Ernst & Young EY:
Neuwagenmarkt – Schwaches
Jahresende, düstere Aussichten
Stuttgart (4.1.24) – Die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Neuwagenmarkt im Dezember 2023 hat die Wirtschaftprüfergesellschaft Ernst & Young EY wie folgt zusammengefaßt:
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Der deutsche Neuwagenmarkt legte auch im Dezember den Rückwärtsgang ein: Die Neuzulassungen schrumpften um 20 Prozent, für das Gesamtjahr ergibt sich aber dennoch ein Plus von sieben Prozent.
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Der Grund für die Absatzschwäche zum Jahresende: Im Vorjahr hatte die bevorstehende Reduzierung der Subventionen für den Kauf von Elektroautos und Plug-in-Hybriden für zahlreiche vorgezogene Käufe gesorgt und somit zu einem regelrechten Elektro-Boom geführt, der auch den Gesamtmarkt in die Höhe trieb.
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Die Zahl der Neuzulassungen von Elektroautos lag im Dezember 2023 deutlich – um 48 Prozent – unter dem Vorjahresniveau, auch die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden gingen massiv zurück (minus 74 Prozent). In Summe schrumpfte das Segment elektrifizierter Neuwagen „mit Stecker“ um 58 Prozent.
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Im Gesamtjahr 2023 lagen die Neuzulassungen von Elektroautos immerhin noch um 11 Prozent im Plus, bei Plug-in-Hybriden gab es im Jahr 2023 hingegen einen deutlichen Rückgang um 52 Prozent.
„Das starke Minus auf dem deutschen Neuwagenmarkt im Dezember ist vor allem ein Resultat des künstlichen Elektro-Booms im Vorjahresmonat“, fasst Constantin M. Gall, Managing Partner und Leiter Mobility bei EY für die Region Europe West, zusammen. Allerdings rechnet er auch in den kommenden Monaten nicht mit großen Sprüngen: „Das Elektrosegment als Wachstumsmotor fällt in diesem Jahr aus, der Neuwagenmarkt wird insgesamt voraussichtlich auf dem aktuellen niedrigen Niveau stagnieren – und damit erneut substanziell unter dem Vorkrisenniveau liegen. Denn die aktuelle Konjunkturschwäche und die erheblichen geopolitischen Spannungen führen zu Kaufzurückhaltung sowohl bei Privatleuten als auch bei Unternehmen. Gut möglich, dass 2024 ein verlorenes Jahr für die Autobranche wird.“
Für potenzielle Neuwagenkäufer könnten sich allerdings gute Gelegenheiten ergeben, so Gall: „Der Wettbewerb wird wieder zunehmend über den Preis ausgetragen, Rabatte und günstige Finanzierungsmodelle sind wieder auf dem Vormarsch. Das Preisniveau auf dem Neuwagenmarkt dürfte im neuen Jahr deutlich sinken. Die Margen der Hersteller damit allerdings auch.“
Verbrenner werden in Deutschland zudem Marktanteile zurückgewinnen, erwartet Gall: „Das überraschende vollständige Aus für die staatliche Kaufprämie wird zu einem Rückgang Elektro-Neuzulassungen in diesem Jahr führen. Denn der Markt für Elektroautos steht noch nicht auf eigenen Beinen, sondern hängt an staatlichen Subventionen. Wo nicht gefördert und in eine gute Ladeinfrastruktur investiert wird, werden auch nur wenige Elektroautos verkauft.“ Das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 etwa 15 Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen, sei nach dem Aus für die Elektro-Förderung völlig illusorisch geworden, sagt Gall. „Viele Neuwagenkäufer werden nun doch noch einmal zum Verbrenner greifen, anstatt sich für ein Elektroauto zu entscheiden.“ Der preisliche Abstand zwischen einem Verbrenner- und einem Elektro-Neuwagen sei derzeit immer noch zu groß. Gerade im niedrigeren und mittleren Preissegment hätte die staatliche Förderung eine große Rolle gespielt und die Kaufentscheidung stark beeinflusst.

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