Die Deutsche Bundesbank feiert Anfang August d. J. ihr 60-jähriges Jubiläum! Das Motto: Seit 1957 sorgt die Notenbank für stabiles Geld in Deutschland und Europa.
www.geldanlagen-nachrichten.de liefert in den kommenden Monaten eine ausgedehnte Serie zum Thema deutsches Geld und Geldpolitik von der Nachkriegszeit über die Währungsreform mit der Einführung der D-Mark 1948 bis zum Euro von Heute: Immer Mittwochs.
Von Christoph Wehnelt
Nr. 1
Vom Chaos zum Wirtschaftswunder
Erste vier-Mächte-Gespräche nach dem 2. Weltkrieg über eine Neuordnung des deutschen Finanzsystems fanden bereits Ende 1945 statt. Zu dieser Zeit diente Edward A. Tenenbaum im Stab von General Clay als Assistent des Finanzberaters. Tenenbaum war dort maßgeblich an den amerikanischen Planungen für eine deutsche Währungsreform beteiligt.
Im Januar 1946 trafen drei Experten, Gerhard Colm, Joseph Dodge und Ray Goldsmith, in Deutschland ein und berieten mit deutschen Experten über Währungsfragen. Unter Berücksichtigung deutscher Reformvorschläge wurde im April die erste Fassung des „Plan for the Liquidation of the War Finance and the Financial Rehabilitation of Germany“, des CDG-Planes, vorgelegt. Die endgültige Fassung datiert vom 20.Mai 1946 bildete die Grundlage der weiteren Beratungen im Kontrollrat. Vom 21. April bis zum 8. Juni 1948, fand im Haus Posen der Kaserne von Rothwesten ein „Konklave“ zur Vorbereitung der Währungsreform statt.
Bundesbankpräsident Helmut Schlesinger erinnert sich: „Die elf deutschen Sachverständigen, die hier im Konklave von Rothwesten in nur 49 Tagen – mitunter bis tief in die Nachtstunden hinein – 22 Dokumente erarbeiteten, hatten sich schon vorher bei der Sonderstelle „Geld und Kredit“ in Frankfurt mit Währungsproblemen befasst, und viele von ihnen haben später bei der Deutschen Bundesbank bzw. ihrer Vorgängerin, der Bank deutscher Länder, das wirtschaftliche Sanierungsprogramm der Währungsreform fortgesetzt und die neue Deutsche Mark weiter betreut. Karl Bernard wurde der erste Präsident ihres Zentralbankrates.“
Der „Tag X“
In den Tagen vor dem 20. Juni, dem Tag der DM-Geldausgabe, stiegen die Reichsmarkpreise in ungeahnte Höhen. Die bevorstehende Währungsreform erwartend wurden Waren in entweder massiv gehortet oder man versuchte, noch so viel Reichsmark wie möglich in knappe Güter umzusetzen. Am 18. Juni verkündeten die Westalliierten die ersten beiden Gesetze zur Neuordnung des Geldwesens, das Währungsgesetz und das Emissionsgesetz, die zum 21. Juni in Kraft traten. Zum 27. Juni trat das dritte Gesetz zur Neuordnung des Geldwesens, das Umstellungsgesetz, in Kraft. Das Kopfgeld wurde in zwei Tranchen ausgezahlt: Am 20. Juni 40 DM und etwas später nochmals 20 DM.
Die Währungsreform in West-Berlin
Berlin stand unter gemeinsamer Verwaltung der vier Siegermächte und Währungsprobleme waren damit vorprogrammiert. Nach dem Auszug der Russen aus dem Kontrollrat im März begann ab April die Blockade des Westteils der alten Reichshauptstadt.
Eine letzte Chance einer gemeinsamen Währung für Berlin bot sich am 30. August, als die Westalliierten sich bereiterklärten, die DM Ost gegen Aufgabe der Blockade in ganz Berlin einzuführen. Unzulängliche Zusicherungen der Sowjets ließen sie davon wieder abrücken.
Die in Westberlin umlaufenden DM-West-Geldscheine wurden zur Unterscheidung mit einem „B“ versehen – sie galten auch als Zahlungsmittel in Westdeutschland. Ab 20. März 1949 erklärten die Westmächte die DM-West zum alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel in West-Berlin.
Französische Zone: Keine Aufhebung des Preiskommandos
Hochinteressant sind die Erinnerungen des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß an diese Zeit: Wie untrennbar Währungsreform und die Entscheidung für soziale Marktwirtschaft zusammenhingen, zeigt sehr deutlich das Beispiel der damals französisch besetzten Zone. In Rheinland-Pfalz und in Südwürttemberg-Hohenzollern blieben auch nach dem 20. Juni 1948 die Waren rationiert, und die Preise wurden nicht freigegeben. Was waren die Folgen?
Das Wachstum der Wirtschaft in der französischen Zone hinkte beträchtlich hinter dem der sogenannten Bizone, der amerikanisch-britischen Besatzungszone, her. Das führte dazu, dass die Soziale Marktwirtschaft in der französischen Zone sozusagen auf dem Wege der Gesetzesübertretung gegen das dort geltende Recht eingeführt wurde. Weder die Bewirtschaftung noch die Preiskontrollen konnten dem durchbrechenden Sog des freien Marktes widerstehen.
Das ergab schließlich eine groteske Lage. In Rheinland-Pfalz wurde im Oktober 1948 ein Gesetz gegen Preistreiberei verkündet. Die Preise wurden aber erst im Februar 1949 zum Teil freigegeben.
Damals schrieb der Nationalökonom Wilhelm Röpke, das große Leitbild Ludwig Erhards: „Indem man in der französischen Zone die Währungsreform ohne die wesentliche Ergänzung durch die Aufhebung des Preiskommandos durchgeführt hat, konnte man in einer Art von Kontrollversuch abschätzen, wie sich die Soziale Marktwirtschaft auswirkte. Die französische Zone wird mehr und mehr dazu gezwungen, mit oder ohne Gesetzesänderung den von der Bizone beschrittenen Weg zu gehen.“ ……
Als sich der Wirtschaftsrat nach einer Kräfte verzehrenden, zeitaufwendigen, fast eine ganze Nacht in Anspruch nehmenden Debatte mit einigen Vordebatten, einer erbitterten Debatte, für die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft entschied, erhielt damit die Währungsreform die Kraft einer Initialzündung.
Schon am nächsten Tag schauten die Deutschen verdutzt, ja überwältigt in die Schaufenster, aus denen ihnen noch tags zuvor gähnende Leere oder wertloser Plunder entgegen gestarrt hatte. Die Waren türmten sich geradezu, die jahrelang entweder überhaupt nicht oder nur gegen einen unerhörten Aufpreis oder im Wege des Tauschgeschäftes unter dem Ladentisch zu haben gewesen waren.
An diesem Tag war die Frage nach der Wirtschaftsordnung des sich abzeichnenden neuen Staates auf dem Gebiet der drei westlichen Besatzungszonen schon beantwortet, wenn auch für die französische Zone noch nicht endgültig.
Mit 52 gegen 37 Stimmen hatte sich der Wirtschaftsrat gegen die anti-marktwirtschaftliche Wirtschaftslenkung entschieden, für das System der auf freier Preisbildung, echtem Leistungswettbewerb und sozialer Gerechtigkeit gegründeten Marktwirtschaft.
„Nach meiner Erinnerung haben damals für das Leitsätzegesetz gestimmt CDU/CSU, FDP/DP und eine einzelne Abgeordnete, dagegen die Sozialdemokratische Partei und die im Wirtschaftsrat vertretene Kommunistische Partei.
Noch heute bin ich stolz darauf, dass ich damals als 33-jähriges Mitglied des Wirtschaftsrates das Ordnungsprinzip der Sozialen Marktwirtschaft durchsetzen half.“
(F.-J. Strauß: Vortrag zu 40 Jahre Konklave in Rothwesten)
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