Deutsche Bundesbank:

Risikovorsorge erhöht

Die Wag­nis­rück­stel­lung wurde um 2,4 Mil­li­ar­den Euro auf 18,8 Mil­li­ar­den Euro auf­ge­stockt, weil die mo­dell­ge­stütz­te Be­wer­tung der Ri­si­ken einen er­heb­li­chen An­stieg an­zeig­te. Ins­be­son­de­re die Zins­än­de­rungs­ri­si­ken und die Aus­fall­ri­si­ken im geld­po­li­ti­schen Port­fo­lio nah­men zu. „Damit wird der An­stieg der Ri­si­ken im ver­gan­ge­nen Jahr aber nur zu einem Teil ab­ge­deckt“, er­läu­ter­te der Bun­des­bank­prä­si­dent. „Für das lau­fen­de Jahr er­war­ten wir daher eine wei­te­re Auf­sto­ckung der Wag­nis­rück­stel­lung, zumal mit einer grund­le­gen­den Än­de­rung der Ri­si­ko­la­ge nicht zu rech­nen ist“, er­gänz­te Weid­mann.

Neben der Ri­si­ko­vor­sor­ge wurde das Jah­res­er­geb­nis 2020 vor allem durch ge­stie­ge­ne Zins­auf­wen­dun­gen und zu­rück­ge­gan­ge­ne Zins­er­trä­ge be­ein­flusst. Die Bun­des­bank muss­te mehr Zins­auf­wen­dun­gen leis­ten, weil sich die Kre­dit­in­sti­tu­te im Zuge der Not­fall­maß­nah­men güns­ti­ger bei ihr re­fi­nan­zie­ren konn­ten und diese Re­fi­nan­zie­rung stär­ker in An­spruch nah­men. Gleich­zei­tig san­ken die Zins­er­trä­ge, weil die Er­trä­ge aus den geld­po­li­ti­schen Wert­pa­pier­be­stän­den und den De­vi­sen zu­rück­gin­gen und die hö­he­ren Er­trä­ge aus der Ne­ga­tiv­ver­zin­sung der Ein­la­gen die­sen Rück­gang nicht aus­gli­chen.

Bi­lanz­sum­me er­heb­lich aus­ge­wei­tet

Als Aus­druck der geld­po­li­ti­schen Stüt­zungs­maß­nah­men und der all­ge­mei­nen Un­si­cher­heit in der Co­ro­na-Pan­de­mie wei­te­te sich die Bi­lanz­sum­me der Bun­des­bank im ver­gan­ge­nen Jahr um 42 Pro­zent aus. „Nicht nur die Wachs­tums­ge­schwin­dig­keit ist re­kord­ver­däch­tig, auch liegt die Bi­lanz­sum­me mit 2,53 Bil­lio­nen Euro deut­lich über dem bis­he­ri­gen Höchst­stand des Jah­res 2018 von 1,84 Bil­lio­nen Euro“, sagte Jo­han­nes Beer­mann, Mit­glied im Vor­stand der Deut­schen Bun­des­bank und zu­stän­dig für Rech­nungs­we­sen und Con­trol­ling.

Auf der Ak­tiv­sei­te tru­gen be­son­ders die län­ger­fris­ti­gen Re­fi­nan­zie­rungs­ge­schäf­te und das Not­fall­an­kauf­pro­gramm PEPP zum An­stieg der Bi­lanz­sum­me bei. Hinzu kamen die Li­qui­di­täts­zu­flüs­se aus dem eu­ro­päi­schen Aus­land, wo­durch die TARGET2-For­de­rung ge­gen­über der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank erst­mals die Marke von einer Bil­li­on Euro über­schritt und zum Jah­res­en­de bei 1,14 Bil­lio­nen Euro lag. Auf der Pas­siv­sei­te der Bi­lanz kam es im ver­gan­ge­nen Jahr durch die in­län­di­sche Li­qui­di­täts­be­reit­stel­lung über die Re­fi­nan­zie­rungs­ge­schäf­te und Wert­pa­pier­an­käu­fe sowie durch Li­qui­di­täts­zu­flüs­se aus dem Aus­land zu einem deut­li­chen An­stieg der Ein­la­gen.

Kon­junk­tur und In­fla­ti­ons­aus­blick

Die Bun­des­bank rech­net auf­grund der zwei­ten In­fek­ti­ons­wel­le und der Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Pan­de­mie mit einem Rück­schlag der ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ak­ti­vi­tät in Deutsch­land im lau­fen­den Quar­tal. Er dürf­te je­doch er­heb­lich schwä­cher aus­fal­len als der Wirt­schafts­ein­bruch in der ers­ten Jah­res­hälf­te 2020. So­bald an­ge­ord­ne­te und frei­wil­li­ge Schutz­maß­nah­men Stück um Stück ge­lo­ckert wür­den, könne die deut­sche Wirt­schaft ihre Er­ho­lung wie­der­auf­neh­men. Bun­des­bank­prä­si­dent Weid­mann be­ton­te, wie wich­tig der wei­te­re Ver­lauf der Pan­de­mie für die Wirt­schafts­aus­sich­ten sei: „Ef­fek­ti­ve Impf­stof­fe sind ra­scher ent­wi­ckelt wor­den als viel­fach er­war­tet wurde. Wenn es mit ihrer Hilfe ge­lingt, die Pan­de­mie in den Griff zu be­kom­men, wird sich die deut­sche Wirt­schaft dau­er­haft er­ho­len.“

Al­ler­dings, so Weid­mann, blei­be der Aus­blick in hohem Maße un­si­cher. Ein sehr star­ker Nach­fra­ge­schub, der die Ka­pa­zi­tä­ten in der deut­schen Wirt­schaft in die­sem Jahr über das Nor­mal­maß hin­aus aus­las­ten würde, er­schei­ne ge­gen­wär­tig un­wahr­schein­lich. Son­der­fak­to­ren dürf­ten dazu füh­ren, dass die In­fla­ti­ons­ra­te in Deutsch­land gemäß HVPI – aus heu­ti­ger Sicht – zum Jah­res­en­de hin auf über 3 Pro­zent stei­gen werde, al­ler­dings nur vor­über­ge­hend. „Des­halb rech­nen un­se­re Fach­leu­te für den Jah­res­durch­schnitt 2021 der­zeit mit einer Rate, die nur etwas über ihrer De­zem­ber-Pro­gno­se von 1,8 Pro­zent liegt“, sagte Weid­mann.

Rolle der No­ten­ban­ken beim Kli­ma­schutz

Den Kli­ma­schutz be­zeich­ne­te der Bun­des­bank­prä­si­dent als eine der dring­lichs­ten Auf­ga­ben un­se­rer Zeit, die kei­nen Auf­schub dulde. Dabei soll­te dar­auf ge­ach­tet wer­den, die Ver­ant­wort­lich­kei­ten zwi­schen den No­ten­ban­ken und der Po­li­tik nicht zu ver­wi­schen. Aus Weid­manns Sicht soll­te für die No­ten­ban­ken im Vor­der­grund ste­hen, die Aus­wir­kun­gen von Kli­ma­wan­del und Kli­ma­po­li­tik um­fas­send zu ver­ste­hen, fi­nan­zi­el­le Ri­si­ken zu be­rück­sich­ti­gen und Trans­pa­renz dar­über zu för­dern.