Frankfurt/Main (3.3.15) – Gerhard Grandke ist mit Leib und Seele Optimist. Der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen hat vordergründig auch keinen Grund, seinem naturgegeben Optimismus abzuschwören. Denn trotz der extrem niedrigen Zinsen haben die 50 Mitglieds-Sparkassen in Hessen und Thüringen im vergangenen Jahr ein – wie es in der Pressemitteilung des Verbandes offiziell heißt – „gutes Geschäftsergebnis“ eingefahren. Weiter heißt es dort: „Im Kundengeschäft sind wir auf beiden Seiten der Bilanz kräftig gewachsen. Und auch mit der Ertragsentwicklung können wir angesichts der nicht einfachen Rahmenbedingungen zufrieden sein.

Gerhard Grandke, geschäftsführender Präsident des Spakassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen hat vor Beginn des Bilanz-Pressekonferenz gut Lachen. Viele der Sparkassenkunden ist das Lachen hingegen längst vergangen. Ihnen macht das extrem niedrige Zinsniveau zu schaffen. – Foto: PK
Beim Betriebsergebnis vor Bewertung haben wir fast das sehr gute Vorjahresniveau erreicht“, fasste Gerhard Grandke, der Geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen- Thüringen, im Rahmen der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Frankfurt am Main bzw. Erfurt das Geschäftsjahr 2014 zusammen. Die Bilanzsumme der 50 Mitgliedssparkassen stieg 2014 insgesamt um 1,2 Mrd. € bzw. 1,0% auf 114,1 Mrd. €. Zu diesem Wachstum trug das Kundengeschäft in Form von Krediten und Einlagen gleichermaßen bei.
Sparkassen bleiben zuverlässige Kreditgeber
Vor allem das Kreditgeschäft mit Nichtbanken entwickelte sich 2014 dynamisch. Die Ausleihungen an Kunden wuchsen insgesamt um 1,0 Mrd. € bzw. 1,6% auf 62,5 Mrd. €. Kräftige Impulse gingen auch vom Neugeschäft aus. Getrieben von einer starken Nachfrage nach Wohnungsbaufinanzierungen erhöhten sich die Darlehensauszahlungen in der Summe um 2,2% auf 10,3 Mrd. € und die Darlehenszusagen sogar um 5,1% auf 11,1 Mrd. €. „Die Frühindikatoren im Kreditgeschäft sind intakt. Wir sind deshalb optimistisch, dass das starke Neugeschäft auch 2015 wieder zu Bestandszuwächsen führen wird“, zeigte sich Grandke zuversichtlich.
Starkes Firmenkundenkreditgeschäft
Zum Kreditwachstum trugen die Ausleihungen an Unternehmen und Selbständige erneut wesentlich bei. Sie stiegen um 493 Mio. € bzw. 1,8% auf 27,5 Mrd. € und damit stärker als im Vorjahr (+0,8%). „Wir haben hier sicherlich davon profitiert, dass die deutsche Wirtschaft 2014 nach zwei mageren Jahren mit 1,6% überdurchschnittlich gewachsen ist. Der stark fallende Ölpreis und der exportfreundlich niedrige Eurokurs haben vor allem im 4. Quartal in vielen Branchen wie ein kleines Konjunkturprogramm gewirkt. Das hat die Bremswirkungen der geopolitischen Krisen in Osteuropa und im Nahen Osten überlagert“, erklärte Grandke.
Bestände bei Privatkrediten entwickeln sich positiv
Als zweiter Wachstumstreiber im Kreditgeschäft wirkten die Ausleihungen an Privatpersonen, die bei den Sparkassen im Verbandsgebiet um 514 Mio. € bzw. 1,8% auf 29,2 Mrd. € zulegten. Baufinanzierungen waren dabei besonders gefragt. „Bei den Wohnungsbaudarlehen stehen die Zeichen auch 2015 auf Bestandswachstum. Unsere Sparkassen haben hier 2014 fast 13% mehr Kredite zugesagt als im Vorjahr“, hob Grandke hervor. Die Ausleihungen an die öffentlichen Haushalte gingen 2014 um 146 Mio. € bzw. 2,9% auf 6,2 Mrd. € zurück.
Respektables Wachstum bei Kundeneinlagen
Ein gutes Stück voran kamen die Sparkassen in Hessen und Thüringen auch im Einlagengeschäft. Zwar war der Wettbewerb dort im vergangenen Jahr unverändert hart und intensiv. Die Institute konnten ihre Kundeneinlagen 2014 trotzdem um respektable 1,6 Mrd. € bzw. 1,8% auf 88,3 Mrd. € aufstocken. Vor der Kulisse der extremen Niedrigzinsphase sprach sich Grandke gegen negative Einlagenzinsen aus: „Wir Sparkassen sollten davon tunlichst die Finger lassen. Wir refinanzieren uns über die Kundeneinlagen in unserer Region und veredeln diese in Kredite, die wir dann wieder in die Region geben.
Wenn wir jetzt anfangen, die Einlagen unserer Kunden mit einem Strafzins zu belasten, kommen wir unserer Hauptaufgabe nicht mehr nach, den Menschen in unserem Geschäftsgebiet eine sichere Anlage zu bieten.“ Im Einlagenbereich hat sich an der Präferenz der Sparkassenkunden für liquide und kurzfristig verfügbare Anlagen nichts geändert. Das Wachstum ging ausschließlich auf das Konto der Täglich fälligen Gelder, die um gut 8% zulegten. Bei den anderen Sparformen dominierte das Minus: Die Spareinlagen schrumpften um 3,7%, die Eigenemissionen und die Termingelder um 16,6% bzw. 18,8%.
Wertpapiersparen im Aufwind
Spürbar belebt hat sich 2014 das Kundenwertpapiergeschäft. Die Umsätze gingen um 2,4% auf 11,9 Mrd. € nach oben. Auch der Nettoabsatz als Saldo von Käufen und Verkäufen fiel mit 175 Mio. € positiv aus. „Hier ist sicherlich noch Luft nach oben. Ein Teil unserer Kunden hat aber offensichtlich die Konsequenzen aus der Dauerniedrigzinsphase gezogen und ist ein Stück weit mehr ins Risiko gegangen, was gleichzeitig mehr Chancen bietet. Meiner Meinung nach ist das eine vernünftige Strategie“, unterstrich Grandke.
Auf der Beliebtheitsskala ganz oben standen 2014 die Investmentfonds. Auch bei den Aktien gab es einen positiven Nettoabsatz. Bei den festverzinslichen Wertpapieren fiel der Saldo zwischen Käufen und Verkäufen dagegen deutlich negativ aus. In dieser Anlagekategorie wurden lediglich bei den Zertifikaten mehr Papiere gekauft als verkauft.
Erfreut zeigte sich Grandke darüber, dass die Geldvermögensbildung der Sparkassenkunden 2014 um fast 30% auf 1,8 Mrd. € angestiegen ist. „In Hessen-Thüringen stellt sich also zum Glück nicht die Frage: `Sparst Du noch oder konsumierst Du schon‘? Unsere Kunden sparen trotz der extremen Niedrigzinsen. Das ist eine gute Nachricht.“
Die Eigenkapitalausstattung der Sparkassen in Hessen und Thüringen war auch 2014 sehr solide. Die Eigenmittel umfassten Ende Dezember 2014 insgesamt 10,7 Mrd. €. Davon entfielen 9,2 Mrd. € auf hartes Kernkapital. Der Anteil der Eigenmittel an der Bilanzsumme betrug 9,4%. Die Kernkapitalquote lag bei sehr auskömmlichen 17,6%.
Betriebsergebnis vor Bewertung auf Augenhöhe mit sehr gutem Vorjahreswert
Die gute Geschäftsentwicklung hat sich 2014 auch auf der Ertragsseite der Sparkassen in Hessen und Thüringen positiv niedergeschlagen. Das Betriebsergebnis vor Bewertung schnitt mit über 1,1 Mrd. € ähnlich gut ab wie im Vorjahr (-26 Mio. € bzw. -2,2%). Trotz des widrigen Zinsumfelds blieb der Zinsüberschuss mit rund 2,5 Mrd. praktisch stabil (-8 Mio. € bzw. -0,3%). Der Provisionsüberschuss verbesserte sich um 19 Mio. € bzw. 3,0% auf 656 Mio. €. Gleichzeitig ging aber auch der Verwaltungsaufwand der Sparkassen um 40 Mio. € bzw. 2,0% auf knapp 2,0 Mrd. € nach oben. „Insgesamt können wir mit der Ertragsentwicklung zufrieden sein. Wir haben im operativen Geschäft ein Ergebnis erzielt, das fast auf Augenhöhe mit dem sehr guten Vorjahreswert liegt“, freute sich Grandke.
Betriebsergebnis nach Bewertung: +16,8%
Noch besser fiel das Betriebsergebnis nach Bewertung aus. Dank eines positiven Bewertungsergebnisses lag es 2014 um über 80 Mio. € höher als vor Bewertung. Für dieses nicht alltägliche Phänomen zeichneten Zuschreibungen beim Bewertungsergebnis für das Wertpapiergeschäft (+55 Mio. €), beim sonstigen Bewertungsergebnis (+13 Mio. €) sowie beim Risikovorsorgeaufwand für das Kreditgeschäft (+16 Mio. €) verantwortlich. Nach Bewertung und vor Dotierung der Vorsorgereserven stieg das Betriebsergebnis 2014 um 177 Mio. € bzw. 16,8% auf über 1,2 Mrd. €. Die Cost-Income-Ratio der Sparkassen erhöhte sich im Verbandsgebiet von 62,4% auf 63,4%. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern verbesserte sich von 10,4% auf 11,6%.
2015: Sparkassen werden Ertragsdruck gegensteuern
Trotz der Dauerniedrigzinsphase und des daraus resultierenden Drucks auf den Zinsüberschuss und die Betriebsergebnisse sind die Sparkassen in Hessen und Thüringen laut Grandke gut für 2015 gerüstet: „Wir werden nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren und warten. Wir werden hier weiter gegensteuern. Wir werden das Kundengeschäft ausbauen und an den Erträgen und Kosten arbeiten. Unsere Sparkassen sind stabil und kapitalstark. Ich habe deshalb keine Zweifel, dass wir die anhaltende Niedrigzinsphase gut überstehen werden.“

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