Reaktionen auf Macron-Sieg:

DZ Bank: Europa atmet auf –

Risiken bleiben

 

Frankfurt/Main (8.5.17) – Der neue französische Präsident heißt Emmanuel Macron. Europa kann vorerst aufatmen, denn in den zentralen politischen Fragen steht er für einen gemäßigten Kurs. Der bei einer Wahl Le Pens befürchtete rasche Niedergang und das teils ausgerufene Auseinanderbrechen des Euro fällt damit vorerst aus.

Doch die Erleichterung Europas und die Freude des Gewinners dürften nur kurz anhalten. Der neue Hausherr im Élysée-Palast wird von Beginn an unter Druck stehen, der offensichtlichen Spaltung des Landes entgegenzuwirken. Längerfristig besteht außerdem das Risiko, dass sich Macron ohne eigene Hausmacht in der französischen Nationalversammlung mit seinen Vorhaben nicht durchsetzen kann und somit die Wende in Frankreich nicht gelingt. Dann könnte Le Pen in fünf Jahren einen neuen Versuch mit vielleicht höheren Siegchancen wagen. Somit wird sich noch zeigen, ob Macron nicht unter dem Strich nur den Weg für Le Pen bereitet hat.

So sehr die deutsche Regierung einer Zusammenarbeit mit Macron heute positiv entgegenblicken kann, so schnell könnte der zähe politische Alltag Einzug halten. Mögliche Konflikte auch zwischen den Regierungen in Berlin und Paris dürften dabei nicht ausbleiben. Zwar sollten Macron und Merkel in der Brexit-Frage noch an einem Strang ziehen, bei der Frage der Einhaltung der Fiskalregeln sowie einer aktiven staatlichen Wirtschaftsförderungs- und Investitionspolitik könnten die Meinungen schon eher konträr sein. Einen langen Richtungsstreit, wohin Europa steuern soll, wird sich allerdings keine Regierung leisten können. Sowohl der neue französische Präsident als auch die Regierungen in Italien, Österreich, den Niederlanden und andernorts sind zum Erfolg verdammt. Insbesondere Italien dürfte als nächstes Sorgenkind Europas in den Fokus der Märkte geraten.

Gelingt Europa nicht eine wirtschaftliche Erholung, von der ein Großteil der Gesellschaft profitiert, könnten die kommenden Wahlen schon einen anderen Ausgang nehmen als die heutige. Sowohl die gemäßigten politischen Kräfte in Frankreich als auch die europäische Idee haben zwar heute eine weitere Chance erhalten. Aber das Vertrauen und die Geduld der Bürger sind offensichtlich nicht grenzenlos. Die politischen Risiken sind nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.+++

 

Credit Suisse:

Frankreich wählt zentristischen Kurs

Von Strobaek Michael, Managing Director, Global Chief Investment Officer (CIO) der Credit Suisse

 Die französischen Wahlberechtigten haben Emmanuel Macron zu ihrem nächsten Präsidenten gekürt. Mit einem Stimmenanteil von über 65% verfügt Macron nach seinem Einzug in den Elysée-Palast über ein solides Regierungsmandat. Trotz großen Zulaufs für Kandidaten an den beiden Rändern des politischen Spektrums, allen voran für Marine Le Pen vom Front National, hat sich Frankreich letztlich für einen zentristischen Kandidaten als künftiges Staatsoberhaupt entschieden. Die beträchtliche Anzahl Stimmen für Marine Le Pen (leicht unter 35%) signalisiert indessen, dass sich viele Franzosen einen klar anderen politischen Ansatz wünschen, was die Präsidentschaft Macrons überschatten könnte. Die Wahlbeteiligung war tiefer als in der ersten Runde und auch tiefer als in früheren Urnengängen. Bemerkenswert ist zudem, dass eine substanzielle Zahl von Stimmzetteln leer eingelegt wurde.

 

Stärkung der französisch-deutschen Allianz

 

Macron ist ein entschiedener Verfechter des Projekts Europa und glaubt an Frankreichs Platz in der Europäischen Union und in der Eurozone. Er wird sich unserer Meinung nach als konstruktiver Partner für Deutschland erweisen, wenn es darum geht, die wichtige französisch-deutsche Allianz angesichts des Brexit und anderer Herausforderungen zu stärken. In welchem Ausmaß Macron Reformen im Inland wird umsetzen können, ist etwas weniger klar, zumal seine Bewegung «En Marche!» bei den Parlamentswahlen vom 11. und 18. Juni 2017 wohl weit von einer Mehrheit entfernt bleiben wird. Da die Partei erst vor einem Jahr gegründet wurde, ist sie zurzeit im Parlament noch nicht vertreten.

 

Höchst interessant ist zudem die Frage, welche Form und Ausprägung die von Macron zusammengestellte Regierung haben wird. Macron hat zwar Gespräche mit Mitgliedern von «Les Républicains» aufgenommen, es scheint aber wahrscheinlicher, dass er eine Regierung mit Vertretern von zentristischen und Mitte-links-Parteien bilden wird. Im Idealfall würden «Les Républicains» bei der Verabschiedung von Reformen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Vermögenssteuern und Renten mit der Regierung zusammenarbeiten. Der neue Präsident wird zudem während seiner Amtszeit in anderen Bereichen auf die Probe gestellt werden, z.B. im Sicherheitsbereich.

 

Voraussichtlich positive Marktreaktion

 

Trotz der Unsicherheit in Bezug auf die Regierungsbildung und die Umsetzung potenzieller Reformen ist der Wahlausgang unseres Erachtens positiv für Europa und die Finanzmärkte. Auf kurze Sicht erwarten wir eine nur geringfügige Aufwertung des EUR gegenüber dem USD und dem CHF, zumal die Einheitswährung bereits nach der ersten Wahlrunde, als sich ein Sieg Macrons abzuzeichnen begann, wieder deutlich zugelegt hatte. Wir rechnen damit, dass der EUR gegenüber dem USD letztlich näher an die Notierungen von vor der Wahl heranrücken wird, weil die geldpolitische Divergenz zwischen der Eurozone und den USA nach wie vor Bestand hat. Auch die Aktienmärkte dürften weiterhin Anleger anziehen, wobei sich Finanzwerte besonders gut entwickeln sollten.

 

Aufgrund unseres zurzeit positiven Ausblicks für Aktien aus der Eurozone sind wir gut positioniert, um von solchen Avancen zu profitieren. Wir rufen allerding in Erinnerung, dass die Aktienmärkte – genauso wie die Einheitswährung – den positiven Wahlausgang des heutigen Tags bereits im Anschluss an die erste Wahlrunde einzupreisen begannen. Mit Blick auf die Fixed-Income-Märkte erwarten wir, dass die Renditespreads französischer und europäischer Anleihen weiter zurückgehen werden.+++