Frankfurt/Main (21.9.15)/PK – Mit so viel Häme wie Martin Winterkorn ist schon lange kein Chef eines Weltkonzerns an der Börse überschüttet worden. „VW-Chef Martin Winterkorn müsse gehen. Und zwar sofort.“ So das vorläufige Urteil im Frankfurter Börsensaal, wo sich zugegebenermaßen meist sehr schnell, mitunter vorschnell eine Meinung bildet. Auch in diesem Fall. Trotz dieses Vorbehalts steht fest: die VW-Aktie geriet zum Wochenauftakt in den freien Fall. Vorübergehend war sie um etwa 21 Prozent eingebrochen. Rund 18 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung wurden im Nu pulverisiert. Wegen des Desasters der VW-Aktie geriet auch der Deutsche Aktienindex Dax unter Druck. „Wie dumm muss man sein?“, fragten sich Frankfurter Börsenteilnehmer. — Am Wochenende hatte der VW-Konzern kleinlaut eingeräumt, bei Abgasprüfungen in den USA herumgetrickst zu haben. Nun droht dem noch immer weltgrößten Autohersteller in den USA ein milliardenhohes Bußgeld und, was noch schwerer wiegen dürfte, ein über Jahrzehnte anhaltender Imageschaden. Ein Imageschaden, den die gesamte deutsche Autoindustrie, die ja von Hause aus sehr diesellastig ist, zu spüren bekommt. — Börsen-Teilnehmer fragen sich in diesem Zusammenhang auch, ob und inwieweit VW-Großaktionär Ferdinand Piech seine Finger im Spiel gehabt hatte. Ob er den zuständigen US-Behörden vielleicht einen Hinweis auf die manipulierten Diesel-Abgas-Tests bei VW gegeben hatte. Ganz abwegig seien diese Mutmaßungen nicht, hieß es am Montagvormittag im Frankfurter Börsensaal. Denn Piech gilt als Widersacher, manche Beobachter sagen sogar, als Intimfeind von VW-Chef Martin Winterkorn. Würde Winterkorn wegen des Abgas-Diesel-Skandals tatsächlich den Chefsessel in Wolfsburg räumen müssen, wäre dies wohl ganz im Sinne Piechs.

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