Konjunktur en gros und en detail: Handelskrieg mit USA…so what!

Berlin (21.3.18) – Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft setzt sich fort. Der Sachverständigenrat hebt seine Wachstumsprognose für das Jahr 2018 leicht an und erwartet für die Jahre 2018 und 2019 jahresdurchschnittliche Zuwachsraten des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,3 % und 1,8 %.

Zu der Aufwärtsrevision der Prognose trägt vor allem das nochmals verbesserte außenwirtschaftliche Umfeld bei. Die Weltwirtschaft erlebt derzeit den ersten synchronen Aufschwung seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007. Die Zuwachsraten des deutschen BIP werden voraussichtlich oberhalb des Potenzialwachstums liegen, sodass die Überauslastung der deutschen Wirtschaft weiter zunimmt. Engpässe am Arbeitsmarkt und eine überdurchschnittliche Auslastung von Maschinen und Anlagen dürften die Wachstumsdynamik im kommenden Jahr allerdings dämpfen. Die Anzahl der Erwerbstätigen hat im Jahr 2017 einen neuen Höchststand erreicht und dürfte weiter steigen. Nach dem kräftigen Wachstum der vergangenen Jahre befindet sich die deutsche Wirtschaft somit in einer Hochkonjunkturphase. In dieser konjunkturellen Konstellation trägt die anhaltend expansive Geldpolitik der EZB dazu bei, dass die Überauslastung weiter zunimmt. Werden die geplanten fiskalischen Maßnahmen des Koalitionsvertrags von CDU, CSU und SPD umgesetzt, gehen hiervon zusätzliche expansive Impulse aus. „Die neue Bundesregierung nimmt ihre Arbeit in einer Phase der Hochkonjunktur auf. Nun gilt es, das langfristige Wachstumspotenzial zu stärken. Maßnahmen, welche die Überauslastung erhöhen, sind hingegen kontraproduktiv.“ Christoph M. Schmidt, Vorsitzender Für die übrigen Mitgliedstaaten des Euro-Raums zeichnet sich ebenfalls eine günstigere Entwicklung ab. Der Sachverständigenrat erhöht seine Prognose für die Zuwachsrate des BIP im Euro-Raum für das Jahr 2018 auf 2,3 %. Für das kommende Jahr wird ein Zuwachs in Höhe von 1,9 % erwartet. Die positiven Wachstumsaussichten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung zuletzt zugenommen haben. Neben dem Wahlergebnis in Italien und dem unsicheren Ausgang der Brexit-Verhandlungen trägt hierzu insbesondere die angekündigte Zollerhöhung auf Stahl und Aluminium durch die Vereinigten Staaten bei. Eine Spirale aus protektionistischen Maßnahmen hätte deutlich negative Auswirkungen auf die globale und die deutsche Wirtschaft.

DIW: Deutschland und der Euroraum profitieren kurzzeitig von einer Zinserhöhung in den USA

 

 

 

 

Foto: Dietmar Schmidt

Berlin (21.3.18) – Die Euromitgliedstaaten können von Zinserhöhungen in den USA kurzzeitig wirtschaftlich profitieren, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Dank der Abwertung des Euros steigen die Exporte und können so die wegen der höheren Zinsen geringere Nachfrage aus den USA überkompensieren. Dies gilt insbesondere für Deutschland. Mittelfristig folgen die Zinsen des Euroraums denen der USA und sorgen dann auch hierzulande wieder für einen Rückgang der Wachstumsraten. „Der positive Effekt besteht zwar nur temporär. Dennoch sollte dieses Ergebnis dazu beitragen, die Befürchtungen zu verringern, dass sich bei einer Anhebung des Leitzinses in den USA die wirtschaftliche Abschwächung auf den Euroraum überträgt“, sagt DIW-Ökonom Max Hanisch.

Seit etwa zwei Jahren hebt die US-Notenbank (Fed) schrittweise die Zinsen an. Die Maßnahmen zielen an erster Stelle auf die US-amerikanische Wirtschaft ab. Dennoch sind ihre Auswirkungen auch international spürbar. Wenn die Fed den Leitzins um 50 Basispunkte erhöht, reagiert das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in allen großen Volkswirtschaften des Euroraums zunächst positiv, jedoch unterschiedlich stark. In Deutschland steigt das BIP stärker an als in den meisten anderen Ländern und erreicht nach vier Quartalen mit 0,6 Prozent seinen maximalen Wert. Um diesen Effekt besser zu verstehen, ist es sinnvoll, einen Blick auf die internationalen Übertragungswege zu werfen.

Die Eurozone ist zum einen über den Handel – knapp 14 Prozent ihrer Exporte gehen in die USA – und zum anderen über die Finanzmärkte wirtschaftlich eng mit den USA verflochten. Mit der US-Zinserhöhung geht eine Aufwertung des US-Dollars einher, was gleichbedeutend mit einer Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar ist und damit Produkte und Dienstleistungen aus dem Euroraum für die USA billiger macht. Während für die meisten Euroländer Exporte innerhalb des Euroraums die größere Bedeutung haben, sind die USA für Deutschland der größte einzelne Exportmarkt. Die deutschen Exporte reagieren deshalb am stärksten auf den US-amerikanischen Impuls. Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass sich bis zu 80 Prozent aller Währungen weltweit am US-Dollar orientieren. Zusätzliche Exportnachfrage ist daher nicht nur aus den USA zu erwarten, sondern aus allen Ländern, deren Währungen dem Dollar folgen. Die Übertragung über die Finanzmärkte setzt dagegen erst nach circa drei Quartalen voll ein. Durch diese zeitliche Verzögerung kann die gestiegene Exportnachfrage, hervorgerufen durch die Euroabwertung, kurzfristig eine expansive Wirkung entfalten, bevor sich höhere Zinsen auch im Euroraum durchsetzen und die wirtschaftliche Dynamik bremsen.


Dabei ist zu beachten, dass die DIW-Studie eine empirische, strukturelle Analyse ist, die den durchschnittlichen Zusammenhang zwischen US-Geldpolitik und den Ländern der Eurozone von 1999 bis 2015 untersucht. Neben der Geldpolitik wirken zahlreiche weitere Einflussgrößen auf das BIP der Eurozone und den Wechselkurs ein, die die beschriebenen Zusammenhänge dämpfen oder sogar konterkarieren können. So hat der Euro in den vergangenen zwölf Monaten trotz US-Zinserhöhungen um fast 20 Prozent aufgewertet. Als jüngstes Beispiel sei hier auch die Entscheidung der USA, Strafzölle auf ausgewählte US-Importe zu verhängen, genannt. Eine derartige Maßnahme kann vor allem die Wirkungen, die über den Handel übertragen werden, massiv beeinträchtigen.

Der europäische Integrationsprozess kann den Einfluss externer Schocks abmildern

Allerdings greifen Überlegungen zu kurz, diese kurzfristig positiven Effekte wissentlich zuzulassen. Denn Zentralbanken und Regierungen streben stabile wirtschaftliche Wachstumspfade an und richten ihre Geld- und Fiskalpolitik entsprechend aus. Die US-Zinsentscheidung droht die Projektion, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Wirtschaftsplaner für die nähere Zukunft erstellen, zu stören und die Wirtschaft des Euroraums in eine unvorhergesehene Richtung zu lenken. So steigen beispielsweise nach einer Zinserhöhung in den USA auch die Zinsen im Euroraum, worauf die EZB außerplanmäßig reagieren muss. Diese Reaktion kann gezwungenermaßen nur eine einheitliche für alle Mitgliedsstaaten sein, obwohl die wirtschaftlichen Effekte der Zinserhöhung in den USA auf die einzelnen Länder sehr heterogen sind. Dies birgt das Risiko von Verwerfungen, da die EZB mit einer gemeinsamen Gegenreaktion nicht allen Mitgliedsstaaten gerecht werden kann. Daher sollte es trotz der kurzfristig positiven Effekte das Ziel sein, den Einfluss solcher externen Impulse zu verringern.

Hier kommt dem europäischen Integrationsprozess eine besondere Bedeutung zu. Denn wie die DIW-Analyse ebenfalls zeigt, reagiert die Eurozone weniger sensibel auf solche externen Schocks als die einzelnen Länder vor der Einführung des Euros. „Eine Empfehlung für die EZB wäre, den politischen und wirtschaftlichen Integrationsprozess innerhalb der Eurozone fortzuführen und zu intensivieren, denn das scheint dazu zu führen, dass die Eurozone als Ganzes weniger anfällig für Schocks von außen ist, und das ist langfristig vorteilhafter als die kurzfristigen positiven Effekte“, schlussfolgert Hanisch.

ifo Institut erwartet 2,6 Prozent Wachstum 2018

München (21.3.18) – Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr um 2,6 Prozent wachsen und im kommenden Jahr um 2,1 Prozent. Das haben neueste Berechnungen des ifo Instituts aus München ergeben.

„Damit bestätigen wir die Zahlen unserer Dezember-Prognose“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Allerdings haben sich die zugrundliegenden Triebkräfte etwas verschoben. Wir haben die Prognose für die Konsumausgaben der Haushalte 2018 um 0,5 Prozentpunkte heruntergenommen, weil sie schon 2017 im zweiten Halbjahr schlechter gelaufen sind als angenommen. Auf der anderen Seite dürften aber die Ausgaben des Staates um 0,5 Prozentpunkte stärker ausfallen als bislang gedacht. Die Wirtschaftspolitik der neuen Bundesregierung wirkt anregend, da staatliche Transferleistungen und Ausgabenprogramme ausgeweitet werden. Und die Exporte laufen 2018 auch um 0,5 Prozentpunkte besser als angenommen. Massive Einkommensteuersenkungen in den USA und ein starker Aufschwung im Euroraum beflügeln die Nachfrage nach deutschen Waren und Dienstleistungen.“

Wollmershäuser ergänzte: „Auf der Negativseite schlägt die Debatte über die Einführung bzw. Anhebung von Zöllen im transatlantischen Handel und die Aufwertung des Euro auf die Stimmung der Unternehmer hierzulande. Gleichzeitig enttäuscht der Koalitionsvertrag bei der Reform des Steuer- und Abgabensystems. Insbesondere bleibt er eine Antwort schuldig auf die deutliche Absenkung der Unternehmenssteuern in den USA, aber auch in Frankreich und in Großbritannien.“

Unterm Strich wird die Arbeitslosenquote in Deutschland etwas stärker sinken. Sie wird zurückgehen von 5,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 5,2 Prozent in diesem und auf 4,8 Prozent im kommenden Jahr. Die Zahl der Beschäftigten dürfte etwa stärker steigen auf 44,8 Millionen in diesem Jahr und auf 45,3 Millionen im kommenden. Der Überschuss des Staates dürfte in diesem Jahr 12,3 Milliarden Euro niedriger ausfallen als bislang gedacht und 38,3 Milliarden Euro erreichen, im kommenden Jahr sogar um 23,2 Milliarden Euro niedriger und 38,9 Milliarden Euro betragen.

IMK: „Gute Ausgangsposition, doch Trump bedroht globalen Aufschwung“

Düsseldorf (21.8.18) – Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hebt die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr noch einmal geringfügig an, sieht aber erhebliche Risiken durch die Politik von US-Präsident Donald Trump. „Wenn Trumps protektionistische Provokation eskaliert und zu einer Spirale gegenseitiger Abschottungsmaßnahmen führt, hat das das Potenzial, den globalen Aufschwung schwer zu schädigen“, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. „Allerdings halten wir einen Handelskrieg derzeit nicht für das wahrscheinlichste Szenario.“ Deshalb prognostiziert das Institut für 2018 eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,4 Prozent im Jahresdurchschnitt. Auch für 2019 erwarten die Konjunkturforscher ein kräftiges Wachstum um 2,2 Prozent.* Stärkste Säule des Aufschwungs bleibt der private Konsum, doch auch Investitionen und Außenhandel entwickeln sich kräftig. Der Trend auf dem Arbeitsmarkt ist weiter positiv: Obwohl das Arbeitskräfteangebot durch Zuwanderung gewachsen ist, geht die Arbeitslosigkeit kontinuierlich zurück: auf 5,3 Prozent 2018 und 5,0 Prozent 2019 (alle Daten siehe unten). Die Zahl der Erwerbstätigen steigt laut IMK im Jahresdurchschnitt 2019 auf den Rekordwert von 45,5 Millionen Personen. Da auch die öffentliche Hand vom Aufschwung profitiert, dürfte die gesamtstaatliche Verschuldung 2019 zum ersten Mal seit 2002 wieder unter der Maastricht-Grenze von 60 Prozent des BIP liegen.

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Gegenüber seiner Vorhersage vom Dezember hebt das IMK die Wachstumsprognose für 2018 um 0,1 Prozentpunkte an. Für 2019 geben die Düsseldorfer Forscher erstmals eine Voraussage ab. Die Prognose wird heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.

 

„Die konjunkturellen Aussichten sind in vielen Ländern gut, insbesondere in Deutschland“, erklärt Horn. „Wir erleben einen robusten, von der Binnennachfrage getragenen Aufschwung. Dabei leisten sowohl die private Konsumnachfrage als auch die Investitionen einen kräftigen Beitrag. Weil die Weltwirtschaft kräftig um knapp vier Prozent wächst, entwickeln sich die deutschen Exporte dynamisch, die Importe noch ein wenig stärker. Die Triebkräfte des Wachstums sind heute deutlich besser ausbalanciert als vor der Finanzkrise. Dieser Trend muss unbedingt noch gestärkt werden.“ Das lasse sich allerdings gerade nicht durch Handelsschranken erreichen, sondern durch eine Kombination aus soliden Lohnerhöhungen und stärkeren öffentlichen Investitionen in Deutschland, erklärt der IMK-Direktor mit Blick auf die US-Politik. „Es wäre widersinnig, wenn diese Entwicklung durch einen Handelskonflikt gestoppt würde, der auf allen Seiten Wohlstand kostet.“

 

Die protektionistischen Vorstöße des US-Präsidenten sorgen bereits für einige Unruhe, zeigt der neue Wert des IMK-Konjunkturindikators: Danach ist die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten in schweres Fahrwasser gerät, im März auf knapp sieben Prozent gestiegen. Im Februar waren es lediglich 1,3 Prozent. Entscheidend für die Verschlechterung ist höhere Unruhe an den Finanzmärkten und bei Stimmungsindikatoren wie dem ifo-Index. Allerdings steht der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator trotz der Eintrübung erst einmal fest im „grünen Bereich“. Bleibe es bei den bislang beschlossenen US-Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte, könnte das einzelne deutsche Hersteller zwar empfindlich treffen, gesamtwirtschaftlich wäre die Wirkung aber überschaubar, zeigt auch eine Analyse im Rahmen der Prognose: Lediglich rund 4 Prozent der deutschen Aluminium- bzw. Stahl-Ausfuhren gehen in die USA, ihr Anteil an den gesamten deutschen Warenexporten in die Vereinigten Staaten beträgt weniger als 1,5 Prozent.

 

Deutlich größer könnten die Schäden in den USA selber ausfallen, wenn stahl- und aluminiumverarbeitende Unternehmen und die Baubranche durch die Zölle höhere Preise für Vorprodukte zahlen müssen – sei es, weil Auslastung und Preise heimischer Hersteller steigen oder die Verarbeiter auf verteuerte Importe zurückgreifen müssten. Davon betroffen wären Branchen mit 12,3 Millionen Beschäftigten inklusive der Bauwirtschaft, während in der amerikanischen Stahl- und Aluminiumherstellung lediglich 200.000 Menschen arbeiten. Die betroffenen Unternehmen würden die höheren Preise für Vorprodukte entweder beim eigenen Personal einsparen oder auf die Endkunden abwälzen, schätzen die Forscher.

 

Sollte es in der Folge zu einem nennenswerten Preisauftrieb und Zweitrundeneffekten bei der Lohnentwicklung kommen, könnte die US-Notenbank mit stärkeren Zinserhöhungen reagieren, die die Konjunktur bremsen würden. Zudem könnte in diesem Fall der US-Dollar aufwerten, wodurch wiederum US-Exporte teurer, Importe aber billiger würden. Die Zölle wären daher für das erklärte Ziel des US-Präsidenten, das amerikanische Handelsbilanzdefizit zu senken, „vollkommen kontraproduktiv“, schreiben die Forscher. Gefährlich für die deutsche Wirtschaft werde es „wenn eine Spirale von Gegenmaßnahmen in Gang käme, in deren Verlauf die USA Importzölle auf die Einfuhr deutscher Kraftfahrzeuge oder Maschinen erheben würden.“

 

Kerndaten der Prognose für 2018 und 2019 (siehe auch Tabelle 3 im Report; Link unten)

 

– Arbeitsmarkt –

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland nimmt weiter kräftig zu – um fast 600.000 Personen oder 1,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2018 und weitere 1,3 Prozent im Jahresmittel 2019 auf dann 45,5 Millionen. Schon 2018 dürfte das gesamte Arbeitsvolumen in Deutschland erstmals über dem bisherigen Spitzenwert aus dem Jahr 1991 liegen. Die Arbeitslosigkeit sinkt weiter: Für 2018 prognostizieren die Forscher einen Rückgang um etwa 180.000 Personen, so dass im Jahresdurchschnitt rund 2,35 Millionen Menschen ohne Job sein werden. Für 2019 erwartet das IMK, dass die Arbeitslosenzahl um jahresdurchschnittlich rund 120.000 auf etwa 2,23 Millionen Personen sinkt.

 

– Außenhandel –

Auch der Euroraum befindet sich im Aufschwung: 2018 und 2019 wächst das BIP in der Währungsunion um 2,4 und 2,2 Prozent. In den USA und vielen Schwellenländern zieht die konjunkturelle Dynamik ebenfalls an. Die deutschen Ausfuhren profitieren von der stärkeren Weltkonjunktur. Sie nehmen im Jahresdurchschnitt 2018 um 5,7 Prozent und im Jahresmittel 2019 um 4,5 Prozent zu. Die Importe wachsen in beiden Jahren etwas kräftiger als die Ausfuhren: jahresdurchschnittlich um 6,1 und 5,2 Prozent. Der hohe deutsche Leistungsbilanzüberschuss wird in diesem Jahr noch einmal etwas steigen und 2019 nahezu unverändert sein.

 

– Investitionen –

Im günstigen konjunkturellen Umfeld investieren die Unternehmen wieder kräftig: 2018 steigen die Ausrüstungsinvestitionen um durchschnittlich 7,2 Prozent, 2019 sind es 6,7 Prozent im Jahresdurchschnitt. Bei den Bauinvestitionen geht die Dynamik in diesem Jahr zurück, sie steigen um 1,7 Prozent. 2019 beschleunigt sich das Wachstum wieder auf 2,8 Prozent. Dabei kommt es zu einer Verlagerung: Die Investitionen in den Wohnbau schwächen sich angesichts hoher und weiter steigender Immobilienpreise sowie etwas ungünstigerer Finanzierungsbedingungen ab, während der Wirtschaftsbau einhergehend mit der dynamischen Ausweitung der Ausrüstungen stärker zulegt.

 

– Einkommen und Konsum –

Die verfügbaren Einkommen wachsen 2018 und 2019 real um jeweils durchschnittlich 1,9 Prozent. Bei konstanter Sparquote nehmen die realen privaten Konsumausgaben ebenfalls um jeweils 1,9 Prozent zu. Damit trägt der private Konsum in diesem Jahr 1,0 Prozent zum BIP-Wachstum von 2,4 Prozent bei. Im kommenden Jahr sind es 1,1 von 2,2 Prozent.

 

– Inflation und öffentliche Finanzen –

Die allgemeine Preisentwicklung in Deutschland bleibt weiterhin hinter dem EZB-Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent zurück. In beiden Jahren steigen die Verbraucherpreise um jeweils 1,6 Prozent.

 

Der von der Binnennachfrage getragene Aufschwung sorgt weiterhin für starke Steuereinnahmen und Einnahmeüberschüsse bei Gebietskörperschaften und Sozialkassen: 2018 beträgt der gesamtstaatliche Finanzierungssaldo rund 47 Milliarden Euro oder 1,4 Prozent des BIP, 2019 steigt er auf 55 Milliarden Euro oder 1,6 Prozent des BIP.

 

*Alexander Herzog-Stein, Peter Hohlfeld, Katja Rietzler, Sabine Stephan, Thomas Theobald, Silke Tober, Sebastian Watzka: Politische Risiken gefährden globalen Aufschwung. Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2018/2019. IMK Report Nr. 136, März 2018. Download: https://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_136_2018.pdf

 

Veranstaltungshinweis: „Die Krise der Globalisierung“ ist heute auch Thema beim IMK-Forum. Dabei referieren und diskutieren Prof. Dr. Ulrike Guérot (Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung), Prof. Dr. Gabriel Felbermayr (Ifo Institut München und LMU München), Prof. Dr. Jens Suedekum (Universität Düsseldorf) und IMK-Direktor Prof. Dr. Gustav Horn. Ab 15 Uhr können Sie die Tagung hier im Livestream verfolgen: https://www.boeckler.de/veranstaltung_imk_112038.htm