Autoindustrie/VDIK und Ernst & Young EY:
Neuzulassungen steigen im Mai deutlich
Bad Homburg/Frankfurt/Main (5.6.23) – Der deutsche Pkw-Markt legte im Mai um 19 Prozent zu. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden 247.000 Pkw neu zugelassen. Seit Jahresbeginn wurden bisher insgesamt 1.116.700 Pkw neu zugelassen. Damit steigt das Zulassungsplus nach fünf Monaten im laufenden Jahr auf 10 Prozent.
Reinhard Zirpel, Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), sagte: „Der deutsche Pkw-Markt entwickelt sich 2023 bisher im Rahmen unserer Erwartung. Allein das ist erfreulich, weil in den vergangenen drei Jahren Prognosen aufgrund der hohen Volatilität oftmals nicht lange hielten. In den ersten fünf Monaten hat sich der deutsche Pkw-Markt erwartungsgemäß leicht erholt. Unsere Prognose für das Gesamtjahr bleibt damit intakt. Der VDIK erwartet bis Jahresende rund 2,75 Millionen neue Pkw. Trotz eines erneut zweistelligen Wachstums bleibt das Marktvolumen auch im Mai deutlich hinter dem langjährigen Durchschnitt zurück.“
Im Mai wurden 42.800 reine Elektro-Pkw neu zugelassen, das entspricht einem Plus von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Bei den Plug-In-Hybriden hält die Talfahrt nach dem Ende der Förderung durch den Umweltbonus hingegen weiter an. Im Mai wurden nur noch 13.800 Plug-In-Hybride abgesetzt, 41 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Das bedeutet, dass im Mai rund dreimal so viele reine Stromer wie Plug-In-Hybride neu zugelassen wurden.
Der Zuwachs im Gesamtmarkt ist vor allem auf die positive Entwicklung bei den gewerblichen Zulassungen zurückzuführen, die im Mai um 29 Prozent zulegten.
Reinhard Zirpel: „Grund zur Sorge bereitet der Privatmarkt, der sich deutlich schwächer als der Gesamtmarkt entwickelt und nur ein Plus von 3 Prozent verzeichnete.“ Der Anteil der Privatzulassungen am Gesamtmarkt lag im Mai bei nur 31,5 Prozent (Vorjahresmonat: 36,5 Prozent).
Der Nutzfahrzeugmarkt blieb im Mai mit einem Plus von 26 Prozent, das entspricht 30.700 Neuzulassungen, ebenfalls auf Wachstumskurs. In den ersten fünf Monaten 2023 wurde ein Zuwachs von 16 Prozent erreicht. Im Unterschied zum Pkw-Markt liegt das aktuelle Neuzulassungsniveau damit weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt.
Die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Neuwagenmarkt im Mai 2023:
- Der Aufwärtstrend hält an: Im Mai wurden laut KBA in Deutschland erneut deutlich mehr Pkw neu zugelassen als im Vorjahresmonat – um 19 Prozent stiegen die Neuzulassungen gegenüber Mai 2022.
- Das Vorkrisenniveau bleibt dennoch in weiter Ferne: Trotz des starken Wachstums lag der Absatz um 26 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von Mai 2019.
- „Es geht weiter aufwärts auf dem Neuwagenmarkt, der Aufschwung ist robust und erstreckt sich auf alle relevanten Antriebsformen, also Verbrenner wie Elektroautos“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. Rückläufig waren nur die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden, die bereits in den Vormonaten stark gesunken waren.
- Der Aufwärtstrend auf dem Neuwagenmarkt dürfte vorläufig anhalten, erwartet Fuß: „Der Chipmangel verliert an Bedeutung, die Produktion kann weiter hochgefahren werden. Damit verbessert sich auch die Liefersituation. Und dank eines komfortablen Auftragspolsters und eines erheblichen Nachholbedarfs nach mehreren Jahren mit ungewöhnlich niedrigen Neuzulassungen wird es auch in den kommenden Monaten aufwärts gehen.“ Fuß weist darauf hin, dass in den drei Krisenjahren 2020 bis 2022 insgesamt etwa 2,3 Millionen Neuwagen weniger verkauft wurden als in den drei vorangegangenen Jahren: „Der Nachholbedarf ist enorm und wird für eine zusätzliche Dynamik auf dem deutschen Automarkt sorgen.“
- Allerdings rechnet Fuß damit, dass es aufgrund der schwierigen Konjunkturlage bei den Neuwagenbestellungen einen Dämpfer geben werde, der mit einer gewissen Verzögerung auch zu sinkenden Neuzulassungen führen werde: „Die schwache Konjunkturentwicklung, die hohe Inflation und wenig attraktive Finanzierungsmöglichkeiten führen zu Kaufzurückhaltung. Das wird den aktuellen Aufwärtstrend abbremsen.“ Dann dürften auch Rabatte wieder eine größere Rolle spielen, meint Fuß: „Wenn die Produktion wieder auf Hochtouren läuft, aber die Käufer ausbleiben, werden wir wieder in deutlich größerem Umfang Rabatte sehen.“
- Für das Gesamtjahr 2023 rechnet Fuß mit einem Wachstum des deutschen Neuwagenmarktes um etwa Prozent – damit wird der Absatz aber weiterhin deutlich unter dem Niveau des Jahres 2019 liegen. „Die Lücke wird im laufenden Jahr noch größer werden, der Nachholbedarf wird weiter steigen.“
- Elektroautos legen kräftig zu: Der Absatz von Elektroautos (BEV) stieg im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 47 Prozent, der Marktanteil kletterte von 14,1 auf 17,3 Prozent und erreicht damit den höchsten Stand seit Dezember vergangenen Jahres.
- Fuß: „Der Markt für Elektroautos hat sich nun endgültig von der Delle erholt, die zum Jahresbeginn entstanden war, nachdem es in den letzten Monaten des Vorjahres wegen der bevorstehenden Reduzierung der Förderung zu einem regelrechten Ansturm auf Elektroautos gekommen war. Jetzt sehen wir wieder ein deutliches Absatzwachstum. Allerdings stehen neue Fristen bevor: Ab September gibt es keine Förderung mehr für gewerbliche Käufer, zum Jahreswechsel schrumpft zudem die Fördersumme erneut. Die Hoffnung ist, dass der Elektroautomarkt bald auf eigenen Beinen stehen kann und nicht mehr auf staatliche Förderung angewiesen ist. Diese Hoffnung könnte sich aber als verfrüht erweisen. Denn die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass zumindest derzeit noch staatliche Subventionen einen erheblichen Anteil am Erfolg von E-Autos haben – wo wenig gefördert wird, bleibt der Absatz sehr gering. Für Deutschland heißt das: Zum Jahresende werden wir wohl wieder einen Boom sehen, Anfang des kommenden Jahres erneut einen Einbruch der Elektro-Neuzulassungen.“
- Während es derzeit bei Elektroautos kräftig aufwärts geht, zeigen die Absatzzahlen von Plug-in-Hybriden in die andere Richtung: Die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden schrumpften im Mai um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Marktanteil dieser Antriebsart hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 11,2 auf 5,6 Prozent halbiert.
- Benzin- und Dieselneuwagen legten in Summe gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent zu – in absoluten Zahlen stiegen die Verkäufe von Benzinern und Selbstzündern im Mai gegenüber dem Vorjahreszeitraum um etwa 14.600 Einheiten. Zum Vergleich: Der Absatz von Elektroautos stieg nur um knapp 13.600 Einheiten. Elektrifizierte Fahrzeuge – also Elektroautos und Plug-in-Hybride zusammen – kletterten um acht Prozent bzw. etwa 4.200 Einheiten. Der Marktanteil elektrifizierter Neuwagen sank von 25,3 auf 22,9 auf Prozent.
- „Trotz der hohen Zuwachsraten bei Elektroautos müssen wir weiterhin festhalten: Die große Mehrheit der Neuwagenkäufer greift zu Verbrennern. Und die derzeit positive Marktentwicklung ist keineswegs in erster Linie auf den Elektro-Boom zurückzuführen. Auch Verbrenner verkaufen sich derzeit besser als im letzten Jahr – eine echte Trendwende hin zu Elektroautos ist derzeit nicht zu erkennen. Gegen den Kauf eines Elektroautos sprechen aus Sicht vieler Kunden nach wie vor der hohe Preis, die teils unzureichende Ladeinfrastruktur und die ungenügenden Reichweiten.“
- Blick ins Ausland: Zumeist starkes Wachstum. Auch in den anderen größeren westeuropäischen Märkten stiegen die Neuzulassungen im vergangenen Monat deutlich. In den meisten Ländern wurde aber erneut das Vorkrisenniveau deutlich verfehlt.
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Entwicklung der Pkw Neuzulassungen in ausgewählten westeuropäischen Ländern im Mai 2023 |
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| Irland |
+43% |
| Italien |
+23% |
| Österreich |
+21% |
| Deutschland |
+19% |
| Schweiz |
+17% |
| Frankreich |
+15% |
| Spanien |
+8% |
| Schweden |
+6% |
| Dänemark |
+4% |

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