Deutsche Bank: Ausblick 2016 –
Deutsche Exporte doppelt unter Beschuss
Frankfurt/Main (3.3.16) – Während die deutschen Exporteure 2015 trotz des schwierigen Umfelds noch Weltmarktanteile hinzugewannen, stand der Start ins Jahr 2016 unter keinem guten Stern. Unser „Exportindikator“, der sich aus dem Nachfrage- und dem Wechselkursimpuls zusammensetzt, zeigt, dass die deutschen Exporte 2016 doppelt unter Beschuss stehen dürften. Die ungünstigere Konstellation beim Nachfrage- und insb. beim Preisimpuls dürfte 2016 nur noch für ein Exportwachstum von 3% sorgen. Der Blick auf einzelne Industriesektoren zeigt, dass die gesamtwirtschaftlichen Impulse durch branchenspezifische Faktoren überkompensiert werden können.
Zu nennen ist z.B. in der Automobilindustrie das hohe Niveau beim Autoabsatz etwa in den USA oder UK, welches weitere (deutliche) Zuwächse 2016 unwahrscheinlich erscheinen lässt. Darüber hinaus schwächt eine voranschreitende Lokalisierung der Produktion (v.a. China und USA) den Wechselkurseffekt ab. Insgesamt wird das Exportjahr 2016 für die deutsche Industrie herausfordernd.
Hauspreise: Normalisierung bald abgeschlossen, Überbewertung wahrscheinlich. Die Wohnungspreise in den 126 wichtigsten deutschen Städten stiegen 2015 gg. Vj. um 6% und abermals kräftiger als die Mieten. Zwischen 2009 und 2015 wiesen München, Stuttgart und Hamburg höhere Preiszuwächse auf als bspw. Köln und Düsseldorf. Schlusslicht war Frankfurt. Berlin liegt im Mittelfeld, könnte aber aufholen. Gemessen an Erschwinglichkeitsindizes lagen deutsche Wohnimmobilienpreise bisher unter ihren historischen Durchschnitten. Mit den erwarteten Preissteigerungen von 6% in 2016 dürfte das Ende der Normalisierung erreicht werden. Durch den potentiell weiter wachsenden großen Nachfrageüberhang sollten die Preise in den nächsten Jahren steigen. Es könnte zu Überbewertungen kommen, die die makroprudentiellen Risiken erhöhen.
Wachstum 2016: Binnenlastiger & risikobehafteter. Zum Jahresende 2015 blieb das BIP-Wachstum mit 0,3% stabil, obwohl die schwache Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze Sorgen um eine deutliche Verlangsamung aufkommen ließen. Eine äußerst kräftige Binnenkonjunktur überkompensierte in H2 2015 den Gegenwind vom Außenhandel. Die ifo-Geschäftserwartungen fielen am Jahresanfang allerdings so stark wie zuletzt Mitte 2008. Bislang interpretieren wir dies als ein kräftiges Warnsignal. Andere Daten deuten aber darauf hin, dass die ifo-Daten die Lage überzeichnen und zumindest ein robustes Q1 bevorsteht. Unsere BIP-Wachstumsprognose für 2016 hatten wir schon vor Veröffentlichung der ifo-Daten leicht auf 1,7% von 1,9% gesenkt – vor allem aufgrund geringerer Exporterwartungen.
EZB deutet für die nächste Ratssitzung im März weitere geldpolitische Lockerungen an. Durch die anhaltend niedrige Inflation, dem Rückgang der Inflationserwartungen, gestiegenen Konjunkturrisiken und der Aussagen einiger EZB-Ratsmitglieder erwarten wir auf der Ratssitzung am 10. März weitere geldpolitische Lockerungen: Eine Absenkung des Einlagensatzes um 10 Bp. und eine temporäre Erhöhung der Anleihekäufe. Dies dürfte die Wahrscheinlichkeit von Abwärtsrisiken reduzieren und damit zur Stabilität in der EWU beitragen.

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