VÖB-Zinsprognose: Notenbanken
gefangen im Dilemma
Frankfurt/Main (12.10.16) – Die Europäische Zentralbank (EZB) und die
Federal Reserve (Fed) stehen nach Ansicht der Kapitalmarktexperten
der VÖB-Mitgliedsinstitute Dr. Norbert Wuthe (BayernLB), Dr. Ulrich
Kater (DekaBank), Hendrik Lodde (DZ BANK), Ulf Krauss (Helaba),
Dr. Cyrus de la Rubia (HSH Nordbank), Uwe Burkert (LBBW) und
Christian Lips (NORD/LB) vor schwierigen Entscheidungen. Dies
erklären sie gemeinsam auf der 43. Zinsprognose-Pressekonferenz
des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, in
Frankfurt am Main.
Die EZB ist weiterhin gefangen in ihrem selbstgeschaffenen Dilemma.
Ausgerechnet ihr entschlossenes Handeln hat die Staaten der
Eurozone und die EZB in gegenseitige Abhängigkeit geführt, die
Marktteilnehmer und die Finanzminister verlassen sich nun auf die
EZB, dass sie aktiv wird, falls es notwendig ist. Daher wird die EZB
nach Ansicht der VÖB-Zins- und Rentenstrategen versuchen, jede
Irritation zu vermeiden und die lockere Geldpolitik wie geplant
fortsetzten oder punktuell ausweiten. Denn auch die Inflation wird, trotz
eines erwarteten moderaten Anstieges, unter der Zielmarke von
zwei Prozent bleiben und damit die EZB an der expansiven Geldpolitik
festhalten lassen. Dementsprechend erwarten alle Institute in den
kommenden sechs Monaten nur eine geringe Dynamik bei der Rendite
der 10-jährigen Bundesanleihe, der Prognosekorridor liegt zwischen –
0,15 und 0,25 Prozent.
In einer grundsätzlich ähnlichen Situation wie die EZB sehen die VÖB
Experten die Fed, jedoch mit umgekehrten Vorzeichen. Einerseits
unterliegt die Fed der allgemeinen Markterwartung, die Zinsen
anzuheben. Andererseits muss die Fed darauf achten, dass sie die
Erholung der US-Konjunktur nicht gefährdet. Die Fed steht also
zwischen Glaubwürdigkeit und Auftrag, auch sie befindet sich in einem
Dilemma. Daher erwarten die VÖB-Kapitalmarktstrategen –
insbesondere im Umfeld der US-Präsidentschaftswahlen – weiterhin
ein äußerst behutsames Vorgehen der Fed. Die Rendite der 10-
jährigen US-Staatsanleihe sollte dennoch leichten Auftrieb erhalten
und in sechs Monaten zwischen 1,7 und 2,0 Prozent notieren.
Die Konjunktur bleibt nach Ansicht der VÖB-Zinsexperten weiterhin
stabil, trotz der Prognose eines leichten Rückgangs des
Wirtschaftswachstums in Deutschland und der Eurozone im Jahr 2017
gegenüber 2016. Ein umgekehrtes Bild bietet der Blick über den
Atlantik, für die US-Wirtschaft wird 2017 ein stärkeres Wachstum
erwartet als 2016.
Unsicherheiten drohen den Kapitalmärkten durch politische
Entwicklungen. Die VÖB-Experten verweisen insbesondere auf den für
Frühling 2017 angekündigten Start der „Brexit“-Verhandlungen und die
anstehenden Präsidentschaftswahlen im November 2016 in den USA.
Ein möglicher US-Präsident Donald Trump würde die Märkte zunächst
erheblich verunsichern.
Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, ist ein Spitzenverband der deutschen Kreditwirtschaft. Er vertritt die Interessen von 63 Mitgliedern, darunter die Landesbanken sowie die Förderbanken des Bundes und der Länder. Die mit über 2.700 Milliarden Euro ca. ein
Drittel der Bilanzsumme des deutschen Bankenmarktes (Geschäftsjahr 2015). Mit knapp 69.000 Beschäftigten nehmen die öffentlichen Banken ihre Verantwortung für Mittelstand, Unternehmen, die öffentliche Hand und Privatkunden wahr und sind in allen Teilen Deutschlands fest in ihren Heimatregionen verwurzelt. Mit 48 Prozent sind die VÖB-Mitgliedsbanken Marktführer bei der Kommunalfinanzierung und stellen zudem rund 29 Prozent aller Unternehmenskredite in Deutschland zur Verfügung.

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