IHS Markit Flash EMI Deutschland: Talfahrt der deutschen Wirtschaft setzt sich im Oktober fort, erster Beschäftigungsrückgang seit sechs Jahren
Frankfurt/Main (28.10.19) – Die Talfahrt der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober fortgesetzt. Dies signalisiert der IHS Markit Flash Deutschland Composite Index Produktion, der mit aktuell 48,6 Punkten nach 48,5 im Vormonat den zweiten Monat in Folge unter der neutralen Wachstumsmarke von 50 Punkten notiert. Überdies sank die Beschäftigung erstmals seit sechs Jahren wieder.
Der IHS Markit Flash PMI für die Industrie verbesserte sich gegenüber dem tiefsten Wert seit
zehn Jahren im September zwar leicht um 0,2 Punkte, er blieb mit 41,9 Punkten jedoch tief im rezessiven Bereich. Während sich die Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang leicht abschwächten, beschleunigten sich der Stellen-abbau und der Rückgang der Einkaufsmenge gleichermaßen, und die Lieferzeiten verkürzten sich ein weiteres Mal deutlich.
Auch der Servicesektor verlor abermals an Fahrt und vermeldete das schwächste Geschäfts-wachstum seit über drei Jahren. Ausschlaggebend hierfür war, dass der zweite Auftragsrückgang in Folge so stark ausfiel wie zuletzt im Juni 2013. Da die Auftragseinbußen in der Industrie trotz leichter Abschwächung jedoch abermals gravierend waren, wies der Index für den Gesamt-Auftragseingang zum fünften Mal innerhalb der letzten sechs Monate ein Minus aus.
Die Exportneuaufträge sanken den 14. Monat in Folge, hauptsächlich wegen der hohen Verluste in der Industrie, wenngleich diese sich gegenüber den drei Vormonaten leicht verringerten. Gleichzeitig verbuchten die Dienstleister den stärksten Exportrückgang seit Beginn der Erhebung dieser Daten im September 2014.
Die Beschäftigung nahm erstmals seit sechs Jahren wieder insgesamt leicht ab. Verantwortlich hierfür war in erster Linie die Industrie, wo per Saldo so viele Stellen abgebaut wurden wie zuletzt vor knapp zehn Jahren, insbesondere Zeitarbeitskräfte und Leiharbeiter. Im Service- Sektor wurde zudem der niedrigste Jobaufbau seit dreieinhalb Jahren verzeichnet.
Darüber hinaus fiel der 12. Rückgang der Auftragsbestände so stark aus wie seit knapp sieben Jahren nicht mehr, was unter anderem daran lag, dass der Kapazitätsdruck weiter nachgelassen hat und sich der Ausblick stärker eintrübte.
Der Index Geschäftsaussichten binnen Jahres-frist sank auf den tiefsten Wert seit November 2012. Zurückzuführen war die Verschlechterung diesmal vor allem auf den Servicesektor, wo der Anteil der Pessimisten erstmals seit knapp sieben Jahren den Anteil der Optimisten übertraf. In der Industrie blieb der Ausblick zwar rabenschwarz, der entsprechende Index verbesserte sich gegenüber August jedoch leicht und erreichte den höchsten Wert seit Juni.
Der Inflationsdruck ließ indes weiter nach. So wurden die Verkaufs- bzw. Angebotspreise insgesamt mit der niedrigsten Rate seit über drei Jahren angehoben. In der Industrie sanken die Verkaufspreise so rasant wie zuletzt vor knapp zehn Jahren, die Dienstleister hoben ihre Angebotspreise mit der niedrigsten Rate seit Juli 2017 an.
Die Einkaufspreise stiegen insgesamt so langsam wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren, was jedoch auseinanderlaufende Trends auf Sektorenebene kaschiert. Während die Kosten im Servicesektor infolge höherer Lohn,- Energie- und Benzinpreise abermals stark zulegten, verzeichneten die Industrieunternehmen infolge verbreitet sinkender Rohstoffpreise den stärksten Rückgang der Einkaufspreise seit März 2016.
Kommentar:
Phil Smith, Principal Economist bei IHS Markit und Autor des Flash-PMI, kommentiert:
„Mit den heutigen Oktober-Flashes haben sich die Hoffnungen auf eine Rückkehr Deutschlands auf den Wachstumspfad im vierten Quartal 2019 endgültig verflüchtigt, zeigen sie doch, dass sich die Talfahrt der größten Volkswirtschaft der Eurozone vor dem Hintergrund der hartnäckigen Nachfrageflaute fortgesetzt hat.
Sorgenkind Nummer eins blieb der Industriesektor, wenngleich sich die Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang leicht abgeschwächt haben und der Ausblick auf ein Vier-Monatshoch gestiegen ist.
Erschwerend kommt hinzu, dass die heimische Wirtschaft offensichtlich zunehmend unter Druck gerät. So vermeldete der Servicesektor das schwächste Geschäftswachstum seit September 2016, und die Beschäftigung ist erstmals seit sechs Jahren wieder gesunken.“

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