Ernst & Young EY:

Neuwagenmarkt im Rückwärtsgang –

Elektro-Segment schrumpft, Verbrenner legen zu

Stuttgart (5.12.23) – Der deutsche Neuwagenmarkt legte im November den Rückwärtsgang ein, anders als in anderen europäischen Märkten schrumpften die Neuzulassungen im November laut KBA: In Frankreich stiegen die Neuzulassungen im November um 14 Prozent, in Italien sogar um 18 Prozent – in Deutschland gab es einen Rückgang von sechs Prozent. Der Hauptgrund für die schwache Entwicklung in Deutschland: Im Vorjahr hatte die bevorstehende Reduzierung der Förderung von Elektro-Käufen noch für ein massives Wachstum im Elektro-Segment und auch ein kräftiges Plus des Gesamtmarktes und somit ein relativ hohes Absatzniveau gesorgt.

–        Im Vergleich zum Vorkrisenniveau (November 2019) ergibt sich eine anhaltend große Lücke von 18 Prozent.

–        Die Zahl der Elektro-Neuzulassungen stieg zwar im Vergleich zum Vormonat (Oktober 2023) kräftig – um 20 Prozent – , blieb damit aber deutlich unter dem sehr hohen Niveau des Vorjahres: Im Vergleich zu November 2022 ergibt sich ein Minus von 22 Prozent. Der Marktanteil schrumpfte im Vorjahresvergleich von 22,3 auf 18,3 Prozent.

–        „Im Dezember werden die Elektro-Neuzulassungen voraussichtlich weiter steigen“, erwartet Constantin M. Gall, Managing Partner und Leiter Mobility bei EY für die Region Europe West: „Die aktuellen staatliche Förderung von bis zu 4.500 Euro für den Kauf eines Elektroautos gibt es nur noch in diesem Jahr. Das wird im Dezember für zusätzliche Nachfrage sorgen. Zudem ist die Unsicherheit über die zukünftige Förderung der E-Mobilität groß. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klima- und Transformationsfonds steht der Umweltbonus für Elektroautos auf der Kippe. Es ist derzeit völlig unklar, wie es mit der Kaufprämie weitergeht und ob es zukünftig überhaupt noch einen staatlichen Zuschuss beim Kauf eines Elektroautos geben wird.“

–        „Das Ziel von 15 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2030 war ohnehin schon unrealistisch“, sagt Gall. „Aber sollte es wirklich zu dem befürchteten Aus für die Elektro-Förderung kommen, wird der Mobilitätswende in Deutschland in sehr weite Ferne rücken. Der preisliche Abstand zwischen einem Verbrenner- und einem Elektro-Neuwagen ist derzeit einfach immer noch zu groß. Gerade im niedrigeren und mittleren Preissegment spielt die staatliche Förderung eine große Rolle. In den kommenden Jahren werden attraktive Elektroautos in der 20.000-Euro-Klasse auf den Markt kommen. Da würde eine staatliche Förderung von 3.000 Euro definitiv den Absatz erheblich ankurbeln.“

–        Die Zulassungen von Diesel- und Benzin-Neuwagen entwickelten sich zuletzt unbeeindruckt vom Auf-und-Ab im Elektro-Segment: Sie stiegen im November im Vergleich zum Vorjahresmonat in Summe um acht Prozent und entwickelten sich damit deutlich besser als elektrifizierte Modelle.

Durchwachsener Ausblick: Große Unsicherheit im Elektrosegment, Rabatte sollen den Absatz ankurbeln

–        Der Neuwagenmarkt wird 2024 kaum noch wachsen, erwartet Gall – zum einen aufgrund der schwachen Konjunkturlage, (geo-)politischer Krisen und der hohen Zinsen, zum anderen, weil vom Elektrosegment vorerst nur noch schwache oder sogar gar keine Wachstumsimpulse mehr ausgehen werden – abhängig davon, wie es mit dem staatlichen Zuschuss beim Kauf von Elektroautos weitergeht. „Der Neuwagenmarkt wird sich eher seitwärts bewegen, und damit deutlich unter dem Vorkrisenniveau bleiben. Das heißt: Die Branche wird weiter mit Überkapazitäten umgehen müssen.“ Hinzu kommen auf Industrieseite immer wieder Lieferschwierigkeiten bei bestimmten Komponenten, die die Produktion beeinträchtigen und sogar zu Verschiebungen von Modelleinführungen führen können.

–        „Die Kaufzurückhaltung der Kunden macht den meisten Herstellern zunehmend zu schaffen, worauf immer mehr Hersteller mit Rabatten und günstigen Finanzierungs- bzw. Leasingangeboten reagieren. Aus dem Verkäufermarkt wird wieder ein Käufermarkt, die Margen werden unter Druck geraten“, erwartet Gall.