Allianz: China wird zum Schlüsselspieler

im Bereich Insurtech

München (11.12.19) – Die Allianz hat heute eine Studie zu den Perspektiven der chinesischen Insurtech-Industrie veröffentlicht. Chinas Wachstum im Versicherungsmarkt war in der Vergangenheit schlicht atemberaubend: Über die letzte Dekade, seit der Finanzkrise, haben sich die Prämieneinnahmen nahezu vervierfacht. Chinas Versicherungsmarkt ist heute bereits die Nummer 2 weltweit bei den Prämieneinnahmen. Am Ende der nächsten Dekade dürfte er zur Nummer 1 aufgestiegen sein.

„Traditionelle Vertriebswege bilden noch immer den Kern der chinesischen Versicherungsindustrie, insbesondere bei personenbezogenen Versicherungen, bei denen Vertreter und Banken mit mehr als 90% dominieren. Aber der Vertrieb übers Internet wächst sehr schnell und die Anbieter investieren massiv in neue Technologien zum Aufbau automatisierter Plattformen. China hat das Potenzial zum Schlüsselspieler im Bereich von Insurtech aufzusteigen“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Allianz.

 

Größe ist entscheidend. Aber Innovationen sind noch wichtiger. China ist über die letzten Jahre zu einer der innovativsten und wettbewerbsfähigsten Ökonomien geworden. Faktoren wie mobile Infrastruktur, Datenverfügbarkeit, Technologieaffinität and Regulierung schufen ein positives Umfeld für das Entstehen neuer Industrien. Die Größe des Marktes erlaubte es dabei den Unternehmen, neue Angebote schnell zu skalieren und unterstützte „autarke“ chinesische Innovationen. Anstelle von Silicon-Valley-Klonen wurden neue Geschäftsmodelle für den chinesischen Markt entwickelt. (Vorläufiger) Höhepunkt dieser Entwicklung sind die großen Ökosysteme oder Plattform, die Kunden ein weites Spektrum an Produkten und Dienstleistungen anbieten, einschließlich Finanzen. Dieser Wandel wird nicht zuletzt getrieben durch die hohen Summen, die in chinesische Technologiefirmen fließen.

 

Die Entwicklung von Insurtech in China unterstreicht dies. Die Finanzierungslücke zwischen den USA und China ist über die Jahre immer kleiner geworden. Während US Insurtechs 2018 insgesamt EUR 5,8 Mrd. an Mitteln aufnahmen, kamen ihre chinesischen Pendants auf EUR 4,1 Mrd. – mehr als viermal so viel wie in Europa. Diese Summe ist umso erstaunlicher, wenn sie mit Größe des chinesischen Insurtech-Markts in Relation gesetzt wird: Nur 7% der untersuchten Firmen sind in China ansässig, gegenüber 55% in den USA und 38% in Europa. Die Konsequenz: Die durchschnittliche Finanzierung pro Unternehmen ist deutlich höher in China als anderswo: EUR 113 Millionen gegenüber EUR 20 Millionen in den USA und nur EUR 5,2 Millionen in Europa. Auch wenn diese Zahlen durch einige Mega-Finanzierungsrunden verzerrt sind, belegen sie doch das Bild einer chinesischen Insurtech-Landschaft, die stark konzentriert und üppig finanziert ist.

 

Der Ansatz der Investoren hat sich verändert: Von einer Strategie der weiten Streuung hin zu einem fokussierten Ansatz. 2015 erhielten nur vier Unternehmen mehr als EUR 88 Millionen (oder USD 100 Millionen); 2018 waren es bereits 13 Unternehmen. Allmählich kristallisiert sich ein Marktkonsens heraus, da Investoren heute besser verstehen, in welche Richtung der Markt sich entwickeln wird. Dieser Trend ist nicht nur positiv für Insurtech-Unternehmen, sondern auch für ausländische Investoren – da China gerade dabei ist, die Öffnung seines Finanzmarkts zu beschleunigen.

 

“China wird eine essentielle Rolle in der Versicherungswelt der Plattformökonomie spielen. Technikaffine chinesische Konsumenten sind eine Goldgrube für Insurtech-Unternehmen: neue, digitale Vertriebswege und -produkte werden exponentielles Wachstum erleben. Die großen globalen Versicherungsunternehmen können sich in diese boomende Sphäre aus Versicherung und Technologie einklinken. Mehr strategische Partnerschaften und Ko-Investitionen zwischen chinesischen und ausländischen Versicherern erscheinen als die logische Konsequenz aus dieser Win-Win-Situation“, sagte Nazim Cetin, CEO von Allianz X.