GAM: Unsicherheit nach dem Brexit-Referendum eröffnet Chancen für alternative Anlagestrategien
London (13.7.16) – „Der Ausgang des Brexit-Referendums birgt neue Chancen, aber auch Risiken. Ungewissheit und zunehmender Populismus könnten das globale Wachstum weiter belasten. Die Börsen werden auf die Auswirkungen der Entscheidung reagieren und dann auch auf die konkreten Schritte, die in den nächsten Quartalen und Jahren erfolgen werden. Zwar ist weiter mit erhöhten politischen und geldpolitischen Risiken zu rechnen. Dennoch eröffnen sich Investment-Gelegenheiten, insbesondere für alternative Anlagestrategien. Chancen sehen wir vor allem im Währungs- und Zinsbereich sowie bei Trades, die auf regional divergierende Wachstumsraten setzen. Im Event-Driven-Bereich bleiben wir vorsichtig und halten uns bereit, geeignete Einstiegspunkte zu nutzen, die sich besonders bei Unternehmensanleihen ergeben könnten.“
Anleihen: Gedämpfte Erwartungen auf steigende Zinsen treiben Marktrally weiter an
In allen Anlageklassen standen die Preise und Korrelationen zunehmend unter dem Einfluss der Brexit-Umfragen. Zusammen mit den unerwarteten schwachen Beschäftigungszahlen aus den USA für Mai hat der ungewisse Ausgang der Abstimmung die Erwartung, dass die Fed die Zinsen schon bald erneut anhebt, gedämpft. Auch die Prognosen für das langfristige Wachstum wurden nach unten korrigiert. Vor diesem Hintergrund dauerte die Rally an den Anleihemärkten weiter an. Der Barclays US Aggregate Bond Index stieg im Juni um 1,8 Prozent, und auf das gesamte zweite Quartal gesehen um 2,2 Prozent.
Aktien: Starke Schwankungen und steigende Korrelationen
Die Preise risikobehafteter Anlagen verzeichneten während des Quartals heftige Schwankungen, und im Juni war der Abstand zwischen Höchst- und Tiefständen am größten. Die Bewegungen an den Aktienmärkten wurden gegen Ende des Quartals immer hektischer, und die Korrelationen nahmen zu, je weiter ein Erfolg der Brexit-Kampagne in den Bereich des Möglichen zu rücken schien. Der MSCI World Index gab im Juni um 1,1 Prozent nach, wobei der Abstand zwischen höchstem und tiefstem Stand 7,5 Prozent betrug. Dennoch konnte der Index das zweite Quartal mit einem Plus von 1,2 Prozent beenden. An den Devisen- und Rohstoffmärkten war die Volatilität ähnlich hoch.
Hedge Funds trotzen dem politischen Sturm
Trotz des unruhigen Umfelds konnten Hedge Funds für den Monat und das Quartal eine insgesamt positive Performance erzielen. Der HFRX Global Hedge Fund Index legte im Juni um 0,2 Prozent zu, für das zweite Quartal verbuchte er ein Plus von 1,1 Prozent. „Der Entweder-Oder-Charakter der Brexit-Abstimmung hat das Gros der Fondsmanager dazu veranlasst, ihr Risiko vor dem 23. Juni zu senken. Daher mussten die Fonds durch den Schock über den Sieg der Brexit-Befürworter keine allzu großen Verluste hinnehmen, und die meisten profitierten von der dann einsetzenden Erholung“, erklärt Lawler.
Auch die Event-Driven-Fonds konnten das für sie solide Quartal im Juni gemessen am HFRX Event-Driven Index mit einem Plus von 1,4 Prozent abschließen. Von den vier großen Hedge-Fund-Strategien erzielte die Event-Driven-Strategie das beste Quartalsergebnis, obwohl diese Fonds vergleichsweise wenig Risiken eingegangen waren. „Gründe für die defensive Positionierung waren Sorgen über die makroökonomische Entwicklung sowie die Zunahme der Rücknahmeanträge seit Ende letzten Jahres“, sagt Lawler. „Angesichts der lebhaften Übernahmeaktivitäten sehen wir nun weiterhin interessante Möglichkeiten für dieses Segment. Auch unter Druck stehende oder stark gefallene Positionen etwa im Rohstoffsektor, die im zweiten Quartal erfreuliche Beiträge geleistet haben, sind für diese Fonds zunehmend chancenreich.“
Global-Marcro-Strategien boten ein uneinheitliches Bild, wobei systematische Strategien besser abschnitten als diskretionäre. Systematic-Trend-Strategien lagen im Juni deutlich vor dem Gesamtmarkt und konnten Verluste, die sie früher im Quartal verbucht hatten, wettmachen. „Diese Fonds waren gut positioniert, um die risikoscheue Stimmung vor und nach dem Brexit-Referendum zu nutzen. In den USA, Großbritannien und Kontinentaleuropa hielten die Trend-Strategien generell Long-Positionen in Anleihen, positive Beiträge haben außerdem Long-Positionen in Metallen und bestimmte Soft-Commodities geleistet“, analysiert Lawler. Die meisten Discretionary-Macro-Strategien hatten sich entschieden, das Brexit-Risiko auszusitzen und traten bei der Wertentwicklung im Juni weitgehend auf der Stelle. Dabei bescherte ihnen gerade beliebte Positionierungen an den Devisenmärkten, wie Long-Positionen im US-Dollar gegenüber Rohstoff- und Schwellenländer-Währungen, Verluste, während sich Long-Positionen im Yen, Short-Positionen im Pfund und einige Long-Positionen an den Schwellenmärkten als Vorteilhaft erwiesen. Insgesamt stieg der HFRX Macro/CTA Index im Juni ein Prozent.
Equity Hedge Funds hatten es im Juni schwerer. Die überwältigende Mehrzahl der Fondsmanager wurde vom Ausgang des Referendums überrascht und waren insgesamt netto long positioniert. Daher setzten die heftigen Marktbewegungen ihren Fonds spürbar zu, so dass sie den Monat und das Quartal, gemessen am HFRX Equity Hedge Index mit einem Minus von 1,5 Prozent beendeten. „Das nur leicht negative Ergebnis erklärt sich, da die Fonds aufgrund des ‚binären’ Charakters der Abstimmung vorsichtig aufgestellt waren. Nach dem Referendum kam es dann anscheinend nicht in nennenswertem Umfang zu aggressiven Käufen, Verkäufen oder Umschichtungsbewegungen zwischen den Sektoren. Die Tatsache, dass es selbst nach so dramatischen relativen Bewegungen wie der Verkaufswelle im Finanzsektor nicht zu einer Rotation gekommen ist, deutet darauf hin, dass Equity Hedge Funds weiter Zurückhaltung üben, statt Jagd auf Finanzwerte oder andere vermeintliche neue ‚Deep Value‘-Trades zu machen“.

Stay In Touch