Ernst & Young EY:

EU-Neuwagenmarkt im Jahr 2023  – 2,5 Millionen weniger verkaufte Pkw als 2019 – auch 2024 keine Erholung

Stuttgart (18.1.24) – Der EU-Neuwagenmarkt hat das Jahr 2023 im Dezember mit dem ersten Minus seit 16 Monaten abgeschlossen: im Dezember ging es um drei Prozent nach unten, im Gesamtjahr wuchs der Absatz hingegen um 16 Prozent. Damit lag das Absatzniveau allerdings erneut deutlich – um 19 Prozent – unter dem Wert von 2019. Mit insgesamt 10,6 Millionen Neuwagen wurden 2023 knapp 2,5 Millionen Pkw weniger verkauft als im Vorkrisenjahr 2019.

Der Rückgang im Dezember ist in erster Linie auf den massiven Einbruch in Deutschland zurückzuführen, der wiederum ein Resultat des Absatzbooms im Vorjahresmonat ist, als eine bevorstehende Reduzierung des staatlichen Zuschusses für eine große Zahl vorgezogener Käufe sorgte.

Die Schwäche des Absatzmarktes Deutschland bremste zuletzt auch den EU-weiten Absatz von Elektroautos aus: Im Dezember sank der Absatz von Elektroautos in der EU um 17 Prozent, im Gesamtjahr hingegen ging es um 37 Prozent nach oben. Der Hauptgrund für die Dezemberschwäche auf dem Elektromarkt ist der massive Rückgang der Elektro-Neuzulassungen in Deutschland, wo der Elektro-Absatz im Dezember fast um die Hälfte (48 Prozent) einbrach.

Ungewisser Ausblick – kaum noch Wachstum im Jahr 2024 erwartet

Die Perspektiven für den Neuwagenmarkt sind alles andere als rosig, sagt Constantin M. Gall, Managing Partner und Leiter Mobility bei EY für die Region Europe West: „Der Neuwagenmarkt hat noch längst nicht das Vorkrisenniveau erreicht. Und auch im Jahr 2024 wird es nur leicht aufwärts gehen. Die schwache Konjunktur, hohe Finanzierungskosten und die erheblichen geopolitischen Spannungen führen zu Kaufzurückhaltung sowohl bei Privatleuten als auch bei Unternehmen. In Deutschland wird zudem die nun gänzlich fehlende Subventionierung von Elektroautos das Wachstum bremsen. Unterm Strich dürfte 2024 für die Autobranche ein schwieriges Jahr werden. Die sich abzeichnende Rabattschlacht, die zunehmend auch das Elektrosegment erreicht, wird obendrein die Marge der Autobauer drücken. Die gute Nachricht für potenzielle Autokäufer lautet allerdings: Neuwagen werden wieder billiger, aus dem Verkäufermarkt ist ein Käufermarkt geworden.“

Elektroautos: Wachstum hält an, aber große Unterschiede innerhalb der EU

In vielen Ländern dürfte das Elektrosegment im Jahr 2024 als Wachstumstreiber fungieren – in Deutschland wird der Elektromarkt aber keine großen Sprünge machen, erwartet Gall: „Das Aus für die Umweltprämie war ein harter Schlag für den deutschen Elektroautomarkt und wird zu einer schwächeren Nachfrage führen. Wir sehen in anderen europäischen Märkten, dass eine staatliche Förderung einen erheblichen Beitrag zum Markthochlauf leistet – wo nicht gefördert wird, bleibt die Nachfrage überschaubar. Das Ziel, bis 2030 etwa 15 Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen, ist nun in weite Ferne gerückt – angesichts der neuen Rahmenbedingungen dürften viele Neuwagenkäufer nun doch noch einmal zum Verbrenner greifen anstatt sich für ein Elektroauto zu entscheiden.“

Ohnehin ist Deutschland ist zwar in absoluten Zahlen der größte Markt für Elektroautos in Europa, mit einem Elektro-Marktanteil von 23 Prozent liegt Deutschland aber im EU-Vergleich nur im oberen Mittelfeld.

Elektroautos in Skandinavien am populärsten – weiterhin sehr niedrige Marktanteile in Ost- und Südeuropa

Die höchsten Marktanteile wurden im Dezember in Irland, Dänemark und den Niederlanden mit 58 Prozent, 51 Prozent bzw. 42 Prozent registriert. Den niedrigsten Marktanteil wies Tschechien drei Prozent auf. Berücksichtigt man zusätzlich Plug-in-Hybride, wird der Unterschied noch deutlicher – dann reicht die Spanne von sechs Prozent (gemeinsamer Marktanteil BEV und PHEV) in Tschechien, Bulgarien und Kroatien bis 71 Prozent in Irland.

„Es gibt innerhalb der EU enorme Unterschiede in Bezug auf die Verbreitung von Elektroautos“, sagt Gall. „Und sie werden sogar immer größer. Vor allem die skandinavischen Länder haben frühzeitig und konsequent auf Elektromobilität gesetzt und entsprechende Rahmenbedingungen und Anreize geschaffen. Hier sind elektrifizierte Neuwagen bereits in der Mehrheit, in Osteuropa spielen Elektroautos hingegen auf dem Neuwagenmarkt quasi keine Rolle. Die ambitionierten EU-Pläne für die Elektromobilität, denen zufolge ab 2035 keine Verbrenner mehr neu zugelassen werden sollen, sind in Teilen Europas so weit von der heutigen Realität entfernt, dass man sich große Sorgen um ihre Realisierbarkeit machen muss.“

Für die Industrie sei der aktuelle Schwebezustand hoch problematisch: „Kommt das Aus für den Verbrenner wirklich? Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass der politische Wille nicht mehr so stark ist wie noch vor einigen Jahren. Die Autohersteller sind allerdings auf klare Rahmenbedingungen und vor allem Planungssicherheit angewiesen.“

Plug-in-Hybride gewinnen in den meisten Ländern weiter Marktanteile

Anders als in Deutschland, wo die Förderung für Plug-in-Hybride im vergangenen Jahr ausgelaufen ist und die Zahl der neu zugelassenen Plug-in-Hybride massiv rückläufig ist, erfreut sich diese Antriebstechnologie in vielen anderen EU-Ländern weiter steigender Beliebtheit – auch dank anhaltender Förderung. In 18 der 27 Ländern legte der Absatz von Plug-in-Hybriden zu. Außerhalb Deutschlands stiegen die Neuzulassungen im Dezember um 8 Prozent, einschließlich Deutschlands sanken sie hingegen um 40 Prozent.