Ernst & Young: Halbleiterkrise bremst Neuwagenmarkt – deutlicher Rückgang in allen großen EU-Märkten

 Frankfurt (16.9.21) – Der EU-Neuwagenmarkt schrumpfte im August um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, gegenüber August 2019 ergab sich sogar ein Rückgang um 34 Prozent. Die meisten großen Märkte lagen im August – teils deutlich – im Minus. Besonders starke Einbußen verzeichneten Spanien (-29 Prozent), Italien (-27%) und Deutschland (-23 Prozent). Im bisherigen Jahresverlauf liegt der Absatz zwar deutlich über dem Wert des Vorjahres – um 11 Prozent –, aber um 24 Prozent unter dem Niveau von 2019.

„Der Chipmangel bremst die Erholung des Neuwagenmarktes in Europa. Das Vorkrisenniveau bleibt in weiter Ferne, da es bei den Herstellern aufgrund fehlender Bauteile teils zu massiven Produktionsausfällen kommt. Die Nachfrage ist zwar groß, aber die Industrie ist derzeit nicht in der Lage, sie vollständig zu bedienen“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Der Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten für Halbleiter dauert etwa zwei Jahre, daher wird das Thema die Branche noch lange beschäftigen, auch wenn Hoffnung besteht, dass die akute Krise Ende dieses Jahres ausgestanden sein wird.“ Grundsätzlich seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ohnehin nicht schlecht, so Fuß: „Die Konjunktur ist robust, neue Lockdowns erscheinen unwahrscheinlich, der aufgestaute Nachholbedarf ist erheblich.“

Die Halbleiterkrise habe einerseits lange Lieferzeiten und einen relativ niedrigen Neuwagenabsatz zur Folge, so Fuß. Andererseits gelinge es den Herstellern in diesem Umfeld derzeit relativ gut, höhere Preise durchzusetzen. „Die Hersteller versuchen, auf den Halbleitermangel zu reagieren, indem sie den Modellmix anpassen und bei der Preisdurchsetzung kaum noch Kompromisse eingehen. Für Schnäppchenjäger ist das aktuelle Umfeld also eher ungünstig.“

Elektro-Boom hält an, Marktanteil verdoppelt. Der Marktanteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden betrug in den fünf größten Märkten Westeuropas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) im August 20,3 Prozent und erreichte damit ein neues Rekordniveau. Zum Vergleich: Im August 2020 Im kamen Elektroautos und Plug-in-Hybride zusammen auf einen Marktanteil von 9,8 Prozent.

Deutschland wies im August erneut mit 27,6 Prozent den höchsten Marktanteil unter den Top-5-Märkten auf, gefolgt von Frankreich (19,8 Prozent) und Großbritannien (18,3 Prozent). In Spanien waren hingegen im August nur 8,4 Prozent der Neuwagen Plug-in-Hybride oder Elektroautos.

„Die Nachfrage nach Elektroautos und Plug-in-Hybriden ist anhaltend hoch – nicht zuletzt dank Kaufprämien und Steuervorteilen“, beobachtet Fuß. Auf allen größeren Märkten sei ein beachtliches Wachstum zu beobachten, der deutsche Markt spiele aber eine immer größere Rolle: „Für die Autokonzerne gewinnt der deutsche Markt im weiter an Bedeutung – gerade bei höherpreisigen Elektroautos, die sich in Deutschland besonders gut verkaufen.“ Fuß rechnet damit, dass das Absatzwachstum bei elektrifizierten Neuwagen in den kommenden Monaten nochmal an Kraft gewinnt: „Die Hersteller erweitern ihr Portfolio an Elektroautos und Plug-in-Hybriden weiter, in allen Preissegmenten kommen neue attraktive Modelle auf den Markt, die auch beim wichtigen Reichweitenthema stetig besser werden. Das wird die Nachfrage weiter anheizen, zumal auch die Sichtbarkeit von Elektroautos im Straßenverkehr stetig zunimmt: Elektroautos haben längst ihren Exotenstatus verloren.“

Bei reinen Elektroautos beträgt der Marktanteil derzeit in Deutschland 14,9 Prozent, in den Top-5-Märkten liegt er insgesamt bei 11,0 Prozent. Auch Plug-in-Hybride sind in Deutschland überdurchschnittlich beliebt: Ihr Marktanteil liegt in Deutschland bei 12,7 Prozent, in den Top-5-Märkten bei 9,3 Prozent.

Der Zuwachs bei elektrifizierten Neuwagen geht auf Kosten des Marktanteils reiner Verbrenner (Benzin und Diesel). Vor allem der Dieselantrieb verliert enorm an Bedeutung: Nur noch Im August waren nur noch 17,4 Prozent aller Neuwagen Selbstzünder – vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 28,8 Prozent, im August 2019 bei 30,4 Prozent. „Wenn die Entwicklung der vergangenen Monate anhält, werden bereits im kommenden Jahr in Westeuropa mehr Elektroautos als Diesel-Pkw verkauft“, prognostiziert Fuß.