Rolland Berger: Unsicherheiten in Politik und Konjunktur – Optimismus der Private Equity-Branche für den M&A-Markt sehr verhalten
Frankfurt/Main (26.2.19) – Die Private-Equity (PE)-Branche geht mit nur noch verhaltenen Erwartungen in das Jahr 2019; im Vergleich zu den Vorjahren nimmt der Optimismus deutlich ab. Erstmals seit mehreren Jahren erwartet fast die Hälfte (48%) der Befragten weniger M&A-Transaktionen mit PE-Beteiligung, nur noch knapp ein Drittel (31%) rechnet mit weiterem Wachstum. Sorgen um politische Unsicherheiten und die Konjunkturentwicklung sind die Hauptgründe dieser Einschätzung, so der neue „European Private Equity Outlook 2019“, für den Roland Berger europaweit PE-Experten befragt hat.
„Jahrelang waren die Optimisten bei unserer Umfrage in der Mehrheit,
doch dieses Jahr ist ihr Anteil gegenüber 2018 um 20 Prozentpunkte
eingebrochen“, sagt Sascha Haghani, Co-Geschäftsführer für die
DACH-Region und Head of Restructuring & Corporate Finance von Roland
Berger. „Hier zeigen sich deutlich die Spuren einer möglichen
Konjunkturabkühlung. Und auch die politische Lage mit ungeklärten
Handelskonflikten und dem anstehenden Brexit lässt weitere Störfeuer
erwarten.“
Allerdings zeigen sich regional deutliche Unterschiede: In Spanien,
Portugal und Skandinavien, aber auch im deutschsprachigen Raum, sehen
die PE-Experten für 2019 eine positive Entwicklung, während
Großbritannien Brexit-bedingt auf dem letzten Platz landet. Ebenfalls
rückläufige Erwartungen gibt es für Italien, Griechenland und
Frankreich wegen der lahmenden Wirtschaft.
Konstanz bei den attraktiven Branchen
Unverändert bleiben die attraktivsten Zielbranchen für
PE-Beteiligungen: Ganz oben stehen Pharma & Healthcare (72%),
Technologie & Medien (70%) sowie Business Services & Logistics (65%).
Am wenigsten attraktiv für PE ist demnach die Bauindustrie – mit nur
noch 7 Prozent der Nennungen verliert diese Branche 11 Prozentpunkte
im Vergleich zum Vorjahr. Konstanz auch bei der Größe der
Akquisitionsziele: „Nach wie vor gelten kleine und mittelständische
Unternehmen als vielversprechende Ziele“, erläutert Christof Huth,
Leiter der Practice Investor Support DACH bei Roland Berger. „Große
Deals werden für das kommende Jahr eher selten erwartet.“
Ein zentraler Fokus für die PE-Branche ist 2019 die Weiterentwicklung
der erworbenen Unternehmen: 32 Prozent der Befragten (+10 ggü. 2018)
nennen dies als erste Priorität. „Die Wetterfestigkeit gegenüber
konjunkturellen Schwankungen gerät angesichts der zunehmenden
Unsicherheiten wieder stärker in den Blick“, sagt Roland
Berger-Partner Sven Kleindienst. „Zudem wollen PE-Gesellschaften
durch weitere Zukäufe und den Ausbau von Kompetenzen im Bereich
Digitalisierung und Industrie 4.0 den Wert ihrer Portfoliounternehmen
steigern.“
Bei den Unternehmensbewertungen erwarten die befragten PE-Experten
einen leichten Rückgang, ausgehend von dem aktuell noch sehr hohen
Niveau. „Zwar haben wir nach wie vor ein sehr niedriges Zinsniveau,
aber die höheren Unsicherheiten können sich bald auch bei den
Bewertungen bemerkbar machen“, so Roland Berger-PE-Experte Thorsten
Groth.
Roland Berger: Wettbewerbsdruck durch chinesische Investoren nimmt ab
Ein Thema, das in den vergangenen Jahren nicht nur die PE-Branche
beschäftigte, waren chinesische Investoren, die auf den europäischen
M&A-Markt drängen. Hier zeigt die Studie eine gewisse Normalisierung:
Erwarteten 2018 noch 42 Prozent der Umfrageteilnehmer eine weitere
Zunahme des Wettbewerbs durch strategische Interessenten oder
Finanzinvestoren aus China, sind es aktuell nur noch 28 Prozent.
„Die meisten gehen davon aus, dass sich das Niveau des Wettbewerbs
aus China jetzt eingependelt hat“, sagt Christof Huth „Hier sehen wir
einerseits, dass die chinesischen Investoren zunehmend wählerisch
werden und nicht mehr in jeder Branche gleich zugreifen,
andererseits, dass auch europäische Regierungen kürzlich einige
Hürden eingezogen haben.“

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