PwC:
ESG-Studie: Große Ambitionen, geringer Tatendrang – nur ein Drittel der Unternehmen hat Maßnahmen zur Emissionsreduzierung umgesetzt
Frankfurt/Main (14.2.23) – Weltweit setzen sich Unternehmen ambitionierte ESG-Ziele, doch nur 6 % realisieren die dafür erforderlichen Maßnahmen in voller Konsequenz. Die meisten Unternehmen (53 %) befinden sich noch in einem relativ frühen Stadium der ESG-Transformation und setzen lediglich grundlegende Maßnahmen wie den Ausgleich von Kohlenstoffemissionen durch CO2-Zertifikate um. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „ESG Empowered Value Chains 2025“, zu der die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC) über 900 Führungskräfte weltweit zum Status quo ihrer ESG-Transformation befragt hat. Die Studie deutet darauf hin, dass viele Unternehmen mit der Umsetzung der teilweise komplizierten und schwierig zu messenden Maßnahmen hadern, wie etwa bei der Neugestaltung von Produkten oder der Verbesserung von Vielfalt und Integration. Eine kleine Gruppe fortgeschrittener Unternehmen, die die Studienautor:innen als ESG-Champions kategorisieren, bemüht sich indes, ESG-Maßnahmen in ihre gesamte Wertschöpfungskette einzubinden, um sich selbst und ihre Lieferanten nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu machen.
Wachsender Druck von vielen Seiten
Unternehmen stehen unter enormem Druck: Die Auswirkungen von COVID-19
sowie des Krieges in der Ukraine halten an und haben unter anderem
Unterbrechungen der Lieferketten, Rohstoffknappheit und eine
wachsende Inflation zur Folge. Gleichzeitig werden Unternehmen von
Verbraucher:innen, Mitarbeitenden, Investoren und Aufsichtsbehörden
immer stärker dazu angehalten, ihr Geschäft so umzugestalten, dass es
einer wachsenden Zahl von Umwelt- und Sozialstandards entspricht.
„Die ESG-Transformation kann in diesen Zeiten wie eine zusätzliche
Belastung erscheinen – die Umstellung ist kostspielig, anspruchsvoll,
und komplex“, sagt Dr. Hans-Jörg Kutschera, ESG Operations Lead bei
Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC. „Dennoch ist es
für Unternehmen von existenzieller Bedeutung, dass sie die
ökologischen und sozialen Folgen ihres Handelns kennen und ihre
Tätigkeit an ESG-Standards ausrichten. Das gilt insbesondere für
Unternehmen mit
Kapitalmarktorientierung.“ Die Vorteile einer ESG-Pionierrolle sehen
auch einige Entscheider:innen in der Studie. Denn wie bei der
Digitalisierung sind die Vorteile der Transformation umso größer, je
früher sie erfolgt. „Die Vorreiter konnten schnell aus Fehlern lernen
und sich weiterentwickeln. Wer gezögert hat, muss jetzt viel
investieren, um den Rückstand aufzuholen. Es ist besser, ein
ESG-Champion zu sein als ein Mitläufer“, so Kutschera.
ESG-Champions setzen auf Tempo, Ganzheitlichkeit und Transparenz
Die Studie zeigt, dass sich die Einstellung gegenüber der
Transformation zu ESG-getriebenen Geschäftstätigkeiten als Treiber
für Widerstands- und Wettbewerbsfähigkeit stark verändert hat. Eine
kleine Gruppe von Champion-Unternehmen (6 %) tätigen unter diesen
Vorzeichen hohe Investitionen und verzichten auf kurzfristige
Gewinne, um ihr Unternehmen langfristig nachhaltig zu gestalten.
„Die ESG-Champions weisen ähnliche Merkmale auf“, erklärt Stefan
Schrauf, EMEA Operations Lead bei PwC Deutschland. „Sie sind in der
Regel größer und haben einen Umsatz von mehr als 3 Milliarden Euro.
Sie sind besser darin, Pläne zu machen, sie mit konkreten Maßnahmen
zu untermauern und sie langfristig zu verfolgen.“ ESG-Champions
verfügen über detaillierte, kurz- und langfristige Roadmaps, die die
meisten ihrer Wertschöpfungsketten abdecken. Außerdem haben sie einen
umfassenden Überblick
hinsichtlich der Menschenrechtsrisiken in ihren Wertschöpfungsketten
sowie robuste, produktspezifische Standards für Bereiche wie den
Tierschutz oder die Rohstoffbeschaffung. Mehr als 70 % ihrer Produkte
und Dienstleistungen stehen im Einklang mit ESG-Zielen. Sie haben
ESG-Ziele und KPIs, die mit den Unternehmenszielen verknüpft und auf
die operativen Funktionen heruntergebrochen sind, sowie einer
regelmäßigen Überwachung unterliegen. 81 % der Champions richten ihre
Geschäftsmodelle in
erheblichem Maße neu aus, indem sie beispielsweise auf zirkuläre
Geschäftsmodelle umstellen oder ihr Produktportfolio an die ESG-Ziele
anpassen. Im Vergleich dazu tun dies nur 15 % der anderen
Unternehmen.
ESG-Champions sind darüber hinaus auch bei der Digitalisierung weiter
und verfügen über ein höheres Maß an Datentransparenz und
-zugänglichkeit. 81 % geben an, dass ihre ESG-Daten vollständig
verfügbar sind und für die Entscheidungsfindung genutzt werden. Zum
Vergleich: Nur 13 % der Unternehmen abseits der Champions behaupten
das von sich.
„Es scheint, dass ESG-Champions auch widerstandsfähiger sind, wenn
sie mit ESG-Herausforderungen konfrontiert werden“, sagt Schrauf. „Im
Durchschnitt geben die Champions 25 % seltener an, dass
Herausforderungen wie Kosten, Zugang zu Daten und unklare
geschäftliche Auswirkungen die Umsetzung behindern.“ Die Vorreiter
sind nach Stefan Schraufs Einschätzung deutlich weniger von Problemen
betroffen, die anderen Unternehmen große Sorgen bereiten, darunter
etwa unzureichende Unterstützung durch das
Top-Management, fehlende ESG-Strategien und unklare Zuständigkeiten.
Während diese Herausforderungen rund ein Viertel der Befragten
bestätigte, führten in der Gruppe der Champions nur 13 % diese
Aspekte als Problem an. Die größte Sorge der ESG-Champions ist der
unzureichende Zugang zu Daten.
Fortgeschrittene Digitalisierung beschleunigt die nachhaltige
Transformation
Die meisten Unternehmen geben an, dass unzureichende
IT-Infrastrukturen, ein Mangel an digitalen Lösungen und ein
eingeschränkter Datenzugang zu den wichtigsten ESG-Herausforderungen
gehören. Weil sich die digitalen Fähigkeiten vieler Unternehmen noch
in der Entwicklung befinden, sind diese Ergebnisse nur wenig
überraschend. So haben aktuelle PwC-Untersuchungen gezeigt, dass sich
64 % der Unternehmen aus der industriellen Fertigung noch in der
Anfangsphase der digitalen Transformation befinden.
Die Studie veranschaulicht, dass ein hohes Maß an Digitalisierung für
die Umsetzung von ESG-Maßnahmen unerlässlich ist – insbesondere im
Hinblick auf die dafür notwendigen Daten. Diese müssen überall im
Unternehmen zuverlässig und zugänglich sein, um Auswirkungen und
Aktivitäten effektiv überwachen, verfolgen und steuern zu können.
Hier setzen die Vorreiter in der Regel auf moderne IoT-Lösungen, um
Umwelt-KPIs in Echtzeit zu messen und den ökologischen Fußabdruck
ganzer Fabriken sowie einzelner
Maschinen und Produkte zu ermitteln. Darüber hinaus können Analysen
helfen, den Energieverbrauch vorherzusagen. Technologie ist zudem der
Schlüssel für eine ESG-fokussierte Zusammenarbeit mit Lieferanten und
Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette und unerlässlich, um
die wachsenden Berichtspflichten zu erfüllen. Lücken in der
Digitalisierung führen so schnell zum Rückstand im Wettbewerb.
Kluft zwischen Vorreitern und Nachzüglern
Die Ergebnisse der Studie untermauern die These, dass sich eine Kluft
zwischen den Vorreitern und den Nachzüglern bildet. Während die einen
schnell handeln und ESG-Standards auf breiter Basis umsetzen, fallen
diejenigen, die sich lediglich auf das Minimum verständigen, weit
zurück. ESG-Champions konzentrieren sich auf Bereiche wie
fortschrittliche Nachverfolgung oder die Lieferantenzusammenarbeit
und verbessern so ihre gesamte Wertschöpfungskette. Die Folge: Für
Unternehmen, die diese Maßnahmen
nicht ergreifen, wird es zunehmend schwieriger, im Wettbewerb zu
bestehen. „Während die ESG-Transformation die Wettbewerbsfähigkeit
von Unternehmen aufgrund steigender Kosten kurzfristig
beeinträchtigen kann, überwiegen langfristig die Vorteile“, sagt Dr.
Hans-Jörg Kutschera. „Dazu gehören mehr Transparenz in den
Lieferketten, niedrigere Energiekosten, geringere Materialkosten,
Innovationsvorsprung und damit einhergehend ein gesteigertes
Interesse der Investoren. Unternehmen, die
hinterherhinken, werden diesen Vorsprung möglicherweise bald nicht
mehr aufholen können.“
Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter
https://www.pwc.de/ESGsurvey

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