Ernst & Young: Neue Lockdowns führen zu erneutem Einbruch auf dem Neuwagenmarkt
Frankfurt/Main (17.12.20) – Der Trend auf dem europäischen Neuwagenmarkt zeigt klar nach unten: Die Pkw-Neuzulassungen sanken im November um 12 Prozent (Oktober: minus acht Prozent), im bisherigen Jahresverlauf gingen sie damit um 26 Prozent zurück. Der Negativtrend war fast flächendeckend – alle großen Märkte verzeichneten ein Minuswachstum. Peter Fuß, Partner bei EY rechnet mit einem sehr schwachen Jahresausklang: „Der Dezember wird aufgrund der teils harten Lockdown-Maßnahmen in zahlreichen großen Märkten noch deutlich schwächer werden als der November.“
„Die Entwicklung auf dem Neuwagenmarkt ist besorgniserregend“, stellt Fuß fest. „In der EU werden in diesem Jahr wohl etwa ein Drittel weniger Neuwagen verkauft als 2019. Und die aktuelle Entwicklung der Infektionszahlen lässt für das Frühjahr 2021 nichts Gutes erwarten. Geschlossene Autohäuser, Ausgangssperren, ein erneuter Konjunktureinbruch: Das alles stellt eine neue existenzielle Belastungsprobe nicht nur für die Automobilindustrie, sondern gerade auch für den Autohandel dar. Die kommenden Monate werden enorm hart für die Branche.“
Elektrifizierte Antriebe boomen weiter
Aber es gibt auch gute Nachrichten: Staatliche Unterstützungen beim Kauf elektrifizierter Fahrzeuge und ein immer attraktiveres Modellangebot führen dazu, dass elektrifizierte Pkw boomen wie nie zuvor.
Im November hatte jeder siebte Neuwagen in den größten fünf Märkten in Westeuropa (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) einen elektrifizierten Antrieb, der Marktanteil kletterte damit auf den Rekordwert von 14,6 Prozent – nach 11,5 Prozent im Oktober und 10,6 Prozent im September und gerade einmal 3,3 Prozent im November 2019. In Deutschland war im November sogar jeder fünfte neu zugelassene Pkw entweder ein Elektroauto oder ein Plug-in-Hybrid – was ebenfalls ein Rekordwert ist.
„Die Nachfrage nach elektrifizierten Neuwagen ist – nicht zuletzt dank der großzügigen staatlichen Unterstützung – in den vergangenen Monaten massiv gestiegen, der Anteil elektrischer Antriebe am Neuwagenmarkt hat sich binnen eines Jahres mehr als vervierfacht. Die Hersteller können die Nachfrage kaum bedienen“, beobachtet Fuß. „Die Lieferzeiten sind zum Teil sehr lang.“
Insgesamt kletterte der Absatz reiner Elektroautos im November in den Top-5-Märkten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 285 Prozent – der Absatz hat sich also fast vervierfacht. Die höchsten Zuwachsraten gab es in Deutschland (plus 523 Prozent) und Italien (plus 350 Prozent).
Bei Plug-in-Hybriden fiel das Wachstum sogar noch kräftiger aus: Um 273 Prozent legten die Neuzulassungen in den Top-5-Märkten zu. Italien (plus 403 Prozent) und Deutschland (plus 383 Prozent) meldeten die höchsten Wachstumsraten.
Die höchsten Marktanteile erzielten reine Elektroautos im November in Deutschland (10,0 Prozent) und Großbritannien (9,1 Prozent). Plug-in-Hybride waren vor allem in Deutschland (Marktanteil: 10,6 Prozent) und Frankreich (7,1 Prozent) populär.
Der aktuelle Elektro-Boom wird vorerst anhalten – sofern ein Verkauf bzw. eine Neuzulassung von Neuwagen überhaupt möglich ist –, ist sich Fuß sicher. „Es gibt erhebliche staatliche Unterstützungen beim Kauf von Elektroautos und Plug-in-Hybriden. Das kurbelt die Nachfrage an. Gerade für Dienstwagenfahrer in Deutschland sind Plug-in-Hybride und Elektroautos dank der günstigeren 0,5%- bzw. 0,25%-Regelung bei der Lohnversteuerung des geldwerten Vorteils hochinteressant – was den Markterfolg hierzulande zu einem großen Teil erklären dürfte.“
Den Herstellern komme das starke Absatzplus bei elektrifizierten Neuwagen sehr gelegen, da sie unter erheblichem Druck stehen, viele elektrifizierte Neuwagen an die Käufer zu bringen, um ihre CO2-Ziele zu erreichen, so Fuß. „Gerade Plug-in-Hybride entwickeln sich derzeit zum Verkaufsschlager, weil sie nicht nur in vielen Märkten großzügig gefördert werden, sondern zudem den entscheidenden Vorteil haben, dass die Reichweite kein Problem darstellt.“
Während elektrifizierte Antriebe boomen, gerät derzeit vor allem der klassische Otto-Motor unter Druck. So sank im November der Absatz von Neuwagen mit Benzin-Motor in den Top-5-Märkten um 35 Prozent, die Zahl der neu zugelassenen Neuwagen mit Diesel-Motor sank hingegen „nur“ um 30 Prozent, womit sich der Trend der Vormonate fortsetzte. Reine Verbrenner kamen im November auf einen gemeinsamen Marktanteil von 66 Prozent – nach 87 Prozent im Vorjahresmonat.

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