Europas Automarkt mit starkem Jahresauftakt – deutsche Autokonzerne verlieren aber weiter Marktanteile
Stuttgart (16.2.16) – Der europäische Neuwagenmarkt hat im Januar erneut robust zugelegt, obwohl der Monat einen Verkaufstag weniger aufwies als der Januar 2015 – also ein sehr vielversprechender Start ins Jahr. Angetrieben von der Erholung in den ehemaligen Krisenländern Spanien, Irland, Italien und Portugal, wo die Pkw-Verkäufe in den Jahren 2012 und 2013 massiv eingebrochen waren, legte der Markt EU-weit um 6,2 Prozent zu – in Spanien lag das Plus bei 12 Prozent, in Italien und bei 17 bzw. 18 Prozent und in Irland sogar bei 34 Prozent.
In den drei größten Absatzmärkten Deutschland, Großbritannien und Frankreich stieg die Zahl der Neuzulassungen hingegen „nur“ um drei bzw. vier Prozent. EU-weit lag die Zahl der Neuzulassungen auf dem höchsten Stand der vergangenen sieben Jahre – zuletzt waren im Jahr 2008 in einem Januar mehr Fahrzeuge neu zugelassen worden.
Peter Fuß, Partner bei EY: „Nach wie vor sorgen Aufholeffekte in den ehemaligen Krisenländern für eine spürbare Wachstumsdynamik auf dem europäischen Neuwagenmarkt. Aber auch Deutschland, Großbritannien und Frankreich, wo die Autokrise längst überwunden ist, entwickeln sich dank der hohen Kaufbereitschaft von Verbrauchern und Unternehmen weiter positiv.“
„Angetrieben wird der Markt von den niedrigen Spritkosten, hohen Rabatten und niedrigen Zinsen. Die sinkende Arbeitslosigkeit und gute Konjunkturaussichten sorgen zudem für günstige Rahmenbedingungen und ein positives Konsumklima: Die Bereitschaft, auch große Anschaffungen zu tätigen, ist hoch – zumal sparen nicht lohnt und auf der anderen Seite sehr gute Finanzierungskonditionen möglich sind.“
Trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten und trotz der eingetrübten weltweiten Konjunkturaussichten bleibt Fuß für den europäischen Markt optimistisch: „Die Binnenkonjunktur entwickelt sich weiter positiv, und niedrige Finanzierungskosten und eine weiter sinkenden Arbeitslosigkeit werden der europäische Neuwagenmarkt wohl auch im Jahr 2016 auf Wachstumskurs halten. Allerdings sind die Risiken, dass es zu einem Abschwung kommen könnte, zuletzt deutlich gestiegen“.
Volkswagen verliert weiter Marktanteile in der EU
Die deutschen Autokonzerne (Volkswagen, Daimler und BMW) verzeichneten im Januar zusammen EU-weit ein Plus von 2,5 Prozent zu und entwickelten sich damit nicht ganz so gut wie der Gesamtmarkt. Ihr Marktanteil schrumpfte im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat leicht von 37,2 auf 35,9 Prozent.
Während allerdings Daimler im Januar überdurchschnittlich stark zulegte (plus 8,5 Prozent), wuchsen BMW (plus 4,0 Prozent) und der Volkswagen-Konzern (plus 0,8 Prozent) weniger stark als der Gesamtmarkt. Vor allem der Volkswagen-Konzern verlor weiter Marktanteile: Im Januar sank der Marktanteil auf 24,2 Prozent, nachdem er im Januar 2015 noch bei 25,5 Prozent gelegen hatte. Bereits in den Vormonaten war der Anteil des Volkswagen Konzerns am EU-Neuwagenmarkt zurückgegangen.
Von der Schwäche des europäischen Marktführers Volkswagen profitierten zuletzt vor allem Ford, der Fiat Konzern und die Opel-Group, die ihren EU-Absatz im Januar jeweils um mehr als 10 Prozent steigern konnten.
Lichtblick in China
Während sich in der EU das Wachstum des Automarktes in den kommenden Monaten weiter abschwächen dürfte – nach einem Plus von neun Prozent im vergangenen Jahr rechnet Fuß in diesem Jahr mit einem Zuwachs von drei bis vier Prozent –, entwickelt sich China wieder zum Wachstumsmotor der Autobranche: Im Reich der Mitte legten die Autoverkäufe um 12 Prozent zu, während der Absatz in den Vereinigten Staaten um 0,4 Prozent zurückging, wobei allerdings auch der Schneesturm im Osten der USA und das Fehlen zweier Verkaufstage eine Rolle gespielt haben.
Nachdem der China-Absatz der deutschen Autokonzerne im vergangenen Jahr erstmals seit mindestens zehn Jahren rückläufig war, konnten die drei Unternehmen im Januar insgesamt um starke 16 Prozent zulegen und damit stärker wachsen als der Gesamtmarkt.
Weltweit verkauften Volkswagen, BMW und Daimler im Januar sechs Prozent mehr Autos als im Vorjahresmonat, wobei Daimler mit 19 Prozent das mit Abstand stärkste Wachstum verzeichnete vor BMW (knapp acht Prozent) und Volkwagen (knapp vier Prozent). „Das war für die deutschen Autokonzerne insgesamt ein überraschend starker Jahresauftakt. Die Unternehmen wissen aber, dass die Zeiten schwieriger werden und die wirtschaftlichen und politischen Risiken im neuen Jahr noch größer sind als im vergangenen. Die Volatilität auf allen Märkten wird immer stärker.“
Entwicklung der deutschen Autokonzerne im Januar 2016
| EU | Jan 2016 | Jan 2015 | Entwicklung in % |
| Volkswagen | 256.989 | 254.899 |
0,8% |
| Daimler | 61.062 | 56.290 |
8,5% |
| BMW | 62.977 | 60.554 |
4,0% |
| Summe | 381.028 | 371.743 |
2,5% |
| USA | Jan 2016 | Jan 2015 | Entwicklung in % |
| Volkswagen | 36.400 | 39.200 |
-7,1% |
| Daimler | 25.057 | 25.151 |
-0,4% |
| BMW | 22.957 | 23.920 |
-4,0% |
| Summe | 84.414 | 88.271 |
-4,4% |
| China | Jan 2016 | Jan 2015 | Entwicklung in % |
| Volkswagen | 400.100 | 351.400 |
13,9% |
| Daimler | 43.875 | 29.486 |
48,8% |
| BMW | 43.441 | 40.081 |
8,4% |
| Summe | 487.416 | 420.967 |
15,8% |
| Weltweit | Jan 2016 | Jan 2015 | Entwicklung in % |
| Volkswagen | 847.800 | 817.600 |
3,7% |
| Daimler | 160.138 | 134.256 |
19,3% |
| BMW | 152.879 | 142.154 |
7,5% |
| Summe | 1.160.817 | 1.094.010 |
6,1% |
Quelle: Ernst & Young

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