PwC:

Neuer Optimismus – Deutsche Maschinenbauer rechnen nicht mit einer globalen Rezession

Frankfurt/Main (18.7.23) – Die Verunsicherung im deutschen Maschinen- und Anlagenbau ist mit Händen zu greifen. Seit Jahresbeginn hat sich der Anteil der Pessimist:innen in den Führungsetagen wieder erhöht. Rund vier von zehn Entscheider:innen blicken besorgt auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Dieses Stimmungsbild spiegelt sich konkret auch in der Umsatzprognose für die Gesamtbranche wider: sie ist nach einem Anstieg zu Beginn des Jahres wieder ins Minus gedreht. Positiver zeigt sich die exportorientierte Branche bei der Erwartung an die Weltwirtschaft, wie das aktuelle Maschinenbau-Barometer der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC) zeigt.
Umsatzprognose dreht ins Negative

 

Die Umsatzerwartung für die Gesamtbranche unterstreicht die

schwankenden Entwicklungen der letzten Monate und schlägt nach dem

positiven Anstieg im vorherigen Quartal wieder ins Minus um. Im

Durchschnitt liegt die Umsatzerwartung für das laufende Jahr bei -0,5

% – ein Rückgang um 1,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahresbeginn.

Die Prognose der Umsatzentwicklung für das eigene Unternehmen ist

ebenfalls unter Druck geraten: Jede:r dritte Maschinenbauer:in

erwartet eine rückläufige Entwicklung. Im

Schnitt rechnen die Manager:innen mit einem Wachstum von 2,0 %.

Während das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft schwankt,

identifizieren die Befragten positive Signale auf dem Weltmarkt.

Deutlich wird dies auch in Anbetracht der abnehmenden Bedeutung

globaler Krisen für das Geschäft. Lediglich jede:r Vierte glaubt noch

an eine negative Entwicklung, der Anteil derjenigen, die in den

politischen Entwicklungen im Ausland ein Wachstumshindernis sehen,

ist ebenfalls stark rückläufig.

 

Greifende Effizienzmaßnahmen mindern Kostendruck

 

Der Anteil der Entscheider:innen, die in den nächsten Monaten mit

steigenden Gesamtkosten rechnen, liegt bei 49 %. Das entspricht einem

Rückgang um 29 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahresbeginn. Damit

pendelt sich die Prognose nach einem starken Anstieg in den

Corona-Jahren wieder auf einem Niveau wie zuletzt vor dem Ausbruch

der Pandemie ein. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Auswirkungen

des Ukrainekriegs auf die deutschen Unternehmen: Vier von zehn

Maschinenbauer:innen nennen steigende

Energie- und Rohstoffpreise als Folge des Kriegs für ihr Unternehmen

– ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorquartal um 14 bzw. 15

Prozentpunkte. Neben der regulatorischen Stabilisierung der

Energiepreise, lassen diese Ergebnisse auch Rückschlüsse auf

greifende Kostensenkungs- und Effizienzmaßnahmen in den deutschen

Betrieben zu. Trotz der rückläufigen Entwicklungen bleiben die Kosten

in der Branche herausfordernd: 82 % der befragten Entscheider:innen

nennen den steigenden Kostendruck

weiterhin als Wachstumshindernis für ihr Unternehmen. Die Maßnahmen

im deutschen Maschinen- und Anlagenbau stehen insgesamt deutlich im

Zeichen der Stabilisierung: Vier von zehn der Befragten

beabsichtigen, ihre Kosten im kommenden Quartal stabil zu halten.

 

Ein Blick auf die Investitionsbereitschaft der Branche zeigt

ebenfalls, dass stabilisierende Maßnahmen im Vordergrund stehen.

Sechs von zehn Entscheider:innen beabsichtigen, ihre Investitionen im

kommenden Quartal konstant zu halten. Rund jede:r vierte Befragte

plant sogar, Investitionen zu senken. „Kontinuität in schwierigen

Zeiten ist sicherlich ein wichtiges Signal“, bemerkt Bernd Jung,

Leiter Praxisgruppe Industrielle Produktion bei PwC Deutschland.

„Allerdings bietet der derzeitige

Handlungsrahmen auch viel Raum für wegweisende Initiativen, gerade im

Hinblick auf Innovationen und Geschäftsmodelle. Getreu dem Motto

„Never waste a good crisis“ ist nun auch Kreativität gefragt – dies

spiegelt sich in unserer aktuellen Umfrage zu wenig wider.“

 

Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

 

Unter den wesentlichen Innovationstreibern sind insbesondere digitale

Technologien von entscheidender Relevanz für den deutschen Maschinen-

und Anlagenbau, gerade im Hinblick auf den internationalen

Wettbewerb. Die Digitalisierung hat mittlerweile viele

Unternehmensbereiche erfasst, doch schreitet sie je nach Segment mit

unterschiedlichem Tempo und Intensität voran. Die überwiegende

Mehrheit der befragten Entscheider:innen (57 %) gibt an, dass die

Beschaffung in ihrem Unternehmen bereits stark

digitalisiert sei. Ebenso seien die Bereiche Marketing (55 %) und

Vertrieb (55 %) stark digitalisiert. Der größte

Digitalisierungsbedarf besteht nach wie vor im Bereich Produktion und

Montage. Lediglich 37 % der befragten Entscheider:innen geben an,

dass diese Bereiche stark digitalisiert seien. Dieser Wert hat sich

seit der letzten Befragung vor zwei Jahren nicht verändert. „Die

digitale Transformation ist ein Marathon und kein Sprint“, resümiert

Jung. „Dass sich beim Thema Digitalisierung der

Produktion allerdings so wenig getan hat, ist alarmierend. Von Smart

Factories als Regelfall sind wir jedenfalls weit entfernt. Die

Potenziale der Digitalisierung sind längst noch nicht erschöpft.“

 

Vor allem der Einsatz künstlicher Intelligenz weckt hohe Erwartungen

in der Branche: 45 % der befragten Unternehmen nennen KI als

wesentliche Zukunftstechnologie, die Potenzial hat, die Branche

nachhaltig zu verändern. Gegenüber der letzten Befragung im Jahr 2021

ist die Relevanz von KI nochmals um 9 Prozentpunkte gewachsen und

bewegt sich damit an der Spitze der genannten Technologien.

Beachtenswert ist auch die wachsende Bedeutung von Robotics (44 %)

und 3D-Druck (41 %). Zudem haben die

Bereiche Big Data (34 %), Cyber Security (19 %) und Digital Twins (15

%) an Bedeutung für die Branche gewonnen. Hinten angestellt bleibt

das Potenzial von Drohnen und Blockchain. Lediglich 1 bzw. 2 % der

Befragten sind der Meinung, dass diese Technologien einen

nachhaltigen Effekt auf die Branche haben werden. Sie bleiben ein

Nischenthema.

 

Über das PwC Maschinenbau-Barometer:

 

Das PwC Maschinenbau-Barometer ist das Ergebnis einer

vierteljährlichen Panelbefragung unter Führungskräften des deutschen

Maschinen- und Anlagenbaus. Neben einer Einschätzung der allgemeinen

wirtschaftlichen Entwicklung spiegelt die Studie die

Unternehmenserwartungen hinsichtlich zentraler Kennzahlen wie Kosten,

Preise und Investitionsvolumina. Zudem werden in jeder Ausgabe

wechselnde Themen vertieft.