ifo Institut für mehr Chancengerechtigkeit

Berlin (19.2.18) – Das ifo Institut hat sich für Reformen für mehr Chancengerechtigkeit ausgesprochen. „Der Schulerfolg von Kindern in Deutschland hängt stärker als in anderen Länder von den Eltern ab, von deren Einkommen und deren Bildung“, sagt Andreas Peichl, Leiter des ifo-Zentrums für Makroökonomik und Befragungen anlässlich des UNO-Jahrestages für Soziale Gerechtigkeit. „Für ein Kind aus einer Akademikerfamilie ist die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, deutlich höher als für ein Kind aus einer Arbeiterfamilie, bei gleichen Schulleistungen. Deutschland gibt vergleichsweise wenig Geld aus für Bildung im Kleinkindalter und  viel Geld für die Hochschulbildung. Wir brauchen daher mehr Investitionen in die frühkindliche Bildung – nicht nur in Betreuung.“

„Auch müsste die Sozialpolitik zielgenauer gestaltet werden“, fügte Peichl hinzu. „Bei Niedrigverdienern führt das Zusammenwirken von wegfallenden Sozialleistungen, Abgaben und Steuern dazu, dass immer wieder mehr brutto zu weniger netto führt. Das ist absurd. Außerdem sollten wir die Qualifizierung und Weiterbildung von Geringverdienern dringend verbessern, damit sie aufsteigen können und die Unternehmen die dringend benötigten Fachkräfte bekommen.“ Die Vorstellung  einer steigenden Einkommensungleichheit in Deutschland dagegen sei ein Thema von gestern. „Dies stimmte nur bis zum Jahre 2005. Seitdem geht es je nach Maß seitwärts oder sogar zurück.“

Mit „Gazellen“ gegen Arbeitsplatzverluste? –
Dresden (19. 2.18) – Der Verlust an Arbeitsplätzen in weniger wettbewerbsfähigen Unternehmen kann durch die Schaffung von neuen Jobs in wachsenden Firmen ausgeglichen werden. „Insbesondere sehr schnell wachsende Unternehmen, sogenannte Gazellen, können wesentlich zu diesem Prozess des Strukturwandels beitragen“, sagt Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der ifo Niederlassung Dresden. „So wurde in Ostdeutschland in den vergangenen Jahren beinahe die Hälfte aller neuen Stellen von Gazellen-Unternehmen geschaffen, obwohl diese weniger als 8 Prozent aller Unternehmen ausmachen.“ Das zeigt eine neue Untersuchung von ifo Dresden. „Durch eine größere Anzahl derartiger Gazellen könnte auch die kleinteilige Unternehmensstruktur in den ostdeutschen Bundesländern überwunden werden, die als ein wesentliches strukturelles Defizit angesehen wird“, fügt Ragnitz hinzu. „Denn das Schrumpfen und Wachsen von Unternehmen ein normaler Bestandteil der Abläufe in einer marktwirtschaftlichen Ordnung.“