Grüntker: Frankfurt steigt mit der Helaba vom 20. Rang der Weltfinanzplätze auf Rang zehn –

Von Christoph Wehnelt

Frankfurt/Main (23.9.18) – Herbert Hans Grüntker, Vorstandsvorsitzender der Hessischen Landesbank, hat am vergangenen Wochenende der Presse des Weltfinanzplatzes Frankfurt die neuesten Errungenschaften der Helaba und die damit verbundenen Ziele vorgestellt. Es ging um das TechQuartier in Frankfurt, das immer mehr zu einer wahren Erfolgsgeschichte geworden ist, für die im Vorstand der Helaba Christian Schmid verantwortlich zeichnet.

Wo die wilden Fin-Tech-Leute brainstormen – im Pollux-Hochhaus am Platz der Einheit am Rande des Frankfurter Finanz-Viertels – Foto:PK

Grüntker: „Nicht unbekannt sein dürfte unseren Gästen sicherlich auch der Ort der Veranstaltung sein. „Die zweite und mittlerweile auch dritte Etage des Pollux-Hochhauses sind zu einer zentralen Anlaufstelle für die internationale Startup- und FinTech-Community geworden. So sind heute bereits mehr als 80 FinTechs in Frankfurt angesiedelt. Der Abstand zu Berlin, dem deutschen Primus in Sachen Startups und FinTechs, wird kleiner.“

 

Als Folge der Finanzmarktkrise sei häufig eine Sprachlosigkeit im Verhältnis von Politik, Wissenschaft und Kreditwirtschaft beklagt worden. Am Finanzplatz Frankfurt werde aber schon seit längerer Zeit der beredte Gegenbeweis angetreten. Grüntker: „Hier treten Politik, Wissenschaft und Kreditwirtschaft gemeinsam auf, um den Finanzplatz Frankfurt nachhaltig zu stärken.“ Im konkreten Fall des Tech Quartiers verfolgen das Land Hessen, die Stadt Frankfurt, die Banking Community und die hessischen Universitäten das Ziel, die Region Frankfurt-Rhein-Main zu einem führenden FinTech Hub in Kontinentaleuropa zu entwickeln. Mit der Goethe-Universität, der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen, der TU Darmstadt sowie der Stadt Frankfurt als Träger bietet das TechQuartier ein viel versprechendes und vor allem gut funktionierendes Startup-Ökosystem.  

 

Grüntker ist daher sehr zuversichtlich, dass die Erfolgsgeschichte des TechQuartiers gerade erst begonnen hat. Und so dürfte es dann vermutlich auch sehr bald eng in diesem tollen Gebäude werden. „Auf jeden Fall freuen wir uns über die positive Entwicklung, die wir gleich von zwei Seiten gerne unterstützen: die WIBank als Träger des Tech Quartiers und die Helaba als Platinum-Partner.“  Die Erfolgsgeschichte des FinTech Zentrums wollten das Land Hessen und die Kreditwirtschaft auch auf einem anderen zukunftsweisenden Feld fortschreiben – nämlich mit dem Green and Sustainable Finance Cluster, das die Helaba seit Gründung 2017 als Platinsponsor fördert und die WIBank als Gründungsmitglied unterstützt. Erneut arbeiten alle im Interesse der Stärkung des Finanzplatzes zusammen, dieses Mal, um den Finanzsektor stärker für Klimaschutz und nachhaltiges Investment zu mobilisieren.

Grüntker: „Das nächste große Thema wird künstliche Intelligenz“ werden. Auch hier will der Finanzplatz Frankfurt an der Spitze der Entwicklung stehen. Über diese Initiative werde Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir bald hier im TechQuartier im Rahmen einer Pressekonferenz informieren. Grüntker: „Sie sehen, es tut sich einiges am Finanzplatz Frankfurt und wir sind stolz, dass wir unseren Beitrag dazu leisten können.“

Nach der Entwicklung der vergangenen Tage, wollte der Helaba-Chef auch kurz auf das Thema Brexit eingehen. Eins stehe fest: Frankfurt und damit der Wirtschaftsraum RheinMain wird vom bevorstehenden Brexit profitieren. Wie stark, darüber werde die aktuelle Finanzplatzstudie, die Frau. Traud am kommenden Montag (24.9.) der Öffentlichkeit präsentieren wird, Auskunft geben.

Grüntker: „In einer neuen Rangliste eines renommierten Londoner Analysehauses rückt Frankfurt vom zwanzigsten auf den zehnten Platz der globalen Finanzzentren vor und ist damit einer der größten Aufsteiger des Jahres. In Westeuropa belegt Frankfurt nach London und Zürich Platz drei, mit deutlichem Abstand zu Luxemburg und Paris.

Grüntker wollte auch etwas über die Digitalisierungsinitiativen seines Hauses berichten. Denn die Digitalisierung macht natürlich auch vor der Helaba nicht halt. „Wir wollen die Herausforderungen, aber vor allem die Chancen der Digitalisierung annehmen.“ Aufgabe des Projektes ist es, die Potenziale der Digitalisierung für die Helaba zu identifizieren und in konkrete Lösungen zu überführen.

„Auf der einen Seite eruieren wir Möglichkeiten zur Ertragssteigerung und setzen dabei auf Wachstumsinitiativen durch digitale Angebote. Auf der anderen Seite suchen wir nach Wegen, Prozesse effizienter zu gestalten und dadurch Kosten einzusparen,“ unterstrich der Helaba-Chef. Auch wenn die Business Cases der einzelnen Digitalisierungsprojekte unterschiedlich sind, letztendlich müssen diese eine der beiden Zielvorgaben erfüllen. Dabei versteht die Helaba Digitalisierung vor allem als einen fortlaufenden Prozess.

Welche Projekte werden zurzeit verfolgt? „Nun, da wären zunächst die Kundenportale für unsere Großkunden im Bereich Corporate Finance und im Immobilienbereich. Diese unterscheiden sich bereits in der Grundanlage von den Portalen anderer Banken. Während die meisten Portale für Firmenkunden zahlungsabwicklungsorientiert sind, sind unsere Kundenportale kreditbasiert. Beide Kundenportale verfügen über ein übersichtliches Dashboard, das Kunden eine umfassende Transparenz über den Status ihrer jeweiligen Engagements und Aktivitäten mit der Helaba ermöglicht.“

 

Die Firmenkunden erhalten einen 360-Grad Blick auf ihren Finanzstatus bei der Helaba sowie weiter gehende Informationen zu den Produkten der Bank. Für die Immobilienkunden bildet das Portal neben einer Übersicht über laufende Kreditengagements auch wesentliche Basisfunktionen für den Workflow der Neugeschäftsabwicklung ab. „Bei der Entwicklung der beiden Kundenportale haben wir uns bewusst für ein agiles Vorgehen entschieden. Das heißt, wir haben zunächst eine Basisversion an den Markt gebracht, die aber bereits einen für den Kunden beträchtlichen Mehrwert schafft.“ Auf dieser Basis entwickeln wir nun – gemeinsam mit unseren Kunden – die Portale weiter. Dieses gemeinsame Vorgehen werde übrigens von den Kunden sehr geschätzt und entspreche dem selbst gestellten Anspruch, bedarfsgerechte Lösungen für die Kunden zu bieten.

Es ist dabei nicht vorgesehen, dass alle Transaktionen zwangsläufig über das Helaba-eigene Kundenportal abgewickelt werden müssen. So kooperieren wir zum Beispiel bei der Emission von Schuldscheindarlehen mit der digitalen Plattform vc trade. Hier haben wir uns bewusst gegen eine eigenständige Lösung entschieden. Wir sind davon überzeugt, dass sich eine unabhängige Plattform in der Vermittlung von Schuldscheinen durchsetzen wird. Die Plattform übernimmt dabei die Abwicklung am FrontEnd, die weitestgehend automatisiert abläuft. Die Banken sind als Arrangeure im Prozess aber nach wie vor essentiell. Denn nur so können Emittenten von dem Netzwerk der Bank, der umfassenden Beratung und Settlement sowie letztlich einer Platzierungsgarantie profitieren.

Nicht immer sei die Nutzung von Plattformen von Drittanbietern die beste Lösung. Bei komuno – einer webbasierten Plattform zur Vermittlung von Kommunalfinanzierungen zwischen Kommunen und Bankinstituten – habe die Helaba gemeinsam mit ihrem Partner Lucht Probst Associates (LPA) auf eine Eigenentwicklung gesetzt.

 

 

Zwar gab es auch hier bereits erste Fintech-Lösungen, die aber unseren Ansprüchen nicht genügen konnten. Die Helaba ist seit Jahrzenten in der Kommunalfinanzierung aktiv und verfügt über einen fundierten Erfahrungsschatz. Und die Sparkassen-Finanzgruppe ist bezüglich der Kommunalfinanzierung mit großem Abstand Marktführer. Wir verstehen die Anliegen und Probleme der Kämmerer und können im Verbund mit den Sparkassen optimale Lösungen kreieren. Diese Kompetenz in der Kreditausgestaltung haben wir gepaart mit LPA, die wiederum bestens die Anforderungen der Sparkassen verstehen. Denn LPA ist mit dem Deutschen Sparkassen Verlag (DSV) seit 2013 auch für die Entwicklung des kommunalen Schuldenmanagement-Systems »S-Kompass« verantwortlich. Die Plattform komuno ist live, seit dem 3. September können sich Kommunen und Sparkassen registrieren. Mit ersten erfolgreichen Transaktionen rechnen wir noch in diesem Jahr.

Ich hatte eben erwähnt, dass die Sparkassen-Finanzgruppe Marktführer in der Kommunalfinanzierung ist. Und natürlich stellt sich die Frage, ob wir mit einer für alle Marktteilnehmer zur Verfügung stehenden Plattform uns selbst kannibalisieren. Diese Frage ist berechtigt. Die Antwort lautet: Bei der Digitalisierung ist Angriff die beste Verteidigung, um die eigene Marktposition zu halten und auszubauen. Und es ist unser klares Ziel, die führende Plattform für die Kommunalfinanzierung zu entwickeln.

Neben diesen bereits Marktreife erreichten Digitalisierungsprojekten haben wir „Helaba Digital“ gegründet. Helaba Digital ist unsere Beteiligungsgesellschaft für Startup-Investments. Sie fokussiert auf innovative Unternehmen, die das Thema digitale Transformation in den Bereichen Finanzdienstleistung (FinTechs), Regulatorik (RegTechs) und der Immobilienwirtschaft (PropTechs) vorantreiben. Lohnenswert sind für uns dabei Beteiligungen, die das Geschäftsmodell der Helaba Gruppe aktiv ergänzen und erweitern und/oder die Kernprozesse der Bank optimieren. Wir sind gerade dabei, nach unserem Joint Venture komuno unsere erste Direktbeteiligung an einem externen FinTech-Unternehmen unter Dach und Fach zu bringen.

 

Die Helaba ist einen guten Schritt weiter gekommen auf dem Weg zu einer Landesbank, die für die Herausforderungen der Digitalisierung gewappnet ist. GrüntkeDabei verstehen wir Digitalisierung nicht als Selbstzweck, sondern prüfen im Vorfeld sehr genau, welcher Mehrwert für die Bank und unsere Kunden entsteht. Unter dieser Maxime wird die Helaba weiter nach Lösungen suchen und sich dabei an bestehenden FinTechs beteiligen, Kooperationen eingehen oder eigenständig Angebote entwickeln. Darüber hinaus unterstützen wir das TechQuartier und beteiligen uns an Venture Fonds für FinTech-Startups und fördern damit aktiv die finanztechnische Gründerszene. Insbesondere am Standort Frankfurt.

 

Auf dem Presseempfang stellte Grüntker noch einen hervorragenden Fachmann vor: „Dr. Henning Beck, hat eine ganz eigene Sicht auf diese Themen, die er uns in seiner Key Lecture „Biologische vs. künstliche Intelligenz – Gemeinsam zu neuen Ideen“ mitteilen wird.“  Der Neurowissenschaftler, der 2012 als deutscher Meister im Science-Slam für Furore gesorgt hat und bekannt ist für seine lustigen, humorvollen aber immer auch wissensvermittelnden Vorträge hat den Abend mit seinen Gedanken wirklich sehr bereichert“.