Bundesbank: Präsident Weidmann bei der Grundsteinlegung der Dortmunder Filiale und gegen Bargeldabschaffung

Dortmund (14.7.16) – Weidmann: Was Sie in dem neuen Gebäude aber wohl nie ausgehändigt bekommen werden, ist eine 500‑Euro-Banknote. Schließlich hat der EZB-Rat Anfang Mai beschlossen, den Druck von 500‑Euro-Scheinen zu beenden und die Ausgabe voraussichtlich gegen Ende des Jahres 2018 einzustellen. Anlass dieser Entscheidung war die Mutmaßung, dass diese Banknote illegalen Aktivitäten Vorschub leisten könnte.

Ich persönlich habe ja meine Zweifel, ob Beschränkungen des baren Zahlungsverkehrs – sei es die Abschaffung des Fünfhunderters oder die politisch diskutierte Obergrenze für Barzahlungen – wirksame Instrumente im Kampf gegen organisierte Kriminalität, Steuerhinterziehung und den internationale Terrorismus sind. Und mir sind auch keine Studien bekannt, die einen entsprechenden Beleg liefern würden.

Ich habe die Entscheidung aber auch deswegen kritisch gesehen, weil sie von den Bürgerinnen und Bürgern als erster Schritt auf dem Weg zu einer vollständigen Abschaffung des Bargelds verstanden werden konnte.

Das Bargeld ganz abzuschaffen ist eine Idee, die gerade in jüngster Zeit von einigen Ökonomen vorgebracht wurde. Sie denken dabei nicht nur an die Kriminalitätsbekämpfung, sondern auch an die Möglichkeit, negative Zinsen in der Breite durchzusetzen – also auch auf den Bankkonten der privaten Einleger. Bisher bietet die Existenz von Bargeld eine einfache Möglichkeit, Negativzinsen zu entgehen. Wäre die Flucht ins Bargeld versperrt – so die Argumentation – könnten die Zinsen noch deutlicher unter null gesenkt werden.

Ich halte das für überhaupt keine gute Idee. Es wäre eine vollkommen unverhältnismäßige Reaktion auf die geldpolitischen Herausforderungen: weder nötig noch angemessen. Man darf auch nicht vergessen, dass das Bargeld das einzige gesetzliche Zahlungsmittel ist. Es ermöglicht seinen Nutzern auch zu bezahlen, ohne persönliche Informationen preiszugeben.

Gerade bei kleinen Summen ist Bargeld außerdem das kostengünstigste Zahlungsmittel. Auch deshalb wundert es mich nicht, dass das Bargeld in Deutschland das beliebteste Zahlungsmittel von allen ist. Fast 80 % aller Transaktionen im Handel werden bar bezahlt, wenn auch mit leicht rückläufiger Tendenz.

Der EZB-Rat hat mittlerweile klargestellt, dass die Abschaffung der 500‑Euro-Note nicht den Einstieg in den Ausstieg aus dem Bargeld darstellt. Dieses Bekenntnis zum Bargeld ist aus meiner Sicht ein klares und wichtiges Signal.

Die Bundesbank wird auch weiterhin sicherstellen, dass das umlaufende Bargeld eine hohe Qualität hat und ausreichend zur Verfügung steht. Wir haben den gesetzlichen Auftrag, eine reibungslose und effiziente Bargeldversorgung zu gewährleisten. Die Neue Filiale hier wird in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung dieses Auftrags leisten.

Und so bin ich froh, dass Dortmund gewissermaßen wieder zur „Kohlemetropole“ wird und hoffe, dass der Bau ohne Zwischenfälle voranschreitet und die Neue Filiale in Dortmund planmäßig im Jahr 2019 eröffnet werden kann.“