Ernst & Young EY:
Elektroautos – Marktanteil deutscher Autokonzerne stieg 2023 deutlich
Stuttgart (16.1.24) – Die deutschen Autokonzerne konnten im vergangenen Jahr ihren Marktanteil im Elektroautosegment deutlich ausbauen – das zeigt eine aktuelle EY-Analyse. Sowohl im Markenranking als auch im Konzernranking hat zudem Volkswagen die Nase vorn. Einzig das beliebteste Modell kommt nicht von einem deutschen Konzern.
Markenranking: Volkswagen schob sich im Jahr 2023 vor Tesla. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 70.628 Elektroautos der Marke Volkswagen neu zugelassen – ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Tesla liegt auf Rang zwei mit 63.685 neu zugelassen Elektroautos und einem Rückgang um neun Prozent. Von den Top 10-Elektromarken verzeichnete die chinesische Marke MG Roewe mit einem Wachstum von 111 Prozent das stärkste Wachstum, gefolgt von Skoda (plus 93 Prozent) und BMW (plus 72 Prozent). Von den Top 10 Marken verbuchten immerhin vier – Tesla, Hyundai, Opel und Fiat – Einbußen gegenüber dem Vorjahr.
Im Ranking der beliebtesten Elektromodelle hat hingegen Tesla die Nase vorn: Das Model Y liegt mit 45.818 neu zugelassenen Fahrzeugen im Jahr 2023 (plus 29 Prozent) auf dem ersten Rang vor VW ID.4/ID.5 und dem Volkswagen ID.3. Das erfolgreichste Elektroauto eines chinesischen Herstellers ist MGs „4“ auf Rang 13.
Auf Konzernebene lag der Volkswagenkonzern mit insgesamt 147.939 neu zugelassenen Elektroautos (plus 22 Prozent) weit vorn. Auf Rang zwei folgte mit 71.269 Fahrzeugen (minus 11 Prozent) Stellantis, dahinter Tesla mit 63.685 neu zugelassenen Pkw (minus 9 Prozent).
Die drei deutschen Autokonzerne konnten im Elektrosegment in Deutschland insgesamt kräftig zulegen: Im Jahr 2023 stieg die Zahl der Neuzulassungen von Elektroautos der drei deutschen Konzerne um 32 Prozent, insgesamt stiegen die Elektro-Neuzulassungen in Deutschland aber nur um 11 Prozent – der Elektro-Absatz der deutschen Autokonzerne stieg also fast dreimal so stark wie der Gesamtmarkt. Der Marktanteil der deutschen Autokonzerne kletterte von 38 Prozent im Jahr 2022 auf 46 Prozent im Jahr 2023.
Constantin M. Gall, Managing Partner und Leiter Mobility bei EY für die Region Europe West: „Die deutschen Autohersteller haben relativ spät verstärkt auf Elektro gesetzt. Inzwischen haben sie allerdings ein recht breites und attraktives Produktportfolio im Angebot, das mittelfristig noch deutlich wachsen wird. Mit einem Wachstum des gesamten Absatzes von Elektroautos gab es im laufenden Jahr zwar ein Plus von 11 Prozent – und die drei deutschen Konzerne legten noch deutlich stärker zu.“ Allerdings gebe es in Bezug auf das Elektro-Segment derzeit kaum Grund zu feiern, so Gall: „Zum einen hatte die Branche mit einem stärkeren Wachstum gerechnet. Vor allem aber sind die Aussichten für 2024 eher mau. Die Kunden bleiben zurückhaltend, die Mehrheit greift nach wie vor lieber zum Verbrenner.“ Das überraschende Aus für die Elektro-Kaufprämie erschwere die Situation zusätzlich, so Gall: „Der Wegfall der Förderung wird zu einem deutlich sinkenden Kaufinteresse und zu insgesamt sinkenden Absatzzahlen bei Elektroautos im Jahr 2024 führen. Der Hochlauf der Elektromobilität stockt, viele potenzielle Kunden warten erst einmal ab.“ Nachdem der Elektro-Marktanteil jahrelang kontinuierlich gestiegen war, rechnet Gall damit, dass Verbrenner im neuen Jahr Marktanteile zurückgewinnen werden.
Zudem sei auch der Strommix noch lange nicht grün, der Ausbau der Erneuerbaren Energien verlaufe schleppend, so Gall: „Im vergangenen Jahr haben wir so viel Strom importiert wie seit der Jahrtausendwende nicht. Und das ist – trotz des Zubaus bei Windkraft und Solar auch im Ausland – zu erheblichen Teilen Gas- und Kohlestrom.“
Der Anteil chinesischer Marken steigt: Im Jahr 2023 lag der Anteil von Marken im Besitz chinesischer Hersteller an allen Elektro-Neuzulassungen in Deutschland bei 8 Prozent und damit doppelt so hoch wie 2022 und achtmal so hoch wie 2021.
Jan F. Sieper, Partner bei EY: „Chinesische Unternehmen werden auf dem deutschen Neuwagenmarkt immer sichtbarer. Im Elektrosegment erweisen sie sich als ernstzunehmende Player und setzen die etablierten Hersteller unter Druck – mit interessanten Designs, einem stärkeren Fokus auf Software und durchaus attraktiven Preisen. Als Preisbrecher sind sie bislang zwar nicht aufgetreten, aber das könnte mit zukünftigen neuen Modellen noch kommen.“

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