl ab 2025 ein. Auf der

Lieferantenseite sind vor allem Baustoff-/Werkstoffhersteller mit

einem hohen Gasverbrauch negativ betroffen. Für ausgewählte

Hersteller von Baustoffen sehen die

Experten gar einen Umsatzrückgang von bis zu 23 Prozent.

 

„Je nachdem, wie lange und schwerwiegend die Gaskrise sein wird, kann

die vollständige Erholung der Baubranche zwischen zwei bis vier Jahre

dauern. Vor diesem Hintergrund sollten Unternehmen in der

Bauwirtschaft bereits heute umfangreiche Maßnahmen ergreifen, um ihre

Geschäftsmodelle widerstandsfähiger zu machen. Neben der Umsetzung

von operativen Effizienzsteigerungshebeln, der Einführung eines der

jetzigen Unsicherheit entsprechenden agilen Managements, sollte eine

Gas- und Cash-Taskforce

eingerichtet werden. Potenzielle Risikofaktoren können somit

schneller aufgedeckt und mithilfe von Szenarioanalysen umfassend

beleuchtet werden. Intelligentes Preismanagement soll die Umsatzseite

bestmöglich absichern. Zur Vermeidung von Lieferengpässen sind

Kapazitätsverlagerungen an andere Standorte zu prüfen. Auch eine

Erhöhung des Marktanteils kann durch anorganisches Wachstum weiter

vorangetrieben werden. Damit sind die Unternehmen auch für die Zeit

nach der Krise vorbereitet“, fasst

Schober zusammen.

 

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen: https://bit.ly/3VGhHpm

 

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