125 Jahre Sparkassen- und Giroverband

Hessen-Thüringen: Ein Mann sieht rot –

Von Christoph Wehnelt

(26.3.18) – In Sparkassenrot legt die mächtigste Finanzorganisation – nicht nur in Hessen sondern Deutschlands –  einen hoch interessanten Bildband vor: 125 Jahre Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Buch zu einem lehrreichen Werk über die deutsche Geld- und Wirtschaftsgeschichte, nicht nur das: Hier wird deutsche Geschichte bildhaft dargestellt und politische Geographie in Mitteleuropa klar gemacht.  Der reich bebilderte Band präsentiert auf knapp 150 Seiten ganz speziell hessische und thüringische Geschichte kulturell und politisch. Hier wird kommunale und Ländergeschichte in Mitteldeutschland beispielhaft aufgearbeitet, einschließlich Wiedervereinigung, Geldumstellungen von Mark zu DM-Ost und West. Von der Weltwirtschaftskrise bis zum Ende des 2. Weltkriegs (Kapitel: Vom Taler zum Euro – eine kleine Währungsgeschichte).Ohne sich damit aufzuhalten, wer an was „Schuld hat“.

Da kann man lesen: Wer in schwerer Kriegszeit an der schweren Rüstung des Reichs werktätig mit schmieden half, hat sich den Dank des Vaterlandes verdient. Dem Zeichner der Kriegsanleihe. „Die Sparkasse: Die beste  Sparkasse: Kriegsanleihen.“ Zerstörte Städte werden dabei nicht ausgelassen. Das Kapitel ist überschrieben: Über Kriegsanleihen zum  Wertpapiergeschäft.  Natürlich mit den notwendigen Hinweisen auf die Kulturstiftung und die Polytechnische Gesellschaft, die lange Zeit von der Frankfurter Sparkasse nicht nur gefördert, sondern geradezu wieder zum Leben erweckt wurde.

Den Auftakt der großartigen Broschüre, die gut für den Geschichtsunterricht in Hessen verwendbar wäre, macht das Kapitel: „Der Wirtschafts- und Kulturraum Hessen und Thüringen.“ In „Einheit und Vielfalt“ wird die Sparkassen-Vereinigung von Hessen und Thüringen gefeiert mit weitreichenden Folgen für die regionale Entwicklung im Herzen Deutschlands. So wird das sehr gepflegt aufgemachte Buch auch zur Heimatkunde in Stadt-und Landkreisen bei sehr akribisch aufgearbeiteten Geschäftsgebieten.  Politische Geschichte, Kulturgeschichte, Geographie  und Wirtschaftsförderung machten die Sparkassen, die vor Jahren von den Großbanken über Brüssel (EU) zerlegt werden sollten, zur bedeutendsten und immer noch sehr verantwortungsvollen Geldmacht in Deutschland. An der Spitze marschierte und marschiert nach wie vor die Hessische Landesbank, etwas salopp zusammengefasst als „Helaba“. Tatsächlich wurde damals ein Redakteur der Frankfurter Rundschau vom Vorstand der Hessischen Landesbank mit bedrohlichem Schreiben beschimpft: „Helaba“ sei ein Produkt der schnoddrigen Journaille und als Bezeichnung für das würdige Geldhaus ganz bestimmt unwürdig. –  So kann man sich irren. Das war aber ganz bestimmt der allerletzte Irrtum der Helaba-Oberen gewesen. Gratulation.