Frankfurt/Main (23.4.15) – Hohe Strafzahlungen verhageln den Großbanken in Europa und den USA weiter den Gewinn. Insgesamt knapp 47 Milliarden Euro mussten die jeweils zehn größten Geldinstitute dies- und jenseits des Atlantiks im vergangenen Jahr an Strafen zahlen, wobei die US-Banken mit umgerechnet 36,3 Milliarden Euro deutlich stärker zur Kasse gebeten wurden als die europäischen Top Banken, die insgesamt 10,5 Milliarden Euro zahlen mussten.

Entsprechend stark unter Druck waren die Gewinn gerade der US-Banken: Das Konzernergebnis der zehn größten Kreditinstitute der USA sank – bereinigt um positive Steuereffekte im Vorjahreszeitraum – um 24 Prozent auf 82 Milliarden Euro. Bei den europäischen Banken stieg das Konzernergebnis zwar um 25 Prozent auf knapp 24 Milliarden Euro, es blieb damit aber erneut stark hinter dem Gewinn der US-amerikanischen Top-Banken zurück.

Das sind Ergebnisse einer EY-Analyse der Bilanzen der jeweils nach Bilanzsumme zehn größten Banken in den Vereinigten Staaten und Europa.

Hauptgründe für die anhaltend schwache Entwicklung in Europa sind zum einen das historisch niedrige Zinsniveau, das die Zinseinnahmen schrumpfen lässt, zum anderen hohe regulatorische Anforderungen an Eigenkapital und Risikovorsorge. Hinzu kommen die hohen Strafzahlungen, mit denen Verstöße gegen Börsenregularien und staatliche Wirtschaftssanktionen, Goldpreismanipulationen und umstrittene Hypothekengeschäfte geahndet wurden. „Insbesondere die US-Behörden sind zurzeit äußerst wachsam und verhängen zum Teil drakonische Strafen“, so Dirk Müller-Tronnier, Partner und Leiter Banking & Capital Markets bei EY. Besonders hart traf es im vergangenen Jahr die großen US-Banken, denen Strafzahlungen von umgerechnet 36,3 Milliarden Euro auferlegt wurden. Gegen die europäischen Top-Banken wurden Strafen in Höhe von insgesamt 10,5 Milliarden Euro verhängt. Am härtesten traf es die Bank of America, bei der sich die im Jahr 2014 verhängten Strafzahlungen auf 22,4 Milliarden Euro addieren.

„Zum Teil beziehen sich die im vergangenen Jahr verhängten Strafzahlungen auf Auswüchse aus der Zeit vor der Finanzkrise, zum Teil aber geht es auch um weniger lang zurückliegende Vorgänge“, betont Müller-Tronnier. „Und die Banken werden sich auf weitere Belastungen einstellen müssen. Aufsichtsbehörden sind inzwischen überaus strikt und bereit, auch sehr hohe Strafen zu verhängen“. Es sei daher im ureigenen Interesse der Banken, sicherzustellen, dass sie bei ihrer Geschäftstätigkeit immer zu einhundert Prozent den rechtlichen Regelungen und Vorgaben genügen, so Müller-Tronnier. „Die finanziellen Risiken bei Rechtsverstößen sind enorm. Die aktuelle Welle an zum Teil erheblichen Strafzahlungen zeigt, wie außerordentlich wichtig es für die Banken ist, wirksame Verfahren und Kontrollen zu implementieren.“

Strafzahlungen der Top 10 Banken in Europa und den USA in 2014
Unternehmen Summe der akzeptierten Strafen pro Bank in Millionen Euro
Bank of America 22.410
Citigroup 7.558
BNP Paribas 7.411
JPMorgan Chase 3.247
Morgan Stanley 1.353
Goldman Sachs 1.089
HSBC 1.011
Royal Bank of Scotland 901
Deutsche Bank 786
Lloyds Banking 281
U.S. Bancorp 274
Wells Fargo 232
Fannie Mae 140
Barclays 118
Banco Santander 17

 

US-Banken mit Gewinnen wie vor der Finanzkrise

Trotz des deutlichen Gewinnrückgangs der US-Banken: Mit einem Gesamt-Konzernergebnis von umgerechnet knapp 82 Milliarden Euro lag der Gewinn der führenden US-Kreditinstitute nicht nur erheblich höher als bei der europäischen Konkurrenz, er übertraf sogar abermals das Vorkrisenniveau von durchschnittlich 70 Milliarden Euro. Den mit Abstand höchsten Nettogewinn  US-Banken fuhren mit umgerechnet 19 bzw. 18 Milliarden Euro Wells Fargo und JPMorgan Chase ein. In Europa führten die britische Großbank HSBC und die spanische Banco Santander mit 11,3 bzw. 5,8 Milliarden Euro die Rangliste die gewinnstärksten Finanzinstitute an.

Obwohl auch sie unter den Minizinsen leiden, stehen die US-Banken momentan deutlich besser da als ihre europäischen Mittbewerber. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Profitabilität: Die Eigenkapitalrentabilität, der sogenannte Return on Equity (RoE), lag bei den europäischen Top-Banken im vergangenen Jahr bei gerade einmal 2,9 Prozent (Vorjahr: 2,6 Prozent). Die US-Banken schafften hingegen einen RoE von 8,9 Prozent (Vorjahr: 13,8 Prozent).

„Die US-Wirtschaft hat sich im vergangenen Jahr gut entwickelt, der Immobilienmarkt gewinnt an Schwung und das Investment- und Transaktionsgeschäft floriert – davon können die Banken profitieren“, beobachtet Müller-Tronnier. „Die europäischen Banken hingegen leiden – neben dem niedrigen Zinsniveau – unter der schwachen Konjunkturentwicklung und dem nach wie vor hohen Bestand an notleidenden Krediten. Ihnen fällt es deutlich schwerer, die gestiegenen Anforderungen an die Risikovorsorge und Eigenkapitalaustattung zu erfüllen.“

Die US-Banken waren nicht immer so viel profitabler als die europäischen Institute: Vor der Finanzkrise – in den Jahren 2005 bis 2007 – lag der RoE der Top-Banken dies- und jenseits des Atlantiks noch etwa auf gleichem Niveau – bei durchschnittlich etwa 15 Prozent.

Eigenkapitel steigt – Banken besser für Krisen gewappnet

Während die Gewinne und damit auch die Profitabilität auf beiden Seiten des Atlantiks im vergangenen Jahr schrumpften, machen die meisten Top-Banken allerdings Fortschritte beim Aufbau von Kapitalpuffern: Das kumulierte Eigenkapital der größten zehn Banken in Europa und den USA lag zur Jahresmitte jeweils auf dem mit Abstand höchsten Stand seit zehn Jahren. Die zehn größten europäischen Banken erhöhten ihr Eigenkapital im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf rund 818 Milliarden Euro, die zehn größten US-Banken sogar um 19 Prozent auf 923 Milliarden. Seit dem Krisenjahr 2008 haben die Banken ihr Eigenkapital somit deutlich aufgestockt – die  europäischen Banken um 70 Prozent, die US-Banken sogar um 92 Prozent.

Auch die Eigenkapitalquoten sind gestiegen: Die durchschnittliche Eigenkapitalquote stieg in Europa um 0,2 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent, in den USA um 0,3 Prozentpunkte auf 7,1 Prozent – die US-Banken können also im Durchschnitt eine deutlich höhere Eigenkapitalquote vorweisen.

„Die positive Entwicklung der Eigenkapitalausstattung ist in erster Linie eine Folge der strengeren regulatorischen Vorgaben in den USA bzw. der EZB-Stresstests“, sagt Müller-Tronnier. „Die Banken sind insofern auf einem guten Weg. Sie sind nun nicht nur stabiler aufgestellt und für künftige Krisen besser gewappnet, sondern sie werden in Zukunft auch in ihrem Geschäft von der besseren Aufstellung profitieren. Bis sie die Früchte der aktuellen Investitionen und Umstrukturierungen ernten können, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen. Denn bis auf weiteres wird die Ertragskraft gerade der europäischen Banken eher schwach bleiben“.

Quelle: EY