Frankfurt/Main (22.4.15)/PK – Was wünschen sich Privatanleger  und Sparer in diesen Zeiten am liebsten? Natürlich eine klare Aussage dazu, wo Geld angesichts von Null- und Negativ-Zinsen noch sinnvoll und ziemlich risikolos angelegt werden kann. Noch präziser gefragt: Lohnt es jetzt noch, Aktien zu kaufen? Wer nun gehofft hatte, dass die Aktienmarktfachleute des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (abgekürzt: VÖB) auf der heutigen Aktienmarkt-Prognose-Pressekonferenz in Frankfurt am Main  klare Kauf- oder Verkauf-Signale aussenden würden, der wurde enttäuscht. Statt eindeutiger, für Sparer und Privatleger verständlicher Aussagen  tischten die versammelten Aktienmarkt-Experten eindrucksvolle Charts und Tabellen auf, aus denen etwa Joachim Schallmayer von der DekaBank ableitete, dass „der Hausse-Zyklus noch intakt“ sei, sich also der Kauf von Aktien weiterhin lohne. Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen Helaba hingegen schlussfolgerte aus den von ihm vorgelegten Daten: Aktien unterzugewichten. Will sagen: Aktien (eher) zu verkaufen, als zu kaufen. Dazu muss man wissen, dass die DekaBank die Investmentfonds-Bank der Sparkassen ist. Hinter der Helaba  steht wiederum der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Sie betreibt ganz nebenbei (und das recht erfolgreich) auch noch die Frankfurter Sparkasse. DekaBank und Helaba sind also starke Mitglieder der  gleichen Sparkassen-Familie.

Saßen in der VÖB-Aktienmarkt-PK friedlich nebeneinander:: Joachim Schallmayer (Dekabank, 3.v.l.) und Markus Reinwand (Helaba). Schallmayer rät zum Aktienkauf, Reinwand warnt davor. - Foto: PK

Saßen in der VÖB-Aktienmarkt-PK friedlich nebeneinander:: Joachim Schallmayer (Dekabank, 3.v.l.) und Markus Reinwand (Helaba). Schallmayer riet zum Aktienkauf, Reinwand warnte hingegen davor. – Foto: PK

Dass in Groß-Familien in Detailfragen die Meinungen auseinandergehen (können), ist verständlich. Aber bei Grundsatzfragen sollte man sich doch sparkassen-familien-intern abstimmen. Das gilt gerade bei der für viele Sparer wichtigen Frage, ob es sich angesichts der Hausse immer noch lohnt, Aktien zu kaufen. Oder ob Aktien bereits überteuert sind und man sie – sofern man welche hat –  (eher) verkaufen sollte. Der sparkassen-interne Dissens zwischen Joachim Schallmayer (Dekabank) auf der einen und Markus Reinwand (Helaba) auf der anderen Seite führt im Alltag dazu, dass Sparkassenkunden mal zum Aktienkauf geraten, mal davon abgeraten wird. Je nachdem in welchen Dunstkreis der Sparkassenkunde gerade gerät. Und das ist einfach ärgerlich.

Die Presseabteilung des Bundesverbandes Öffentlicher  Banken faßte die Positionen der beteiligten Häuser und ihrer Aktienexperten in einer Pressemitteilung zusammen, die Widersprüche weitestgehend glättete.  In der Pressemitteilung heißt es: Bisher führte jede geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB) zu rasanten Sprüngen bei Kursen europäischer Aktien, insbesondere bei deutschen Titeln. Die VÖB-Aktienexperten Manfred Bucher (BayernLB), Joachim Schallmayer (DekaBank), Markus Reinwand (Helaba), Dr. Berndt Fernow (LBBW) sowie Volker Sack (NORD/LB) sehen dementsprechend die Ausweitung des Quantitative Easing
(QE) der EZB als die entscheidende Initialzündung für die Kursrally des DAX seit Jahresanfang, erwarten aber erste Anzeichen für eine nachlassende Dynamik der Hausse.

Aktien sind nach den umfangreichen Kursanstiegen so hoch bewertet, dass sich die Kurse teilweise von der Ertragslage der Unternehmen zu entkoppeln drohen. Daher sehen die Kapitalmarktexperten der VÖB-Mitglieder Potential für Kurskorrekturen durch mögliche Gewinnmitnahmen. Stabilisierend dürfte dagegen das weiterhin niedrige Zinsniveau durch die Fortsetzung der Ankaufprogramme der EZB für Anleihen, die an den Märkten vorhandene Liquidität sowie die Wiederanlage hoher Dividendenzahlungen wirken. Auch der deutliche Unterschied zwischen Dividenden und Zinscoupons spricht tendenziell für Investitionen in Aktien. Auf 12-Monatssicht erwarten die Aktienstrategen für den DAX überwiegend leichte Kursanstiege, nur die Helaba prognostiziert fallende Kurse.

Die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland und der Eurozone bewerten die VÖB-Aktienexperten zunehmend positiv. In der Eurozone gehen sie für 2015 von einem BIP-Wachstum zwischen 1,0 Prozent und 1,5 Prozent sowie für 2016 von einer Expansion zwischen 1,4 Prozent und 1,7 Prozent aus. In den USA werden weiterhin höhere Wachstumsraten erwartet, allerdings mit etwas nachlassender Dynamik. Im gleichen Zeitraum liegt die Prognose zwischen 2,7 Prozent bis 3,2 Prozent für 2015 bzw. 2,7 Prozent bis 3,0 Prozent Wachstum im Jahr 2016.
Potential für Spekulationen bietet weiterhin die Ausrichtung der Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Eine Anhebung der Zinsen ist zu erwarten, obgleich die Einschätzungen über den konkreten Zeitpunkt auseinander gehen.
Einerseits könnte eine Zinsanhebung der Fed dämpfende Wirkung für die US-Aktienkurse haben, andererseits würde diese Entscheidung nach Meinung der VÖB-Experten jedoch Unsicherheit am Kapitalmarkt abbauen und den Anlegern Planungssicherheit einräumen.