GSAM Aktienmarkt-Serie: Wachstumsmotor Mexiko, Risiken

in Brasilien und der Türkei

 

New York (12.4.16) – Die Entwicklung der meisten Schwellenländer hängt aktuell von den folgenden drei Faktoren ab: Erstens der langsame und wenig beständige Transformationsprozess Chinas, zweitens die Frage, wer tatsächlich von den niedrigen Öl- und Rohstoffpreisen profitiert, und drittens die Verbraucherausgaben in den Schwellenländern – jetzt und in den nächsten zehn Jahren. Trotz etlicher makroökonomischer Schwierigkeiten bieten Aktien aus Schwellenländern weiter großartige Gelegenheiten zur Alpha-Generierung und Portfoliodiversifikation.

Dabei liegt unser Fokus auf Unternehmen, die wir als langfristige Marktanteilsgewinner sehen, sowie auf kleineren Titeln, die sehr stark von positiven Trends profitieren. In der vorliegenden Serie über Emerging Markets Aktien werden wir verschiedene Schwellenländer vorstellen und auf die jeweils besonderen regionalen Treiber eingehen. Während wir uns in den letzten Wochen näher mit China, Südkorea, Indien und Indonesien befasst haben, werfen wir zum Abschluss unserer Serie einen detaillierteren Blick auf Mexiko, Brasilien, die Türkei und Südafrika.

 

 

Mexiko – Wirtschaft und Verbraucherklima in stabiler Verfassung

 

Mexiko gehört neben Indien zu den größeren Lichtblicken im Schwellenländer-Universum, obgleich hier die Aktienbewertungen signalisieren, dass auch die Anleger dies mittlerweile erkannt haben. Mexikos BIP wächst ordentlich, vor allem im Rahmen der Ölpreisschwäche, wenngleich diese die Begeisterung für die Privatisierung des staatlichen Energiesektors etwas gedämpft hat. Die zweite Runde der Privatisierungsauktionen verlief allerdings erfolgreicher, was teilweise den besseren Konditionen für Investoren zu verdanken ist.

 

Auch Mexikos Konsumaussichten wirken durch die engen Beziehungen zur relativ starken US-Wirtschaft stabiler als in vielen anderen Schwellenländern. Dabei sind vor allem die Geldüberweisungen aus den USA zu nennen, die einen relativ hohen Anteil am mexikanischen BIP ausmachen. Da der Peso gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren hat, ist der Effekt auf die Ausgaben entsprechend positiv. Familien, die von diesen Überweisungen profitieren, verfügen zudem typischerweise nur über wenig oder gar keine Ersparnisse und geben daher ihre Einkünfte sehr schnell wieder aus.

 

Die Bewertungen spiegeln weitgehend die relativ guten Aussichten wider, über die Mexiko vor allem in Bezug auf den Verbrauchersektor verfügt. Wir sind davon überzeugt, dass mexikanische Unternehmen eine relativ starke Gewinnwachstumsdynamik aufweisen, speziell im Vergleich zu vielen anderen Schwellenländern.

 

Brasilien – Wann erholen sich Wirtschaft und Aktienmarkt?

 

Brasilien entwickelte sich 2015 von allen Schwellenländer-Börsen am schlechtesten. Grund dafür war das sich deutlich eintrübende Konjunkturumfeld aufgrund fallender Rohstoffpreise. Die Wirtschaft rutschte mit einem Minus von 3,8 Prozent in die Rezession und die Währung verlor kräftig an Wert. Zugleich wurde das schwindende Anlegervertrauen in die Regierung durch einen Korruptionsskandal beim staatseigenen Ölkonzern weiter belastet.

 

Leider ist die Sache für Brasilien damit noch nicht ausgestanden. Schätzungen zufolge soll das Bruttoinlandsprodukt 2016 um weitere 2,8 Prozent schrumpfen. Das größte Dilemma des Landes besteht in dem Versuch, das Wachstum und Investitionen in einem Umfeld anzukurbeln, in dem eine relativ hohe Inflation wachstumsstimulierende Zinssenkungen der Notenbank verhindert. Doch eine Wirtschaft ohne Wachstum könnte weitere Herabstufungen des Länderratings nach sich ziehen.

 

Als Impulsgeber für den heimischen Aktienmarkt könnten sich längerfristig die für Oktober angesetzten Kommunalwahlen erweisen. Sollten diese Hoffnungen auf Veränderungen wecken, wird das Vertrauen der Anleger vielleicht zurückkehren. In der Zwischenzeit können wir trotz schwierigster Konjunkturbedingungen in Brasilien bei einzelnen Unternehmen weiterhin Anlagechancen ausmachen. So finden wir bei umfassendster Einrechnung des schwachen Makroumfelds immer noch einige Titel, die infolge ihres Geschäftsmodells, ihrer Marktposition oder anderer spezifischer Faktoren ein beträchtliches Aufwärtspotenzial bieten.

 

Türkei – Inflations- und geopolitische Risiken im Fokus

 

Der türkische Aktienmarkt blieb 2015 wegen der starken Abwertung der Lira in Lokalwährung und erst recht in US-Dollar deutlich hinter anderen Schwellenländern zurück. Verantwortlich für die unterdurchschnittliche Performance waren eine Reihe von Herausforderungen, darunter politische und geopolitische Risiken sowie die hohe Inflation.

 

Die türkische Parlamentswahl im vergangenen Jahr hat die politischen Unsicherheiten teilweise beseitigt, wirft aber gleichzeitig neue Fragen bezüglich der potenziellen Verfassungsänderungen und den präsidialen Machtbefugnissen auf. Unterdessen hat die Regierung bereits begonnen, einige ihrer Wahlkampfversprechen wie höhere Mindestlöhne und Befreiungen von der Körperschaftssteuer umzusetzen. Die Haushaltsdisziplin scheint sich allerdings zu verbessern und in puncto Kreditwachstum werden gerade Beschränkungen abgebaut. Als Reaktion auf einige der guten Nachrichten wurden die BIP-Schätzungen zuletzt nach oben revidiert. Alle diese Entwicklungen sollten sich für die Verbraucher in der Türkei generell als positiv erweisen. Gegenwärtig können wir demnach weiter die besten Gelegenheiten bei gut und konservativ geführten Konsumgüterunternehmen finden, die von einer dominanten Marktstellung in ihrer jeweiligen Branche profitieren.

 

Die Türkei steht aber weiterhin vor mehreren Herausforderungen und zunehmenden Risiken. So könnte sich erstens das Regierungsziel, die Inflation in diesem Jahr von sieben auf fünf Prozent zu senken, als unrealistisch erweisen und der angesehene Chef der Notenbank könnte zurücktreten, wenn seine Amtszeit im April ausläuft. Zweitens können die niedrigeren Ölpreise die Inflationsrate zwar weiter im Zaum halten, doch es besteht die Gefahr, dass sich der mittelfristige Effekt steigender Mindestlöhne auf die Gesamtwirtschaft ausweitet. Die dritte und vielleicht besorgniserregendste Herausforderung besteht darin, dass die Türkei den wirtschaftlichen und geopolitischen Auswirkungen des Syrienkriegs und der Migrationskrise in Europa ausgesetzt bleibt – zwei brisante Situationen, die sich für die internationale Gemeinschaft als schwer lösbar erweisen.

 

Südafrika – Konjunkturschwäche belastet den Konsum

 

Als Exporteur von Edelmetallen und Kohle wurde die südafrikanische Wirtschaft von der Schwäche der Rohstoffpreise stark in Mitleidenschaft gezogen. Zudem hat das Land lange Zeit zu wenig in den Energiesektor investiert, was sich jetzt im Hinblick auf seine zukünftigen Wachstumsperspektiven zu rächen beginnt. Verstärkt werden die wirtschaftlichen Herausforderungen durch eine derzeit grassierende extreme Dürre, die aufgrund steigender Preise infolge der geringen Ernteerträge zu einem Inflationsschub führen dürfte. In Anbetracht der prekären Wirtschaftsbedingungen und des steigenden Haushaltsdefizits könnte Südafrika seinen Investment-Grade-Status verlieren, was die dortige Lage noch weiter erschweren würde.

 

Das sich abschwächende Konjunkturumfeld schlägt sich nun auch langsam im Konsum nieder. Bei einigen verbraucherorientierten Unternehmen scheint sich dies bereits negativ bemerkbar zu machen. Attraktive langfristige Anlagegelegenheiten finden wir indes weiter im Finanzsektor, wo bestimmte Unternehmen dank eines stabilen Geschäftsmodells und einer starken Branchenpositionierung selbst schwierigere Zeiten meistern werden.

Von Prashant Khemka, Manager des GS Growth & Emerging Markets Broad Equity Portfolios bei Goldman Sachs Asset Management