Ernst & Young EY:
EU-Neuwagenmarkt erholt sich nur sehr langsam –
gedämpftes Wachstum bei elektrifizierten Neuwagen
Frankfurt/Main (21.3.23) – Der Neuwagenmarkt in der EU erholt sich zwar weiter, bleibt aber deutlich unter dem Vorkrisenniveau. So stieg die Zahl der Pkw Neuzulassungen in der EU laut Branchenverband ACEA gegenüber Februar 2022 um 12 Prozent. Im Vergleich zu Februar 2019, also bevor die Pandemie zu massiven Absatzrückgängen führte, ergibt sich aber ein Rückgang um 22 Prozent. In 22 der 27 EU-Mitgliedsländern lag der Absatz im Februar unter dem Niveau von Februar 2019.
„Die Erholung kommt langsam voran“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Allerdings sind wir immer noch weit entfernt von dem Vor-Corona-Niveau.“ Grundsätzlich verbessern sich Rahmenbedingungen für die Autoindustrie, so Fuß: „Die Engpass-Probleme bei Vorprodukten und Halbleitern bestehen zwar noch, aber die Liefersituation ist deutlich besser als vor einem Jahr und wird sich im weiteren Jahresverlauf voraussichtlich weiter entspannen. Zu einer tiefen Rezession scheint es zudem nicht zu kommen, eine akute Energiekrise ist offenbar vorläufig abgewendet und die Spritpreise sinken wieder. Die Ausgangslage ist also besser als im Vorjahr.“
Allerdings gebe es weiterhin erhebliche Risiken und Probleme, vor allem den Krieg in der Ukraine, die Spannungen zwischen den USA und China und die hohe Inflation. Auch die sehr hohen Neuwagenpreise dämpfen den Absatz, sagt Fuß: „Das hohe Preisniveau hat eine abschreckende Wirkung, zumindest in den preissensiblen Kleinwagen- und Kompaktsegmenten. Solange die Autohersteller über ein komfortables Auftragspolster verfügen, werden sie versuchen, die Preise hoch zu halten. Sinkende Auftragseingänge könnten allerdings im weiteren Jahresverlauf bei einigen Herstellern aber dafür sorgen, dass Rabatte wieder eine größere Rolle spielen.“
Insgesamt spreche derzeit viel dafür, dass auch 2023 der Neuwagenabsatz in der EU trotz eines knapp zweistelligen Wachstums deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau liegen werde, so Fuß.
Wachstum bei Elektroautos lässt nach
Im Februar legten die Neuzulassungen reiner Elektroautos (BEV) in der EU insgesamt um 39,6 Prozent zu, und damit dreimal so stark wie der Gesamtmarkt. Der Marktanteil reiner Elektroautos stieg im Vergleich zu Februar 2022 von 9,7 Prozent auf 12,1 Prozent.
„Die Nachfrage nach Elektroautos ist immer noch größer als das Angebot, wobei staatliche Subventionen eine große Rolle spielen. Allerdings sehen wir, dass sich das Wachstum im Vergleich zu früheren Boomzeiten etwas abschwächt. Im weiteren Jahresverlauf wird der Absatz von Elektroautos zwar weiter steigen – ganz große Sprünge sind aber nicht zu erwarten.“
Die höchsten Marktanteile wurden auch im Februar wieder in den Skandinavischen Ländern registriert: In Schweden lag der BEV-Marktanteil bei 33 Prozent, in Finnland bei 30 Prozent und in Dänemark bei 27 Prozent. Deutlich seltener werden Elektroautos in Osteuropa verkauft: In Polen betrug der BEV Marktanteil im Februar gerade mal 2,9 Prozent, in der Tschechischen Republik 1,8 Prozent, in der Slowakei 1,2 Prozent. Auch in Südeuropa ist der Anteil reiner Elektroautos nach wie vor sehr niedrig: In Italien liegt er bei 3,7 Prozent, in Spanien bei 4,5 Prozent. Deutschland liegt mit einem BEV-Marktanteil von 15,7 Prozent im EU-Vergleich im oberen Mittelfeld.
„Die Elektro-Marktanteile liegen extrem weit auseinander“, sagt Fuß. „So spielen in etlichen EU-Ländern Elektroautos nach wie vor gar keine oder nur eine sehr geringe Rolle. In immerhin 11 Ländern lag der Elektro-Marktanteil im Februar unter 5 Prozent. Und nur in 12 der 28 EU-Länder lag der Marktanteil im Februar höher als 10 Prozent. „Eine sehr wichtige Rolle spielen nach wie vor staatliche Förderprogramme. Ohne die hat es der Elektroantrieb sehr schwer, wie auch die aktuellen Neuzulassungszahlen zeigen: Die Länder, die keine Kaufprämien bieten, weisen die geringsten Elektro-Marktanteile auf“, fasst Fuß zusammen und ergänzt: „Nach wie vor werden in fast allen EU-Ländern mehr Verbrenner verkauft als elektrifizierte Pkw. Daran wird sich auch 2023 nichts ändern.“
Plug-in-Hybride auf dem Rückzug
Besonders schwer haben es Plug-in-Hybride, für die die sogenannte Umweltprämie in Deutschland seit Januar ausgelaufen ist, während andere Länder teils noch Subventionen bereitstellen. Die Neuzulassungen dieser Antriebsart sanken im Februar EU-weit gegenüber dem Vorjahresmonat um 7 Prozent, insgesamt 7 Länder verzeichneten sinkende Neuzulassungszahlen von Plug-in-Hybriden. Der Marktanteil dieser Antriebsform sank EU-weit von 8,6 Prozent auf 7,2 Prozent.
In Summe haben die beiden elektrischen Antriebsformen (PHEV) Plug-In-Hybride und BEV (Elektro) somit im Februar um 17,5 Prozent zugelegt und somit nur etwas stärker als der Gesamtmarkt. Der gemeinsame Marktanteil elektrifizierter Neuwagen stieg daher nur leicht: von 18,3 Prozent auf 19,3 Prozent.

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