Ernst & Young EY:
Gebremstes Wachstum auf EU-Neuwagenmarkt –
Elektro-Marktanteil deutlich niedriger als im August
Stuttgart (20.10.23) – Das Wachstumstempo auf dem EU-Neuwagenmarkt ging im September deutlich zurück: Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in der EU stieg laut Branchenverband ACEA gegenüber September 2022 zwar um neun Prozent. Im August war aber noch ein Plus von 21 Prozent registriert worden. Das Wachstum im September war das schwächste seit 13 Monaten: Im August 2022 waren die Neuzulassungen nur um 4 Prozent gestiegen.
Der Hauptgrund für die Wachstumsdelle ist die schwache Entwicklung in Deutschland, dem größten Markt innerhalb der EU, wo die Neuzulassungen um 0,1 Prozent sanken. Außer in Deutschland wurde noch in sechs weiteren Ländern ein Rückgang der Neuzulassungen gemeldet. Immerhin 13 Märkte lagen hingegen zweistellig im Plus.
„Das Marktwachstum in der EU hält an, und auch der deutsche Markt wird im weiteren Jahresverlauf wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren“, erwartet Constantin M. Gall, Managing Partner und Leiter Mobility bei EY für die Region Europe West. „Für das Gesamtjahr 2023 rechnen wir mit einem EU-weiten Plus von 16 Prozent – damit läge der Absatz aber immer noch 17 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Und im kommenden Jahr wird sich die Lage ändern. Dann ist der Auftragsbestand aus den Zeiten des Chipmangels weitgehend abgearbeitet, und andere Faktoren wie die konjunkturelle Lage gewinnen an Bedeutung.“
Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage, der gesunkenen Kaufkraft bei deutlich gestiegenen Neuwagenpreisen, des hohen Zinsniveaus und der erheblichen geopolitischen Spannungen blickt Gall eher pessimistisch auf das Jahr 2024: „Die aktuelle Bestellsituation deutet auf eine schwache Absatzentwicklung im kommenden Jahr hin. Dann drohen wieder Überkapazitäten, und dann wird der Preisdruck auch wieder steigen.“ Einige hätten bereits begonnen, mit Sonderfinanzierungen, Aktionen und günstigen Sondermodellen den Absatz zu stabilisieren. „Das sind nur die Vorboten für eine voraussichtlich breitere Rabattschlacht in den kommenden Monaten, die zunehmend auch das Elektrosegment erreichen wird.“
Wachstum bei Elektroautos deutlich verlangsamt – Deutschland als Bremser
Nachdem im August die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos noch um 118 Prozent gestiegen war, legten das Elektrosegment im September nur noch um 14 Prozent zu. Der Grund für das relative geringe Wachstum war abermals Deutschland, wo die Zahl der Elektroautos um 29 Prozent schrumpfte.
Aufgrund der auslaufenden Förderung für gewerbliche Käufe von Elektroautos hatten die Elektro-Neuzulassungen in Deutschland im August noch um 171 Prozent zugelegt und damit das EU-weite Marktwachstum kräftig angetrieben, sodass der Elektro-Marktanteil erstmals oberhalb der 20-Prozent-Marke lag. Im September fiel der Marktanteil dann wieder auf 14,8 Prozent zurück – und lag damit nur noch leicht über dem Vorjahreswert von 14,1 Prozent.
Gall betont: „Das Auf-und-Ab der Elektro-Neuzulassungen in Deutschland zeigt, wie stark staatliche Fördermaßnahmen den Markt beeinflussen. Es gilt: Wo viel gefördert wird, wird auch viel gekauft. Gerade im unteren und mittleren Preissegment fällt die Förderung prozentual stark ins Gewicht – und wenn Fördermaßnahmen auslaufen, bricht das Wachstum ein. Denn der Markt für Elektroautos steht noch lange nicht auf eigenen Beinen.“ Mit Blick auf Deutschland rechnet Gall in den kommenden Monaten mit eher schwachen Elektro-Verkäufen, was auch die Dynamik in der gesamten EU bremsen wird.
Elektroautos in Skandinavien am populärsten – niedrige Marktanteile in Ost- und Südeuropa
Innerhalb der EU bestehen hinsichtlich der Marktanteile von Elektroautos erhebliche Unterschiede: Die höchsten Marktanteile wurden im September in Schweden und Dänemark mit 44 bzw. 43 Prozent registriert. Die niedrigsten Marktanteile weisen nach wie vor die südost- und osteuropäischen Märkte auf. So betrug der BEV-Marktanteil in Tschechien, Polen, der Slowakei und Kroatien gerade mal drei Prozent. Berücksichtigt man zusätzlich Plug-in-Hybride, wird der Unterschied noch deutlicher – dann reicht die Spanne von fünf Prozent (gemeinsamer Marktanteil BEV und PHEV) in Bulgarien bis 63 Prozent in Schweden.
„Die Unterschiede innerhalb der EU sind enorm“, sagt Gall. „Und sie werden eher größer als kleiner. Denn in Skandinavien sind elektrifizierte Neuwagen bereits in der Mehrheit und weisen weiterhin hohe Wachstumsraten auf, in Osteuropa sind Elektroautos hingegen nach wie vor ein absolutes Nischenprodukt. Die ambitionierten EU-Pläne für die Elektromobilität, denen zufolge ab 2035 keine Verbrenner mehr neu zugelassen werden sollen, sind in Teilen Europas so weit von der heutigen Realität entfernt, dass man sich Sorgen um ihre Realisierbarkeit machen muss. Hohe Preise und eine unzureichende Ladeinfrastruktur verhindert in vielen EU-Ländern ein stärkeres Marktwachstum.“
Plug-in-Hybride verlieren Marktanteile – wegen Einbruch in Deutschland
Seit es für Plug-in-Hybride in Deutschland keine Umweltprämie mehr gibt, steht diese Antriebstechnologie in Deutschland stark unter Druck (minus 46 Prozent im September). In anderen EU-Ländern erfreuen sich Plug-in-Hybride aber weiter steigender Beliebtheit. So stagnierte der Absatz von Plug-in-Hybriden EU-weit im September zwar – außerhalb Deutschlands legten allerdings die Verkäufe von Plug-in-Hybriden immerhin um 32 Prozent zu. EU-weit schrumpfte der Marktanteil von Plug-in-Hybriden gegenüber dem Vorjahresmonat aufgrund des starken Rückgangs in Deutschland von 8,9 auf 8,2 Prozent. Der gemeinsame Marktanteil von elektrifizierten Neuwagen (BEV und PHEV) stagnierte somit EU-weit bei 23,0 Prozent.

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