Ernst & Young EY:

Erholung des Neuwagenmarkts gewinnt an Fahrt – hoher Nachholbedarf

und verbesserte Liefersituation

Frankfurt/Main (19.4.23) – Die Erholung auf dem EU-Neuwagenmarkt gewinnt an Fahrt: Die Zahl der Pkw Neuzulassungen in der EU stieg laut Branchenverband ACEA gegenüber März 2022 um 29 Prozent. Im Vergleich zu März 2019, also bevor die Pandemie zu massiven Absatzrückgängen führte, ergibt sich aber ein EU-weiter Rückgang um 14 Prozent. In 21 der 27 EU-Mitgliedsländern lag der Absatz im März unter dem Niveau von März 2019.

„Die Liefersituation verbessert sich, die Hersteller können jetzt die Bestellungen aus dem vergangenen Jahr abarbeiten“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Es gibt zwar noch Engpässe bei Vorprodukten und Halbleitern, aber die Situation ist deutlich besser als vor einem Jahr und wird sich im weiteren Jahresverlauf weiter entspannen. Allerdings liegen wir trotz des kräftigen Wachstums immer noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau.“

Dank des beachtlichen Auftragspolsters und aufgrund eines enormen Nachholbedarfs nach mehreren Krisenjahren rechnet Fuß mit weiteren Wachstumsimpulsen für Neuwagenmarkt im weiteren Jahresverlauf: „In den Jahren 2020 bis 2022 wurden insgesamt mehr als neun Millionen Neuwagen weniger verkauft als vor der Pandemie. Da hat sich ein enormer Nachholbedarf aufgestaut, der in den kommenden Jahren für zusätzliche Nachfrage sorgen wird.“

Einem stärkeren Wachstum auf dem Neuwagenmarkt stehen allerdings zum einen die nach wie vor eingeschränkte Liefersituation entgegen und zum anderen die schwache Konjunkturentwicklung, hohe Neuwagenpreise sowie Risiken wie der Krieg in der Ukraine und die Spannungen zwischen den USA und China.

Wieder stärkeres Wachstum bei Elektroautos

Im März legten die Neuzulassungen reiner Elektroautos (BEV) in der EU insgesamt um 58,0 Prozent zu, und damit nochmal deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Der Marktanteil reiner Elektroautos stieg in der EU im Vergleich zu März 2022 von 11,4 Prozent auf 13,9 Prozent.

„Die Nachfrage nach Elektroautos ist immer noch größer als das Angebot, allerdings wird diese Nachfrage auch durch staatliche Subventionen angeheizt“, sagt Fuß. „Wo diese Subventionen gestrichen und reduziert werden, sehen wir – wie gerade in Deutschland – einen kräftigen Wachstumsdämpfer. Die Länder, die keine Kaufprämien bieten, weisen zudem die geringsten Elektro-Marktanteile auf.“

Die höchsten Marktanteile wurden auch im März wieder in den skandinavischen Ländern registriert: In Schweden lag der BEV-Marktanteil bei 33 Prozent, in Finnland bei 30 Prozent und in Dänemark bei 27 Prozent. Deutlich seltener werden Elektroautos in Osteuropa verkauft: In Polen betrug der BEV Marktanteil im Februar gerade mal 2,9 Prozent, in der Tschechischen Republik 1,8 Prozent, in der Slowakei 1,2 Prozent. Auch in Südeuropa ist der Anteil reiner Elektroautos nach wie vor sehr niedrig: In Italien liegt er bei 3,7 Prozent, in Spanien bei 4,5 Prozent.

„Die EU hat ambitionierte Pläne für die Elektromobilität: Ab 2035 dürfen keine Verbrenner mehr neu zugelassen werden. In der Realität spielen Elektroautos allerdings in den allerwenigsten EU-Märkten wirklich eine Rolle“, betont Fuß. In 14 EU Ländern liegt der Marktanteil von Elektroautos derzeit unter 10 Prozent, gerade einmal in 4 EU-Ländern entfallen mehr als 20 Prozent der Neuzulassungen auf Elektroautos. „Von einem Durchbruch der Elektromobilität sind wir in den meisten Ländern noch weit entfernt“, konstatiert Fuß. „Hohe Preise, eine lückenhafte Ladeinfrastruktur, zu geringe Reichweiten und ein sehr dünnes Angebot im Kleinwagensegment verhindern derzeit noch, dass Elektroautos für breitere Käuferschichten interessant werden. Nach wie vor werden in fast allen EU-Ländern mehr Verbrenner verkauft als elektrifizierte Pkw. Daran wird sich auch 2023 nichts ändern.“

Plug-in-Hybride auf dem Rückzug – vor allem in Deutschland

Seit die sogenannte Umweltprämie in Deutschland nicht mehr für Plug-in-Hybride ausgezahlt wird, ist diese Antriebstechnologie in Deutschland auf dem Rückzug: Im März sank der Absatz um fast 40 Prozent. In der Mehrzahl der übrigen EU-Länder steigen die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden aber immer noch: Insgesamt 21 Länder verzeichneten steigende Neuzulassungszahlen von Plug-in-Hybriden, in 5 Ländern ging der Absatz zurück.

Vor allem aufgrund des starken Rückgang in Deutschland sanken die Neuzulassungen dieser Antriebsart im März aber EU-weit gegenüber dem Vorjahresmonat um 4 Prozent, außerhalb Deutschlands stieg allerdings der Absatz um 29 Prozent. Der Marktanteil sank EU-weit von 8,8 Prozent auf 7,2 Prozent.

In Summe haben die beiden elektrischen Antriebsformen (PHEV) Plug-In-Hybride  und BEV (Elektro) im März um 34,5 Prozent zugelegt. Der gemeinsame Marktanteil elektrifizierter Neuwagen stieg nur leicht: von 18,3 Prozent auf 19,3 Prozent.