SYZ AM: Die Weltwirtschaft gleicht einem großen Pokertisch, an dem mehrere Spiele mit hohen Einsätzen gespielt werden“
Hamburg (21.8.18) – Das wichtigste Spiel werde zwischen den USA und China ausgetragen: „Beide Seiten sind bereit, die Einsätze zu erhöhen, um die andere Partei dazu zu zwingen, Farbe zu bekennen.“ Für Donald Trump sei dieses Spiel eine Möglichkeit, vor den Halbzeitwahlen Stärke und Härte zu zeigen, so Pichoud. „Er schlägt eine weitere Runde von Zöllen für chinesische Güter im Wert von 200 Milliarden US-Dollar vor und behauptet zugleich, dass er den freien Handel verteidige. Das Reich der Mitte hebt unterdessen die eigenen Zölle erst nach den USA an, bevorzugt Alternativen zu US-Importen und schaut unterdessen mit unschuldiger Miene zu, wie der Yuan gegenüber dem US-Dollar fällt.“
Aber auch in Europa gleichen die (nicht stattfindenden) Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU einem Pokerspiel. „Hier übt die EU maximalen Druck aus, während Theresa May versucht, einen Spagat zu vollziehen – mit einem ‚hart-weichen Brexit-Deal‘, der weder für die Brexit-Befürworter in Großbritannien noch für die EU akzeptabel ist“, kommentiert Pichoud. Zugleich laufen noch einige weitere Pokerspiele: In der Türkei gehe es zwischen Erdogan und dem Devisenmarkt darum, ob die Zentralbank die Zinssätze anheben sollte. Und in Mexiko habe der gewählte Präsident Andrés Manue López Obrador die Anleger offenbar überzeugt, dass er nicht der marktfeindliche linksextreme Regierungschef ist, den viele gefürchtet hatten.
Während die Großen dieser Welt für Schlagzeilen sorgen, bleibt die Weltwirtschaft stabil. „Das Wachstum ist insgesamt nach wie vor passabel, die Inflation ist moderat, und mit Ausnahme der Fed ist die Geldpolitik der anderen großen Zentralbanken eindeutig unterstützend“, beruhigt Fabrizio Quirighetti, CIO und Head of Multi-Asset bei SYZ.
Langfristig erwarten die Experten jedoch eine Abkühlung der weltweiten Konjunktur: „Die Indikatoren für das Wirtschaftswachstum in Europa und Japan enttäuschten die Erwartungen, die nach dem außerordentlich guten Jahr 2017 allerdings überhöht waren“, fasst Quirighetti zusammen. Darüber hinaus habe sich die US-Renditekurve weiter abgeflacht und könne in den nächsten sechs bis zwölf Monaten umkippen. „Der größere Teil der US-Expansion liegt mittlerweile hinter uns. Deshalb wird in der Zukunft eine Rezession oder zumindest eine Abkühlung oder Stagnation des Wachstums eintreten.“ Für Maßnahmen sei es dem Multi-Asset-Experten Quirighetti zufolge jedoch noch zu früh.
Anpassung an den Anleihemärkten
Bedeutende Veränderungen gab es an den Anleihemärkten, wo die Bewertungen und die Preisdynamik sich anpassten. „Insbesondere in Europa haben sich die Spreads ausgeweitet“, betont Hartwig Kos, Vice CIO und Co-Head of Multi-Asset bei SYZ. So befinden sich hochverzinsliche Anleihen aus Europa auf dem gleichen Niveau wie ihr US-Pendant – sind jedoch hinsichtlich der Duration und der Qualität bessergestellt, da der Index für US-High-Yield-Anleihen zu über 10 Prozent aus relativ geringwertigen Energieemittenten besteht.
„Ein großer Teil dieser Entwicklung war auf Bedenken über das Ende des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) und den daraus folgenden Rückzug der Privatanleger zurückzuführen“, fasst Kos zusammen. „Da das Gespenst der großen Positionsauflösungen bei der EZB weiter Schlagzeilen machen dürfte, wird die negative Stimmung gegenüber der Anlageklasse vermutlich Bestand haben.“ Ein kompletter Rückzug aus der Anlageklasse sei aber keine angemessene Haltung: „Die Bewertungen haben sich erheblich verbessert und die Unternehmen sind in der Erwartung des geldpolitischen Richtungswechsels der EZB eindeutig bemüht, Schulden abzubauen“, so Kos.

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