Ernst & Young: DAX-Konzerne schließen 2017 mit Rekordumsatz und –gewinn ab – 135.000 neue Stellen geschaffen
Stuttgart (15.3.18) – Deutschlands Top-Konzerne bleiben dank der guten Konjunkturentwicklung im In- und Ausland auf Rekordkurs: Insgesamt stieg der Umsatz der DAX-Unternehmen um 5,4 Prozent auf gut 1,3 Billionen Euro – der höchste je erzielte Wert. Auch der Gewinn kletterte auf einen neuen Höchststand: Das operative Ergebnisse (EBIT) wuchs um 17 Prozent auf 133 Milliarden Euro.
Beim Umsatzwachstum hatten Fresenius und Adidas die Nase vorn, die jeweils um 15 Prozent zulegten. Nur die beiden Energieversorger meldeten rückläufige Umsatzzahlen – die große Mehrheit der Konzerne konnte also mehr umsetzen als im Vorjahr.
Die höchsten Gewinne erzielten zwei Autokonzerne: Daimler erwirtschaftete ein operatives Ergebnis von 14,7 Milliarden Euro und belegte damit wie schon im Vorjahr den Spitzenplatz in der Gewinnrangliste. Volkswagen folgt mit 13,8 Milliarden Euro auf dem zweiten Platz, der Versicherungskonzern Allianz liegt mit 11,1 Milliarden Euro auf Rang drei.
Etwas uneinheitlicher als beim Umsatz war die Entwicklung beim operativen Gewinn: Sechs Unternehmen meldeten einen EBIT-Rückgang, der aber teilweise auf Sondereffekte zurückzuführen war. So rutschte Munich Re aufgrund hoher Hurrikanschäden in die roten Zahlen.
Das deutliche Umsatzwachstum führte bei den meisten Unternehmen auch zu steigenden Mitarbeiterzahlen: Um 3,7 Prozent wuchs die Beschäftigung im vergangenen Jahr – von 3,69 auf 3,82 Millionen. Unterm Strich schufen die DAX-Konzerne damit weltweit gut 135.000 Stellen.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.
„Für die meisten DAX-Konzerne läuft es im operativen Geschäft zurzeit gut bis sehr gut. Das liegt an der guten Konjunkturentwicklung in Deutschland und in den europäischen Nachbarländern, aber auch an der steigenden Nachfrage aus Märkten wie Nordamerika und China“, beobachtet Mathieu Meyer, Mitglieder der Geschäftsführung bei EY. „Viele wichtige Märkte bewegen sich derzeit im Gleichschritt aufwärts – davon profitiert gerade die stark exportgetriebene deutsche Industrie.“
Dennoch sei keine Entspannung angesagt – im Gegenteil: Selten gab es so viel Bewegung bei den DAX-Konzernen, so Meyer: „Viele Unternehmen stellen derzeit ihr komplettes Geschäftsmodell auf den Prüfstand und schrecken auch vor einschneidenden Maßnahmen wie der Abspaltung großer Unternehmensteile nicht zurück.“ Aktuelle Beispiele für diese Entwicklung seien beispielsweise die Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch Eon, der Umbau bei Daimler mit dem Ziel der Schaffung dreier selbständiger Aktiengesellschaften unter dem Dach der Daimler AG oder auch der Börsengang der Siemens-Medizintechniksparte Healthineers. „Die Bereitschaft, Geschäftsfelder neu zu ordnen und anschließend auch radikale Schritte einzuleiten, ist groß“, so Meyer. „Die Unternehmen bemühen sich, Schritt zu halten mit sich rasch verändernden Märkten, einem rasanten technologischen Wandel und einer unübersichtlichen politischen Großwetterlage.“
Obendrein investieren viele Unternehmen derzeit Milliardensummen in die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle und in Zukunftstechnologien, wie zum Beispiel der Elektromobilität. All das kostet zunächst viel Geld – das aber insgesamt gut investiert sei, so Meyer: „Gerade in Boom-Zeiten ist es sinnvoll, in die eigene Zukunftsfähigkeit zu investieren. Und wenn wir sehen, wie schnell heute Geschäftsmodelle entstehen und sterben, tun die Unternehmen gut daran, an ihrer Schlagkraft und Flexibilität zu arbeiten.“ Dank aktueller Rekordgewinne seien viele DAX-Konzerne derzeit finanziell in der Lage, auch sehr große Investitionen schultern zu können.
Beschäftigung steigt weiter – 135.000 Stellen geschaffen
Der erhebliche Veränderungsdruck und der zum Teil massive Umbau, dem sich die Unternehmen unterziehen, führen teilweise auch zu Jobverlusten. Dennoch bleibt insgesamt der Aufwärtstrend bei der Beschäftigung intakt: Im Lauf des Jahres wurden von den DAX-Konzernen unterm Strich 135.000 neue Stellen geschaffen. Nur sechs Unternehmen verzeichnen einen Beschäftigungsrückgang – die große Mehrheit der Unternehmen stellte also zusätzliche Mitarbeiter ein. Wie viele der neuen Stellen auf Deutschland entfielen, lässt sich auf der Basis der aktuell vorliegenden Zahlen zwar noch nicht errechnen – Meyer betont aber: „Der Standort Deutschland profitiert zurzeit ganz erheblich von der guten Entwicklung auf wichtigen ausländischen Märkten. Denn die hohe Nachfrage aus dem Ausland sorgt hierzulande für volle Auftragsbücher, ausgelastete Fabriken und neue Jobs.“
Am besten entwickelten sich im vergangenen Jahr mit einem Umsatzplus von neun Prozent die Geschäfte in Asien, wo die DAX-Konzerne inzwischen fast jeden fünften Euro erwirtschaften. Auf Europa entfällt etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes der DAX-Unternehmen – hier legte der Umsatz um knapp sechs Prozent zu, ebenso wie in Nordamerika, wo die DAX-Konzerne gut ein Viertel ihres Gesamtumsatzes generieren.
Politische Risiken steigen – Ausblick dennoch optimistisch
„Die DAX-Konzerne erwirtschaften derzeit Rekordumsätze und -gewinne, obwohl die politische und wirtschaftliche Großwetterlage so unübersichtlich ist wie lange nicht mehr“, ergänzt Meyer. Und die Risiken seien zuletzt sogar weiter gestiegen: So führe die anstehende Zinswende zu Nervosität, da sie auch die Schuldenkrise in Europa neu entfachen könnte. Zusätzlich sorge der schwache Dollar für Einbußen bei der Umrechnung von im Ausland erzielten Umsätzen und Gewinnen in die europäische Gemeinschaftswährung. Und schließlich stelle der um sich greifende Trend zu Protektionismus und zu neuen Handelsschranken ein erhebliches Risiko für viele deutsche Unternehmen dar: „Das Geschäftsmodell des Industriestandorts Deutschland beruht auf möglichst offenen Märkten. Dass der Trend derzeit in die umgekehrte Richtung geht, muss uns Sorgen bereiten. Andererseits sind viele deutsche Unternehmen inzwischen sehr international aufgestellt und produzieren in großem Umfang direkt vor Ort, so dass sie steigende Zölle und sonstige Handelsbarrieren zumindest teilweise abfedern können. Dennoch können wir nichts weniger gebrauchen als Strafzölle und Handelskriege“
Zu einem weiteren Problem könnte sich der Brexit entwickeln, fürchtet Meyer: „Die Brexit-Verhandlungen verlaufen nicht so, dass die Unternehmen auf ein vernünftiges Verhandlungsergebnis vertrauen können. Im Gegenteil: Es steht nach wie vor die Möglichkeit eines harten Brexits im Raum, was auf allen Seiten zu hohen Kosten bzw. massiven Einbußen führen würde.“
Trotz dieser Risiken ist Meyer unterm Strich optimistisch: „Die Inlandskonjunktur ist sehr stabil, und auch in vielen anderen kontinentaleuropäischen Ländern hat sich das Wachstum zuletzt beschleunigt. Obendrein erholen sich gerade einige Schwellenländer – etwa Russland und Brasilien. Das stärkt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen, und auch die Verbraucher sind in Kauflaune – sowohl in Deutschland als auch in Europa. Vorläufig wird es also weiter aufwärts gehen für die deutschen Top-Konzerne.“

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