Ernst & Young EY:
Erholung des Neuwagenmarktes gewinnt an Fahrt – Vorkrisenniveau aber in weiter Ferne
Frankfurt/Main (5.4.23) – Die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Neuwagenmarkt im März 2023: Im März wurden laut KBA in Deutschland deutlich mehr Pkw neu zugelassen als im Vorjahresmonat: Um 17 Prozent stiegen die Neuzulassungen gegenüber März 2022. Im Februar war gerade einmal ein Plus von knapp 3 Prozent registriert worden. Trotz des starken Wachstums im März lag der Absatz allerdings weiterhin deutlich – um 19 Prozent – unter dem Vorkrisenniveau von März 2019.
- „Die Erholung auf dem Neuwagenmarkt gewinnt erfreulicherweise an Fahrt, nach dem relativ schwachen Jahresbeginn bahnt sich jetzt ein kräftiger Frühlingsaufschwung an“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY.
- Die Hauptgründe für die Erholung sind aus Fuß‘ Sicht die Entspannung beim Chipmangel und das große Auftragspolster aus dem vergangenen Jahr: „Wir sehen eine spürbare Verbesserung der Liefersituation. Der Teilemangel, der im vergangenen Jahr noch zu massiven Produktionseinbußen geführt hat, spielt eine immer geringere Rolle. Die Branche hat Wege gefunden, mit den zum Teil immer noch bestehenden Engpässen umzugehen, die Produktion zieht wieder an.“ Gleichzeitig liegen noch ausreichend Bestellungen aus dem vergangenen Jahr vor, so Fuß: „Die Auftragsbücher sind voll. Die Produktion kann dementsprechend weiter hochgefahren werden.“
- Allerdings rechnet Fuß mit einem baldigen Ende der aktuellen Sonderkonjunktur: „Die schwache Konjunkturentwicklung und die hohe Inflation führen zu sinkenden Neuwagenbestellungen. Das wird sich mit einer Verzögerung von einigen Monaten auch auf die Neuzulassungen auswirken und den aktuellen Aufwärtstrend abbremsen.“ Dann könnten auch Rabatte wieder eine größere Rolle spielen, meint Fuß. Für das Gesamtjahr rechnet er mit einem Wachstum des deutschen Neuwagenmarktes um etwa zehn Prozent.
- Marktanteil elektrifizierter Neuwagen sinkt: Der Absatz elektrifizierter Neuwagen (Elektroautos und Plug-in-Hybride) sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,4 Prozent, der Marktanteil schrumpfte von 25,6 auf 21,6 Prozent. Zum Vergleich: Im Rekordmonat Dezember 2022 hatte der Marktanteil elektrifizierter Neuwagen bei 55,4 Prozent gelegen.
- Immerhin: Die Neuzulassungen reiner Elektroautos stiegen im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 28 Prozent, nachdem sie im Februar „nur“ um 15 Prozent gewachsen waren. Die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden schrumpften hingegen sehr deutlich: um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
- „Der Zulassungsboom von Ende 2022, als es wegen der auslaufenden bzw. reduzierten Förderung einen Run auf Plug-in-Hybride und Elektroautos gab, hat zum Jahresbeginn zu einer deutlichen Delle im Elektrosegment geführt. Der Marktanteil elektrifizierter Neuwagen lag im ersten Quartal dieses Jahres gerade einmal bei 20 Prozent und damit vier Prozentpunkte niedriger als im ersten Quartal 2022“, betont Fuß.
- Benzin- und Dieselneuwagen legten in Summe gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent zu – und damit deutlich stärker als elektrifizierte Pkw. Und eine durchgreifende Besserung der Situation im Elektrosegment sei vorerst nicht in Sicht, so Fuß, denn die sinkende bzw. fehlende Subventionierung von Elektroautos und Plug-in-Hybriden werde die Nachfrage weiterhin dämpfen: „Reine Elektroautos bleiben auf Wachstumskurs. Aber die Wachstumsraten im Segment der elektrifizierten Neuwagen dürften aufgrund des Absturzes bei Plug-in-Hybriden im laufenden Jahr überschaubar bleiben. Elektromobilität ist in Deutschland immer noch auf staatliche Subventionen angewiesen – wenn die fehlt, gehlen auch die Käufer. Einen echten Elektroboom wird es daher in diesem Jahr wohl nicht geben – außer in der Elektro-Oberklasse, wo die staatliche Förderung ohnehin keine Rolle spielte.“
- Politik und Industrie werden sich etwas einfallen lassen müssen, um die für das Erreichen der ambitionierten Ziele der Bundesregierung notwenige Dynamik wieder zu entfachen, so Fuß: „Ladeinfrastruktur, Reichweiten und Kosten sind noch nicht da, wo sie sein müssten, um breite Bevölkerungsschichten von der Elektromobilität zu überzeugen.“
- Die Perspektiven von Plug-in-Hybriden seien zudem eher düster: „Plug-in-Hybride werden nur noch als Dienstwagen interessant sein, da zwar die staatliche Kaufprämie abgeschafft, der Steuervorteil für Dienstwagen aber beibehalten wurde.“
- Zurückhaltender Ausblick auf 2023: Für das laufende Jahr rechnet Fuß zwar mit einem Wachstum des Neuwagenabsatzes – das Vorkrisenniveau bleibe aber voraussichtlich in weiter Ferne: „Die Liefersituation wird sich zwar weiter verbessern, die Verfügbarkeit von Halbleitern und anderen Vorprodukten wird aber weiter ein begrenzender Faktor sein.“ Und auch die Bestellungen von Privatleuten und gewerblichen Kunden werden angesichts hoher Neuwagenpreise und einer schwachen Konjunkturentwicklung
- Blick ins Ausland: Starkes Wachstum, aber zumeist deutlich unter Vorkrisenniveau. Auch in den meisten anderen größeren westeuropäischen Märkten stiegen die Neuzulassungen im vergangenen Monat stark – zumeist sogar stärker als in Deutschland. Spanien registrierte mit einem Plus von 66 Prozent das mit Abstand stärkste Wachstum – allerdings auf der Basis eines sehr niedrigen und vom Chipmangel geprägten Vorjahresniveaus. Trotz des starken Wachstums in vielen Ländern: In den meisten der unten aufgeführten Märkte wurde im März das Vorkrisenniveau nicht erreicht oder gar übertroffen – nur in Schweden und Irland lagen die Neuzulassungen etwa auf dem Niveau von März 2019.
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Entwicklung der Pkw Neuzulassungen in ausgewählten westeuropäischen Ländern im März 2023 |
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| Spanien |
66% |
| Italien |
20% |
| Dänemark |
23% |
| Österreich |
28% |
| Irland |
37% |
| Frankreich |
24% |
| Deutschland |
17% |
| Schweiz |
16% |
| Schweden |
4% |
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