Ernst & Young EY:

EU-Neuwagenmarkt wächst zum Jahresstart – Marktanteil von Elektroautos kaum noch gestiegen

Stuttgart (20.2.24) – Der EU-Neuwagenmarkt hat das Jahr 2024 im Januar mit einem Plus von 12 Prozent begonnen, blieb damit aber erneut deutlich – um 18 Prozent – unter dem Niveau von Januar 2019. Zudem waren die Neuzulassungen in immerhin neun der 27 Ländern rückläufig. Von den großen Märkten legte Deutschland mit Abstand am stärksten zu – um 19 Prozent. Dieser starke Anstieg war allerdings vor allem auf das – aufgrund von Sondereffekten – sehr niedrige Vorjahresniveau zurückzuführen und wird sich in den kommenden Monaten nicht fortsetzen.

Die Wachstumskurve wird in den kommenden Monaten weiter abflachen, erwartet Constantin M. Gall, Managing Partner und Leiter Mobility bei EY für die Region Europe West: „Der Neuwagenmarkt kommt nicht in Fahrt, er liegt nach wie vor deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Die schwache Konjunktur und die erheblichen geopolitischen Spannungen führen zu Kaufzurückhaltung sowohl bei Privatleuten als auch bei Unternehmen. In Deutschland wird zudem die nun gänzlich fehlende Subventionierung von Elektroautos das Wachstum bremsen.“

Unterm Strich wird der EU-Neuwagenmarkt in diesem Jahr voraussichtlich nur leicht wachsen. Der geringen Kaufneigung der Kunden versuchen die Autohersteller mit Rabatten zu begegnen: „Wir sehen die Anfänge einer massiven Rabattschlacht“, so Gall. „Die aktuelle Kaufzurückhaltung hat die Hersteller auf dem falschen Fuß erwischt. Gerade im Elektrosegment hatten sie mit einem deutlich stärkeren Wachstum gerechnet. Nun versuchen sie, mit den altbekannten Mitteln den Absatz anzukurbeln. Das geht zwar auf Kosten der Marge, aber: die Autofabriken müssen ausgelastet werden, Teile wurden bestellt und müssen abgenommen werden. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die Rechnung aufgeht und niedrigere Neuwagenpreise tatsächlich die Kunden wieder verstärkt in die Autohäuser locken.“

Elektroautos: Wachstum hält noch an

Im Januar stiegen die Neuzulassungen von Elektroautos in der EU um 29 Prozent. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2023 hatte das Absatzwachstum noch bei 37 Prozent gelegen. „Das Wachstum im Elektrosegment lässt nach – trotz teils erheblicher staatlicher Förderung“, sagt Gall. In den meisten Ländern sind Elektroautos nach wie vor ein Nischenprodukt: In immerhin 14 EU-Ländern lag der Elektro-Marktanteil im Januar unter 10 Prozent. Der EU-weite Marktanteil von Elektroautos lag mit 10,9 Prozent deutlich unter dem Wert des Vormonats Dezember (18,5 Prozent), aber über dem Vorjahreswert (Januar 2023: 9,5 Prozent).

Deutschland lag mit einem Elektro-Marktanteil von 10,5 Prozent im EU-Vergleich nur im Mittelfeld. Gall rechnet nicht damit, dass die Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland im laufenden Jahr stark steigen werden – im Gegenteil: „Das abrupte Aus für die Umweltprämie hat potenzielle Käufer massiv verunsichert und wird dazu führen, dass viele Neuwagenkäufer sich nun doch noch einmal für einen Verbrenner entscheiden werden.“ Erschwerend komme hinzu, dass Großabnehmer wie beispielsweise Autovermiete aufgrund der fehlenden Nachfrage im Vermietungsgeschäft, einer schlechten Restwertentwicklung und hoher die Reparaturkosten bei Elektroautos immer zurückhaltender werden. „Gegenläufig könnten sich höchstens geänderte Firmenwagenvorschriften bei Großkonzernen auswirken, die teilweise nur noch auf Elektroautos setzen, um die eigenen ESG-Ziele zu erreichen“, sagt Gall.

Elektroautos in Skandinavien am populärsten – weiterhin sehr niedrige Marktanteile in Ost- und Südeuropa

Die höchsten Marktanteile von Elektroautos wurden im Januar in Dänemark und Schweden mit 35 Prozent und 29 Prozent registriert. Den niedrigsten Marktanteil wiesen Italien und Kroatien mit jeweils zwei Prozent auf. Berücksichtigt man zusätzlich Plug-in-Hybride, wird der Unterschied noch deutlicher – dann reicht die Spanne von vier Prozent (gemeinsamer Marktanteil BEV und PHEV) in Kroatien bis 52 Prozent in Schweden.

„Die Unterschiede innerhalb der EU in Bezug auf den Hochlauf der Elektromobilität sind enorm“, sagt Gall. „Und der Abstand zwischen den Vorreitern und den Nachzüglern wird immer größer. Vor allem die skandinavischen Länder haben frühzeitig und konsequent auf Elektromobilität gesetzt und entsprechende Rahmenbedingungen und Anreize gesetzt. In Ost- und Südeuropa europa spielen Elektroautos hingegen auf dem Neuwagenmarkt quasi keine Rolle, was sich auch in der Ladeinfrastruktur widerspiegelt. Die EU-Pläne für die Elektromobilität sind ambitioniert. In weiten Teilen Europas sind sie allerdings so weit von der heutigen Realität entfernt, dass man sich große Sorgen um ihre Realisierbarkeit machen muss.“

Plug-in-Hybride gewinnen Marktanteile

Plug-in-Hybride erfreuen sich in vielen EU-Ländern weiter steigender Beliebtheit – auch dank anhaltender Förderung. In 22 der 27 Ländern legte der Absatz von Plug-in-Hybriden zu. Insgesamt stiegen die Neuzulassungen um 24 Prozent, der Marktanteil kletterte von 7,1 auf 7,8 Prozent.