GfK: Konjunkturerwartung in Europa stark durch Griechenlandkrise beeinflusst
Nürnberg (15.7.15) – Die langwierigen Verhandlungen Griechenlands mit seinen Gläubigern haben die Stimmung der Verbraucher im zweiten Quartal in den meisten Ländern Europas deutlich beeinflusst. Vor allem in den osteuropäischen Ländern spielt jedoch auch die Krise zwischen Russland und der Ukraine weiterhin eine große Rolle. Insgesamt steigt das GfK Konsumklima EU28 seit März jedoch um 1 Punkt auf 10,8 Zähler. Das sind Ergebnisse des GfK Konsumklima Europa in 15 europäischen Staaten.
Die Griechenlandkrise bestimmte im zweiten Quartal zu einem großen Teil die Stimmung der europäischen Verbraucher. Die Konjunkturerwartung ist in vielen Ländern stagniert oder gesunken. Zum Zeitpunkt der Befragung, die in den ersten beiden Juni-Wochen durchgeführt wurde, spitzten sich die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern immer stärker zu. Der vorläufige Höhepunkt – das vorläufige Scheitern der Verhandlungen, die Schließung der griechischen Banken, das Referendum sowie die erneuten, scheinbar erfolgreichen Verhandlungen – ist in dieser Umfrage daher noch nicht berücksichtigt. Es ist davon auszugehen, dass sich die Stimmung bei den Menschen in Europa, vor allen in der Währungsunion, in den Sommermonaten noch deutlich verschlechtern dürfte. Dies gilt vor allem für Länder wie Deutschland, Italien, Frankreich oder Spanien, die entweder einen hohen Anteil der Schulden Griechenlands tragen oder selbst noch mit einer schwierigen wirtschaftlichen Situation kämpfen.
Die Entwicklung der Einkommenserwartung sowie der Anschaffungsneigung ist in den verschiedenen Ländern unterschiedlich. Hier waren landesspezifische Einflüsse im zweiten Quartal stärker als die möglichen Auswirkungen eines Austritts Griechenlands aus der europäischen Währungsunion. Insgesamt ist das GfK Konsumklima EU28 im zweiten Quartal jedoch um 1 Punkt auf 10,8 Punkte gestiegen.
Deutschland: Grexit-Gefahr dämpft Konjunkturerwartung
Die sich zuspitzende Situation in Griechenland hat die deutschen Verbraucher im Juni verunsichert. Sie befürchten negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und somit auf die Konjunktur. Im Juni sank die Konjunkturerwartung deshalb auf 24,9 Punkte. Das sind knapp 12 Punkte weniger als im März. Allerdings erreichte der Indikator im Mai mit 38,3 Punkten zwischenzeitlich den höchsten Wert seit Juli letzten Jahres.
Im Gegensatz dazu zeigt sich die Einkommenserwartung der Deutschen von der Griechenlandkrise unberührt. Der Indikator stieg in den vergangenen drei Monaten nochmals um gut 4 Punkte und liegt aktuell bei 57,1 Zählern. Das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990. Vor allem die gute Beschäftigungslage, die geringe Arbeitslosigkeit und die zu erwartenden guten Tarifabschlüsse sind Grund für das hohe Niveau.
Ähnlich verhält es sich bei der Anschaffungsneigung. Der Indikator ist im vergangenen Quartal zwar um 6 Punkte gefallen. Mit 57 Zählern stand er im Juni dennoch auf einem sehr hohen Niveau. Die Deutschen geben weiterhin ihr Geld lieber aus, als es auf der Bank anzulegen. Die sichere Beschäftigungslage sowie die niedrigen Zinsen geben Planungssicherheit bei größeren Anschaffungen. Daran kann bislang auch die Unsicherheit in Bezug auf Griechenland nichts ändern.
Franzosen durch schwache Konjunktur und Griechenlandkrise verunsichert
Die Arbeitslosigkeit in Frankreich ist nach wie vor hoch. Dringend notwendige Reformen des Arbeitsmarktes stehen weiterhin aus. Die Konjunktur zieht nach wie vor nicht richtig an. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob Griechenland aus der europäischen Währungsunion ausscheiden wird, und was dies für Frankreich zur Folge hat. So verwundert es nicht, dass die französischen Verbraucher die konjunkturelle Entwicklung in den nächsten Monaten eher skeptisch betrachten. Die Konjunkturerwartung ist seit März um knapp 5 Zähler auf 5,5 Punkte gesunken.
Auch die Einkommenserwartung konnte ihren leichten Aufwärtstrend der ersten drei Monate dieses Jahres nicht beibehalten. Hatte sich der Indikator bis März mühsam auf -19 Punkte hochgearbeitet und somit den höchsten Wert seit April 2010 erreicht, ist er seitdem erneut um 4,7 Zähler gefallen. Im Juni stand er bei -23,7 Punkten. Wegen der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit, der notwendigen Reformen auf dem Arbeitsmarkt sowie der Risiken durch einen möglichen Grexit gehen die Franzosen weiterhin von deutlich sinkenden Einkommen aus.
Lediglich die Anschaffungsneigung hat sich in den vergangenen drei Monaten leicht erholt. Sie stieg seit März um 4 Punkte und lag im Juni mit 1,8 Zählern knapp im positiven Bereich. Seinen höchsten Wert seit Juli 2007 erreichte der Indikator mit 3,5 Punkten im April.
Großbritannien: Verbraucher trotz wachsender Wirtschaft verunsichert
In Großbritannien ist die Stimmung der Verbraucher in den vergangenen drei Monaten schlechter geworden. Die Konjunkturerwartung ist von 27,9 Punkten im März auf 19,7 Zähler im Juni gesunken. So scheinen die Risiken eines möglichen Austritt Griechenlands aus der europäischen Währungsunion für die Briten die an sich sehr guten Wirtschaftsdaten zu überlagern.
Bei der Einkommenserwartung zeigt sich ein etwas anderes Bild. Zwar ist der Indikator im Vergleich zu März ebenfalls gesunken, um knapp 4 Punkte auf 11,9 Zähler. Allerdings ist er im Laufe des letzten Jahres, von einigen Schwankungen abgesehen, in etwa auf dem gleichen Niveau geblieben. Im April verzeichnete er mit 16,6 Punkten sogar den höchsten Wert seit Dezember 2007.
Die Anschaffungsneigung der Briten ist im zweiten Quartal um knapp 6 Zähler gestiegen. Sie erreichte im Juni mit 14,6 Punkten den besten Wert seit Oktober 2003. Das Niveau ist zwar noch niedrig. Der Indikator zeigt aber eindeutig einen Aufwärtstrend.
Italiener glauben noch nicht an Wirtschaftswachstum
Die Konjunktur springt trotz weitreichender Reformen im vergangenen Jahr noch nicht richtig an. Hinzu kommen die Sorgen, wie sich ein möglicher Austritt Griechenlands aus dem Euroraum auf die italienische Wirtschaft auswirken wird. Die italienischen Verbraucher glauben daher nach wie vor nicht daran, dass sich die Konjunktur in den nächsten Monaten von der langen Rezession nachhaltig erholen wird. Entsprechend sackte die Konjunkturerwartung im zweiten Quartal um 16 Punkte auf -20,2 Zählern ab.
Im Gegensatz dazu erholt sich die Einkommenserwartung zwar langsam, aber stetig. Aktuell liegt sie mit -4,5 Punkten zwar noch im negativen Bereich und somit auch knapp unter dem Wert im März. Insgesamt zeigt die Tendenz seit letztem Herbst jedoch nach oben.
Dies trifft auch für die Anschaffungsneigung der Italiener zu. Seit Juni 2014 ist sie insgesamt um über 17 Punkte gestiegen. Mit 4,8 Zählern erreicht sie aktuell den höchsten Wert seit August 2000. Die Italiener können sich somit langsam wieder vorstellen, auch für größere Anschaffungen, die über den täglichen Bedarf hinausgehen, wieder mehr Geld auszugeben.
Spanische Verbraucher sehen sich durch Griechenlandkrise kaum betroffen
Die spanischen Verbraucher rechnen weiterhin mit einem deutlichen Anziehen der Konjunktur. Der entsprechende Indikator ist zwar in den vergangenen drei Monaten um 3,6 Punkte gefallen. Mit 37,5 Zählern verzeichnet er jedoch nach wie vor ein sehr gutes Niveau. Im April erreichte er mit 46,1 Punkten sogar einen neuen historischen Höchststand. Seit Beginn der Erhebungen Mitte 1986 wurde kein besserer Wert gemessen. Bisher glauben die Spanier offensichtlich nicht, dass ein zum Zeitpunkt der Umfrage möglicher Austritt Griechenlands den Aufschwung der spanischen Wirtschaft nachhaltig beeinträchtigen könnte.
Die Einkommenserwartung ist mit 3,7 Punkten ebenfalls leicht zurückgegangen. Sie lag im Juni bei 17,5 Punkten. Die spanischen Verbraucher rechnen also weiterhin mit leicht steigenden Einkommen in den nächsten Monaten. Dies dürfte an der langsam zurückgehenden Arbeitslosigkeit liegen sowie an der bevorstehenden Urlaubssaison, in der viele Spanier durch den Tourismus zumindest vorübergehend mit einem Job rechnen.
Diese positiven Ansätze wirken sich jedoch noch nicht auf die Anschaffungsneigung aus. Nach der langen und schweren Wirtschaftskrise der letzten Jahre haben die spanischen Konsumenten nach wie vor kein Geld für größere Anschaffungen, die über den täglichen Bedarf hinausgehen, verfügbar. Der Indikator ist in den vergangenen drei Monaten um 4,2 Punkte gesunken und steht aktuell bei -12,4 Zählern. Allerdings hatte er mit -3,9 Punkten im Mai seinen höchsten Wert seit Februar 2011 erreicht.
Portugiesen rechnen noch nicht mit steigenden Einkommen
Im Vergleich zum ersten Quartal ging die Konjunkturerwartung der portugiesischen Verbraucher im zweiten Quartal leicht auf 15,2 Punkte (-0,6 Punkte) zurück. Insgesamt setzte sich die positive Stimmung der Portugiesen in Bezug auf die konjunkturelle Entwicklung ihres Landes jedoch fort. Während der Indikator vor einem Jahr mit -0,5 Punkten noch im negativen Bereich lag, hat er sich seit letztem Herbst auf dem aktuellen Niveau stabilisiert. Die Portugiesen vertrauen darauf, dass ihre Wirtschaft auch in den nächsten Monaten zwar verhalten, aber konstant wächst.
Die insgesamt positive Stimmung der portugiesischen Verbraucher in Bezug auf die wirtschaftliche Lage, schlägt sich jedoch nicht auf die Einkommenserwartungen nieder. Von 4,7 Punkten im März verlor der Indikator 3,8 Zähler und fiel bis Juni auf 0,9 Punkte. Damit liegt die Einkommenserwartung zwar noch deutlich über dem Wert des Vorjahres (Juni 2015: -16,7 Punkte), erreicht jedoch den niedrigsten Wert seit Oktober 2014.
In Anbetracht der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit können sich die Portugiesen weiterhin nur die täglich notwendigen Dinge leisten. Geld für große Anschaffungen ist nach der langen Rezession weiterhin nicht vorhanden. Die Anschaffungsneigung lag im Juni deshalb mit -24 Punkten nur knapp über dem Wert vom März (-24,5 Zähler).
Niederlande: gute Wirtschaftsdaten überlagern Griechenlandkrise
Die gute Wirtschaftsentwicklung in den Niederlanden bestärkt die Verbraucher in ihrer Annahme, dass sich dies auch in den nächsten Monaten fortsetzten wird. Die Konjunkturerwartung lag im Juni mit 29,4 Punkten zwar nur knapp über ihrem Wert im März. Allerdings ist das Niveau als sehr gut zu betrachten. Das Tauziehen um die Entwicklung in Griechenland scheint die Niederländer aktuell nicht zu beunruhigen.
Die positiven Wirtschaftsdaten sowie die leicht sinkende Arbeitslosigkeit zeigen auch bei der Einkommenserwartung langsam Wirkung. Zwar lag der Indikator mit -6,2 Punkten im Juni noch im negativen Bereich, die Tendenz zeigt inzwischen aber wieder nach oben. Im Vergleich zu März steht ein Zugewinn von 7,4 Punkten zu Buche.
Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der Anschaffungsneigung. Sie hat sich in den vergangenen Monaten im positiven Bereich festgesetzt. Mit 6,8 Punkten ist das Niveau des Indikators zwar noch sehr niedrig. Es ist aber der höchste Wert seit Januar 2008.
Belgier glauben an konjunkturellen Aufschwung
Die Verbraucher gewinnen zunehmend Vertrauen in den leichten, aber stetigen Aufschwung der belgischen Wirtschaft. So stieg die Konjunkturerwartung im letzten Quartal um 7,3 Punkte auf 18,3 Zähler. Sie liegt damit zwar weiterhin unter dem Vorjahresniveau von 23,4 Punkten, zeigt für die vergangenen Monate jedoch einen konstanten Aufwärtstrend.
Diese positive Einschätzung wirkt sich bisher jedoch nicht auf die Einkommenserwartung der Belgier aus. Zwar stieg der Indikator im zweiten Quartal um knapp 5 Punkte. Mit -13,1 Zählern liegt er jedoch nach wie vor deutlich im negativen Bereich. Einkommenssteigerungen liegen für die belgischen Verbraucher in weiter Ferne.
Im Gegensatz dazu liegt die Anschaffungsneigung mit aktuell 8,5 Punkten leicht im positiven Bereich und knapp (+0,5 Punkte) über dem Wert von März. Die Geldbörse sitzt damit zwar nach wie vor nicht locker, die Belgier zeigen jedoch mehr Bereitschaft zu größeren Anschaffungen als die Verbraucher in vielen anderen europäischen Ländern.
Griechenland: Konjunktur- und Einkommenserwartungen deutlich gesunken
Die drohende Staatspleite Griechenlands und die angespannte Diskussion über den Verbleib des Landes in der Europäischen Währungsunion wirken sich deutlich auf die Konjunkturerwartung der griechischen Verbraucher aus. Während der Indikator nach dem Sieg der linken Partei Syriza von Januar bis März um 27,4 Zähler auf 14,3 Punkte stieg, stand er im Juni bei -9,9 Punkten. Damit fiel die Konjunkturerwartung um 24,2 Punkte und entspricht damit dem Stand des Vorjahres (Juni 2014: -10 Punkte).
Die Unsicherheit der Verbraucher hinsichtlich der konjunkturellen Lage des Landes spiegelt sich auch in der Einkommenserwartung wider. Nach einem enormen Anstieg der Einkommenserwartungen im ersten Quartal (+29,1 Punkte auf 6,9 Zähler), rechnen die Griechen entsprechend der aktuellen Situation nicht mit stabilen Löhnen und Gehältern. Seit Januar fällt die Einkommenserwartung stetig. Am Ende des zweiten Quartals verzeichnete sie -12,6 Punkte.
Trotz der negativen Stimmung der Verbraucher in Bezug auf die Entwicklung von Löhnen und Gehältern sowie der konjunkturellen Lage, entwickelte sich die Anschaffungsneigung positiv. Der Indikator stieg in den vergangenen drei Monaten um mehr als 19 Punkte auf -17,5 Zähler. Hier dürfte die Hoffnung der Verbraucher auf einen Verhandlungserfolg der griechischen Regierung bei ihren Kreditgebern ausschlaggebend gewesen sein. Nachdem die Verhandlungen Ende Juni zunächst geplatzt sind und Griechenland aktuell unmittelbar vor der Staatspleite steht, wird die Anschaffungsneigung in den kommenden Monaten möglicherweise erneut abstürzen.
Österreicher blicken pessimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung
Das Stimmungsbild der österreichischen Verbraucher ist sehr uneinheitlich. Die Konjunkturerwartung lag im Juni bei -19,9 Punkten. Das sind 3,3 Zähler weniger als im März dieses Jahres. Vor einem Jahr stand der Indikator knapp 15 Punkte höher. Diese Entwicklung spiegelt die wirtschaftliche Stagnation in dem Staat wider.
Trotz der leicht steigenden Arbeitslosigkeit ist im zweiten Quartal jedoch die Einkommenserwartung um 9 Punkte auf 17,7 Zähler gestiegen. Im Verlauf des letzten Jahres erholte sich der Indikator insgesamt um knapp 13 Punkte – allerdings mit großen Schwankungen. Seinen Höchstwert erreichte er im November mit 30,2 Punkten, seinen Tiefstwert im September mit 1,5 Zählern.
Entsprechend der schwachen Wirtschaftsdaten sowie der negativen Konjunkturerwartung ist auch die Anschaffungsneigung der österreichischen Verbraucher in den vergangenen drei Monaten deutlich um 19,7 Punkte auf 4,8 Zähler gesunken. Dies ist der niedrigste Wert seit Oktober letzten Jahres.
Polen: Verbraucherstimmung trotz bester Wirtschaftsdaten eher verhalten
Die polnische Wirtschaft gehört derzeit mit zum Teil deutlich mehr als 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu der am stärksten wachsenden in Europa. Im Verhältnis dazu verhält sich die Konjunkturerwartung der polnischen Verbraucher vergleichsweise zurückhaltend. Möglicherweise verunsichert die Griechenlandkrise auch die polnischen Verbraucher, obwohl das Land der Währungsunion nicht angehört. Möglicherweise beeinträchtigen auch die anhaltenden Spannungen zwischen Russland und der EU die Stimmung der Polen. Der Indikator stand im Juni bei 19,2 Punkten. Das waren knapp 5 Zähler mehr als im März. Im April erreichte er mit 25,6 Punkten zwischenzeitlich den höchsten Wert seit Oktober 2008.
Auch die Einkommenserwartung hatte im April mit 26,2 Punkten den höchsten Stand seit langem erreicht. Einen höheren Wert zeigte der Indikator im März 2010. Aktuell liegt er bei 16,4 Zählern, was einen leichten Zugewinn von 1,5 Punkten seit März bedeutet.
Im Vergleich zu März ist die Bereitschaft, Geld für größere Anschaffungen auszugeben, in Polen um 6,6 Punkte auf 9,1 Zähler gestiegen. Seinen zwischenzeitlichen Höchstwert von 22,5 Punkten verzeichnete der Indikator ebenfalls im April. Höher lag er zuletzt im Februar 2011.
Tschechische Republik: Griechenlandkrise scheint Verbraucher nicht zu beunruhigen
Die gute wirtschaftliche Entwicklung in der Tschechischen Republik lässt auch die Verbraucher weiterhin positiv in die Zukunft blicken. Die Konjunkturerwartung liegt aktuell mit 31,3 Punkten um 6,6 Zähler höher als vor drei Monaten. Die Unsicherheit, ob Griechenland in der europäischen Währungsunion bleibt, scheint die Verbraucher bisher nicht zu beeinflussen. Dies dürfte auch daran liegen, dass Tschechien kein Mitglied des gemeinsamen Währungsraums ist. Zudem wiegen die guten Wirtschaftsdaten offensichtlich stärker.
Dies zeigt sich auch bei der Einkommenserwartung. Zwar ist der Indikator im zweiten Quartal um 7,4 Punkte gesunken. Das Niveau ist bei aktuell 41,4 Zählern jedoch außerordentlich gut. Vor einem Jahr lag die Einkommenserwartung der Tschechen noch bei 28,3 Punkten.
Allerdings geben die tschechischen Verbraucher ihr Geld bisher noch nicht für große Anschaffungen aus. Der entsprechende Indikator lag im Juni bei 4,9 Punkten und somit nur knapp über der Null-Linie, die überhaupt erst die grundsätzliche Bereitschaft einiger Verbraucher für größere Ausgaben signalisiert.
Slowakei: Anschaffungsneigung eingebrochen
Obwohl die Wirtschaft boomt, rechnen die slowakischen Verbraucher in den nächsten Monaten eher mit einer verhaltenen konjunkturellen Entwicklung. Die Konjunkturerwartung ist im zweiten Quartal deutlich um 15,7 Punkte auf aktuell 9,7 Zähler gesunken. Gründe hierfür können die zum Zeitpunkt der Befragung ungelöste Griechenlandkrise, aber auch der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sein.
Auch die Einkommenserwartung ging seit März um 7 Punkte auf 19,8 Zähler zurück. Das Niveau ist jedoch weiterhin als gut zu bezeichnen. Die Slowaken gehen von höheren Einkommen aus. Dies dürfte in erster Linie auf die zwar langsam, aber kontinuierlich sinkende Arbeitslosigkeit zurückzuführen sein.
Diese Entwicklung ist jedoch aktuell nicht bei der Anschaffungsneigung zu erkennen. Sie ist im vergangenen Quartal mit einem Rückgang von über 19 Punkten geradezu eingebrochen. Im Juni stand der Indikator bei -5,4 Punkten. Das ist der niedrigste Wert seit Juli 2013. Die slowakischen Verbraucher halten ihr Geld also wieder zusammen und kaufen nur die für den täglichen Bedarf notwendigen Artikel.
Bulgaren glauben trotz guter Wirtschaftsdaten nicht an weiteren Aufschwung
Die Wirtschaft in Bulgarien ist im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Dennoch können sich die Verbraucher offensichtlich nicht vorstellen, dass diese positive Entwicklung anhalten wird. Die Konjunkturerwartung verbesserte sich im zweiten Quartal nur um 1,5 Punkte -12,9 Zähler. Grund für diese zurückhaltende Beurteilung – trotz guter Wirtschaftsdaten – dürfte die nach wie vor ungeklärte Krise zwischen Russland und der Ukraine sein.
Ähnlich schätzen die bulgarischen Verbraucher die Situation in Bezug auf ihre Einkommen ein. Der zughörige Indikator ist zwar im zweiten Quartal erneut gestiegen (+8,3 Punkte), liegt mit -6,6 Zählern jedoch noch im negativen Bereich. Die Bulgaren rechnen somit in den nächsten Monaten weiterhin eher nicht mit steigenden Löhnen und Gehältern.
Geld für größere Anschaffungen, die über den täglichen Bedarf hinausgehen, wollen weiterhin nur wenige Bulgaren ausgeben. Die Anschaffungsneigung stand im Juni bei 10,5 Punkten. Das sind 1,6 Zähler mehr als im März.
Leichte Stagnation der wirtschaftlichen Euphorie in Rumänien
Die rumänischen Verbraucher rechnen weiterhin mit einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung. Die Konjunkturerwartung sank im zweiten Quartal zwar um 1,1 Punkte auf aktuell 21,3 Zähler. Im Vergleich zu Juni 2014 steht jedoch ein deutlicher Anstieg von fast 32 Punkten zu Buche.
Entsprechend der guten wirtschaftlichen Bedingungen rechnen die Rumänen weiterhin mit leicht steigenden Löhnen und Gehältern. Die Einkommenserwartung lag im Juni bei 18,5 Punkten.
Der Lebensstandard in dem osteuropäischen Land ist jedoch nach wie vor sehr niedrig. Die Einkommen reichen gerade so, um die täglich notwendigen Besorgungen bezahlen zu können. So verwundert es nicht, dass die Anschaffungsneigung mit -11,5 Punkten nach wie vor im negativen Bereich bleibt – obwohl sie im zweiten Quartal um 4,7 Punkte stieg. Größere Anschaffungen sind für die meisten Rumänen nach wie vor fast unmöglich.

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