PwC: Geopolitische Unsicherheiten verursachen niedrigere Start-up-Bewertungen und geringere Investmentaktivität –

stärken aber den Fokus auf Climate-Tech

Frankfurt/Main (14.12.22) – Start-ups, die klimafreundliche Technologien schaffen („Climate-Tech-Unternehmen“), werden für Investor:innen immer attraktiver. Mit 62 Prozent betrachten wesentlich mehr Investor:innen als im Vorjahr die Branche häufig oder immer als Investitionsschwerpunkt. Grund dafür sind die geopolitischen Instabilitäten, die unter anderem zeigen, dass es immer dringlicher wird, die Klimakrise zu bewältigen. Dies sind einige der Kernergebnisse der aktuellen Venture capital market study 2022. – Für die Venture Capital Studie 2022 befragten PwC Deutschland gemeinsam mit Professor Dr. Dirk Honold, Technische Hochschule Nürnberg und der Ventury Analytics GmbH, Start-up-Investor:innen, deren Investitionen sich auf den deutschen Markt konzentrieren oder die Deals in Deutschland abgeschlossen haben. Bei 62 Fragen (ausgenommen bestimmte Detailfragen) stieg die Zahl der Teilnehmenden von 42 in der letztjährigen Studie auf 56 (in der Spitze waren es 62 Investor:innen).

„Wenn man der aktuellen geopolitischen Krisensituation etwas

Positives abgewinnen will, dann die Tatsache, dass sie die

Investor:innen dazu bringt, sich stärker mit klimafreundlichen

Technologien zu beschäftigen. Das Interesse der Investor:innen an

Climate-Tech Startups hat im Vergleich zu anderen Sektoren und zu

früheren Investitionsschwerpunkten eindeutig zugenommen.“ Enrico

Reiche, Director bei PwC Deutschland

 

Investor:innen erwarten höhere IRRs

 

Die Internal Rate of Return (IRR) dient Investor:innen als Indikator

für die Erträge ihrer Portfolios. 2022 ist die erwartete IRR für das

einzelne Portfolio-Unternehmen im Early Stage im Vergleich zum

Vorjahr im Durchschnitt um sechs Prozent auf nun 36 Prozent

gestiegen.

 

Dass die Investor:innen durchschnittlich höhere IRRs erwarten, lässt

sich darauf zurückführen, dass CVCs für einzelne

Zielportfoliounternehmen von deutlich höheren IRRs ausgehen, als noch

im Vorjahr – somit schließt sich die Kluft, die bei den

IRR-Erwartungen bisher zwischen VCs und CVCs bestand. Zudem stiegen

die erwarteten Kapitalmultiplikatoren für Exits und Trade Sales an:

Sie liegen im Jahr 2022 zwischen 3,0x und 6,0x und haben im Vergleich

zum Vorjahr über alle Investitionsphasen hinweg

durchschnittlich um 0,2x zugelegt.

 

„Das Zusammenspiel von CVC und VC verbessert sich immer weiter und

führt zu einer wichtigen Stärkung des Start-up Ökosystems.

Professionelle CVCs syndizieren erfolgreich mit allen Partnern und

verlangen in der Regel keine Sonderposition, z.B. beim Verkauf. Nur

der Freiheitsgrad bei Entscheidungen und die Vergütung mit

Erfolgskomponenten, wie .zB. Carry, sind noch unterschiedlich

praktizierte Punkte.“ Prof. Dr, Dirk Honold, Professor für

Unternehmensfinanzierung, Technische Hochschule Nürnberg

 

Niedrigere Bewertungen vor allem in der Spätphase

 

Die große Mehrheit der Investor:innen (85 Prozent) äußert, dass die

geopolitischen Unsicherheiten sich negativ auf die Bewertungen von

Startups auswirken – vor allem in der Spätphase ist diese Entwicklung

deutlich erkennbar. Aus diesem Grund werden Finanzierungsrunden

verschoben (43,9 Prozent) oder Portfolios stärker diversifiziert

(ebenfalls 43,9 Prozent); 36,6 Prozent der Investor:innen erklären

außerdem, dass die Investitionsanzahl und -volumina geringer

ausfallen.

 

Den Investor:innen geht es dabei vor allem um grundlegende

Vertragsbedingungen zu Bewertungsbestimmungen, Investitionsvolumina

oder Liquidationspräferenzen . Ein schwierigeres Verhandlungsklima

bedeutet zwar nicht zwangsläufig investor:innenfreundlichere

Bedingungen, aber Gründer:innen sollten in jedem Fall von einem

kleineren Verhandlungsspielraum ausgehen. Der größte

Verhandlungsspielraum besteht weiterhin beim Thema

Mitarbeiterbeteiligung.

 

Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen in Deutschland ist

nachteilig

 

Auch deutsche Start-ups müssen sich dem immer härteren Wettbewerb um

Talente stellen – und konkurrieren häufig mit ausländischen

Unternehmen. In diesem Kontext ist die Besteuerung von

beteiligungsorientierten Anreizsystemen (Employee Stock Option Plans,

ESOPs bzw. Virtual Stock Option Plans, VSOPs) in Deutschland ein

Nachteil für das Recruiting hochqualifizierter Fachkräfte. Die in §

19a EStG vorgenommenen Änderungen hätten jedoch, so die

Studienautoren, bislang nicht zu wesentlichen

Verbesserungen geführt, unter anderem weil Start-ups sie bisher nur

selten anwenden.

 

„Unsere Studienergebnisse zeigen, dass wir Incentivierungen in

Deutschland dringend anders besteuern müssen, wenn wir im Wettbewerb

um die besten Talente durchsetzungsfähig bleiben wollen – die

aktuellen Regulierungen sind ein deutlicher Nachteil für den Standort

Deutschland. Umso erfreulicher ist es, dass einige Mitglieder der

Bundesregierung angekündigt haben, die Besteuerung von

Beteiligungsmodellen verändern zu wollen.“ Gerhard Wacker, Deals/M&A

Partner at PwC Legal Germany

 

Bei der Finanzierung von Later Stage-Start-ups stellen der

nachweislich große Einfluss des deutschen Außenwirtschaftsrechts und

die Beschränkungen für ausländische Investitionen zusätzliche

Herausforderungen dar. Das deutsche Later Stage

Finanzierungsökosystem ist nach wie vor von ausländischen Investoren

und Exit-Kanälen abhängig – insbesondere von Investor:innen außerhalb

der EU.

 

Die gesamte Studie finden Sie hier

(https://www.pwc.de/de/deals/venture-capital-marktstudie.html) .